FRANKFURT--Das Zinsparadies wackelt. Der Status deutscher Anleihen als sicherer Anlagehafen in der Euro-Krise hat einen Dämpfer erhalten. Kannten die deutschen Renditen in den vergangenen Wochen nur eine Richtung, nämlich nach unten, ist es am Mittwoch zu einem Richtungswechsel gekommen. Bei der Auktion 10-jähriger Bundesanleihen ist die Rendite auf 1,52 Prozent gestiegen. Am 16. Mai, als die Papiere zuletzt aufgestockt wurden, lag sie noch bei 1,47 Prozent. Damit aber nicht genug. Am Sekundärmarkt lag die Rendite zu Beginn des Monats noch deutlich tiefer bei 1,13 Prozent.
Die von manchen befürchtete Panne ist bei der Auktion damit aber ausgeblieben. Im Vorfeld hatte es Stimmen gegeben, die die aktuelle Lage mit der vom November verglichen. Damals hatte der Bund mit der schwächsten Auktion seit Beginn der Euro-Ära zu kämpfen.
Im Vorfeld der Auktion waren die Renditen deutscher Staatsanleihen zuletzt deutlich gestiegen, was angesichts des noch deutlicheren Anstiegs der spanischen und italienischen Renditen fast unterging. Hinter dem Zinsanstieg stehen die immer neuen Hilfszusagen und die damit steigenden finanziellen Verpflichtungen des Musterknaben Deutschlands in der Euro-Krise.
Sollte die Milliardenspritze für die spanischen Banken aus dem Rettungsfonds EFSF kommen, was derzeit noch unklar ist, bedeutet das dem Regelwerk folgend, dass mit Spanien ein Kredit-Garantiegeber für den Fonds ausfällt. Damit würde der deutsche Bürgschaftsanteil deutlich steigen. Auch die Initiativen bezüglich einer Fiskalunion oder eines engeren Zusammenschlusses der europäischen Banken zu einer Bankenunion sorgen für Spekulationen über steigende finanzielle Belastungen für Deutschland. Hinzu kommen diverse Szenarien über die Deutschland drohenden Kosten bei einem Verfall der Eurozone.
"Wir erwarten, dass Spanien ganz unter den Rettungsschirm gehen wird und die Märkte beginnen, das einzupreisen. Italien wird derzeit noch etwas anders gesehen, aber wir glauben nicht, dass das von Dauer ist", kommentieren die Experten der RBS die jüngsten Renditeanstiege.
"Die Kreditwürdigkeit Deutschlands leidet sicher unter den weiteren Hilfsmaßnahmen für die Peripherie. Für uns sind Bundesanleihen global gesehen aber immer noch eine der sichersten und liquidesten Anlagen", sieht Marcel Bross von der Commerzbank den Ruf als sicherer Anlagehafen trotz der jüngsten Entwicklung nicht gefährdet. Auch Richard McGuire von der Rabobank zeigt sich zuversichtlich für die Bundesanleihen, zumindest solange keine Lösung für die Eurokrise gefunden ist.
Andere Stimmen warnen, Deutschland müsse jetzt den Preis für den Euro bezahlen. Die letzte Bastion wackele und Deutschland drohe, in den Abwärtsstrudel der Krise hineingezogen zu werden. Zwar hätten viele Investoren schon länger Zweifel an der Zukunft des Euro und der Krisenbewältigung in den Peripheriestaaten gehabt, im Glauben an Deutschland seien sie aber standfest geblieben.
Dieser Glaube scheint nun zu bröckeln und die Nervosität macht sich in steigenden deutschen Zinsen bemerkbar, nachdem monatelang Gelder aus den Peripherieanleihen in deutsche Papiere umgeschichtet wurden.
Den Stein ins Rollen brachte das Hilfeersuchen Spaniens bei der EU für seine überschuldeten Banken über bis zu 100 Milliarden Euro. Statt Aufatmen und Erleichterung an den Märkten auszulösen, führte dies in erster Linie zu der Erkenntnis, dass Europa den Gang hin zu einer Fiskalunion beschleunigen muss.
Damit lebt auch die von Deutschland immer wieder zurückgewiesene Idee, von den Euro-Staaten gemeinsam aufgelegter Anleihen, so genannter Eurobonds, wieder auf. Sollte Deutschland diesen doch noch zustimmen (müssen), wäre dies letztlich der Preis für die Rettung des Euro. Die Rendite gemeinsamer Anleihen würde dann deutlich höher liegen als die jetzt von Deutschland wieder zu zahlenden 1,50 Prozent.
Weiter gestiegen sind unterdessen die Refinanzierungskosten Italiens. Das Land musste bei der Auktion zwölfmonatiger Titel eine Rendite von nahezu 4 Prozent bezahlen, um genügend Käufer zu finden. Zuletzt, am 11. Mai, waren es lediglich 2,3 Prozent. Mit den hohen Kosten wird es für die Regierung in Rom immer schwieriger, eine Wende bei der Schuldenlast zu erreichen.
Italien steht nicht allein. Die Zeiten für Anleihen der Eurozone-Staaten sind schlecht. Am Dienstag kam es zu kräftigen Abverkäufen dieser Titel, da die Anleger mehr und mehr mit Skepsis die Rettungsaktion für die spanischen Banken beobachten. Wegen des steigenden Gesaamtschuldenstandes könnte Spanien ebenfalls in Not geraten, befürchten viele Marktteilnehmer.
Mit Bangen blicken die Finanzmärkte nun auf die am Donnerstag anstehende Auktion von italienischen Staatsanleihen mit Laufzeiten bis 2015, 2019 und 2020. Zwar ist das Volumen mit 4,5 Milliarden Euro nicht besonders üppig, doch drohen dennoch eine spärliche Nachfrage und damit höhere Kosten. Und zunehmend lastet die Sorge auf den Märkten, dass Italien letztendlich denselben steinigen Weg beschreiten muss wie bereits Griechenland, Irland, Portugal und Spanien.
Kontakt zum Autor: Steffen.Gosenheimer@dowjones.com
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June 13, 2012 07:38 ET (11:38 GMT)
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