02.05.2013 17:23
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UPDATE2: EZB senkt Zinsen und will Kreditvergabe verbessern

   --Hauptrefinanzierungssatz sinkt um 25 Basispunkte, Spitzenrefi um 50 Basispunkte

   --EZB gründet Task-Force mit EIB zur Belebung der Kreditverbriefung

   --Volkswirte: EZB hält sich Tür für weitere Zinssenkung offen

   (NEU: Details aus Pressekonferenz mit Draghi, Reaktionen von Bankvolkswirten)

   Von Hans Bentzien

   FRANKFURT/BRATISLAVA--Die Europäische Zentralbank (EZB) stemmt sich in einem neuen Anlauf gegen die Konjunkturschwäche im Euroraum. Der EZB-Rat fasste bei seiner Sitzung in Bratislava mehrere Beschlüsse, die die Finanzierungsbedingungen nochmals lockern und den Kreditzugang für südeuropäische Unternehmen verbessern helfen sollen. Nach Aussage von EZB-Präsident Mario Draghi will eine Task-Force aus EZB und Europäischer Investitionsbank (EIB) den Markt für mit Aktiva besicherte Wertpapiere (ABS) wiederbeleben. Draghi schloss außerdem perspektivisch weitere Zinssenkungen und selbst negative Einlagenzinsen nicht aus. Der Euro reagierte darauf mit kräftigen Verlusten.

   Die erste Überraschung hatte die EZB gleich bei ihrer Zinsentscheidung parat: Zwar senkte sie den Hauptrefinanzierungssatz wie erwartet um 25 Basispunkte auf 0,50 Prozent, doch nahm sie den Satz für Spitzenrefinanzierungen um 50 Basispunkte auf 1,00 Prozent zurück. Bankhäuser können einen unerwarteten Liquiditätsbedarf damit noch billiger decken als bisher.

   Da die EZB zugleich ihren Satz für Bankeinlagen unverändert bei null ließ, engte sich der Leitzinskanal auf nur noch 1 Prozentpunkt ein. Zuvor war er 1,5 Prozentpunkte groß gewesen, vor der Finanzkrise hatte er 2 Punkte betragen. Von dieser Entscheidung profitieren vor allem Banken, die noch weniger Zinsen für EZB-Liquidität zahlen müssen, überschüssige Mittel aber weiterhin bei EZB anlegen können, ohne einen Strafzins zahlen zu müssen. Das nämlich hätte ihnen im Falle einer symmetrischen Senkung aller Leitzinsen gedroht.

   Draghi machte in der Pressekonferenz allerdings klar, dass ein negativer Einlagezins für die EZB kein absolutes Tabu mehr ist. Zwar sei der EZB bewusst, dass ein negativer Satz diverse unbeabsichtigte Nebenwirkungen habe, doch werde die EZB auch den Einlagenzins "unvoreingenommen prüfen", sagte Draghi. In der Folge sackte der Euro um einen Dreiviertel Cent ab. "Schon die pure Erwähnung negativer Einlagenzinsen, die die EZB bisher als unbekanntes Territorium bezeichnet hat, hat den Euro drehen lassen", sagte Daragh Maher, Währungsanalyst bei HSBC in London.

   Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, sieht einen Kurswechsel der EZB in diesem Punkt. "Bisher hatte man den Eindruck, dass die EZB einen negativen Einlagensatz ablehnt. Draghi hat zwar auch heute auf seine Nachteile hingewiesen, zugleich aber deutlich gemacht, das man auf einen solchen schritt vorbereitet ist", sagte Krüger und fügte hinzu: "Das heißt, dass die EZB noch Spielraum sieht."

   Das gilt zumindest für einen gewissen Teil des EZB-Rats, dessen Abstimmungsverhalten Draghi so schilderte: "Es gab eine sehr, sehr große Mehrheit für niedrigere Leitzinsen und darunter eine sehr, sehr große Mehrheit für eine Senkung um 25 Basispunkte", sagte er. Das bedeutet: Es haben vielleicht nicht alle Ratsmitglieder für eine Senkung gestimmt, aber von den Senkungswilligen wollte einige um mehr als 25 Basispunkte senken.

   Draghi machte außerdem deutlich, dass die EZB über Maßnahmen zur Belebung des Verbriefungsmarkts nachdenkt. Nach Draghis Aussage hat die EZB zusammen mit der EIB eine Task-Force zur Wiederbelebung des "toten" ABS-Markts gegründet. Dahinter steht die Sorge, dass südeuropäische Unternehmen wegen der prekären Lage mancher Banken oder aufgrund allgemeiner Risikoerwägungen immer weniger Kredite oder nur noch zu teure Kredite bekommen könnten. Damit ist, wie die EZB es ausdrückt, die Übertragung des geldpolitischen Signals gestört.

   Draghis Kalkül könnte so aussehen: Die EIB gibt den Not leidenden Unternehmen jene Kredite, die die Geschäftsbanken ihnen nicht geben wollen. Die EIB-Kredite wiederum könnten verbrieft und als Sicherheit bei der EZB eingereicht werden. Mit diesem EZB-Kredit könnten weitere Kredite an Unternehmen in Südeuropa vergeben werden.

   ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski sieht die Möglichkeit, dass die EIB an kleinere Unternehmen vergebene Kredite garantiert und diese dadurch EZB-fähig werden. Zudem könnte die EIB die Kredite auch aufkaufen, sagte er.

   Wie gesagt - Draghi selbst wollte sich nicht genauer äußern. Er sagte, dass die Überlegungen noch sehr vorläufig seien. "Ich hatte den Eindruck, dass er das bewusst offen gehalten hat. Er wollte den Märkten einfach signalisieren, dass die EZB das Problem erkannt hat und dass es nicht damit getan ist, nur die Vollzuteilung zu verlängern", sagte Alexander Krüger.

   Das hat die EZB auch noch getan: Banken können sich bis ins zweite Quartal 2014 weiterhin nach Wunsch mit EZB-Liquidität versorgen, wenn sie genug Wertpapiere als Sicherheiten einreichen. Sie legte sich damit nicht mehr wie bisher üblich nur für sechs, sondern gleich für zwölf Monate fest. An den Anforderungen an Repo-Sicherheiten hat die EZB entgegen mancher Hoffnungen nichts geändert.

   Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

   (Mitarbeit: Sarah Sloat, Andreas Plecko, Alexandra Edinger)

   DJG/hab/apo

   (END) Dow Jones Newswires

   May 02, 2013 10:52 ET (14:52 GMT)

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