09.07.2013 08:30
Bewerten
 (3)

IWF verlangt von der EZB volles Krisenarsenal

Zentralbank in der Pflicht
Der Internationale Währungsfonds hat die Eurozone vor einem Wiederauflodern der Krise gewarnt und die Europäische Zentralbank in die Pflicht genommen.
Die Notenbank soll der Wirtschaft mit allen Mitteln unter die Arme greifen. "Weitere Zinssenkungen, inklusive eines negativen Einlagenzinses, würden die Nachfrage im Euroraum stärken und dem Deflationsdruck begegnen", heißt es im neuen Ausblick des Währungsfonds auf die Eurozone. Dort sieht es laut IWF alles andere als rosig aus: "Die zentrifugalen Kräfte bleiben besorgniserregend und ziehen das Wachstum überall nach unten."

   Deshalb sollen die Frankfurter Währungshüter neben Zinssenkungen das volle Arsenal einsetzen. Darunter fallen zum Beispiel neue mehrjährige Langfristtender für Banken und der Kauf von Wertpapieren, um die Kreditkosten für Klein- und Mittelständler im Süden des Euroraums zu drücken.

   Bei seiner Anhörung vor dem EU-Parlament am Montagnachmittag hatte EZB-Präsident Mario Draghi vor zu hohen Ansprüchen an sein Haus gewarnt. Den Kauf von verbrieften Unternehmenskrediten schloss er aus. Die EZB könne Banken nicht zum Geldverleihen zwingen. Draghi wiederholte vor den Abgeordneten sein Zinsversprechen. "Der Ausstieg aus unserer gegenwärtig stimulierenden Geldpolitik liegt weit entfernt", sagte der Notenbankchef.

   Bei seiner ersten vorausschauenden Steuerung der Märkte ("Forward Guidance") hatte der EZB-Rat am Donnerstag erklärt, dass die Leitzinsen "für einen längeren Zeitraum" auf oder sogar unter dem jetzigen Niveau bleiben werden, um die Eurozone aus der Rezession und der Schuldenkrise zu bringen. Der EZB-Leitzins liegt derzeit bei 0,50 Prozent.

   In dem neuen Ausblick fordert der IWF von den Euroländern außerdem, die Bankenunion schneller auf die Beine zu stellen und schlingernde Banken direkt mit Kapital aus dem EU-Rettungsfonds ESM zu versorgen. Die Entscheidungsmacht über die Abwicklung von Pleitebanken soll vollständig nach Brüssel verlagert werden. Auch der EZB-Präsident hat eine möglichst rasche Umsetzung der Bankenunion gefordert.

   Derzeit ist vorgesehen, dass die gemeinsame Bankenaufsicht unter dem Dach der EZB als erste Säule der Bankenunion im Herbst 2014 ihre Arbeit aufnimmt. Für die zweite Säule, die gemeinsame Abwicklungsbehörde und den europäischen Bankenabwicklungsfonds, steht noch kein fester Zeitplan.

DJG/DJN/chg/sgs

Dow Jones Newswires

Bildquellen: Marco Rullkoetter / Shutterstock.com

Heute im Fokus

DAX geht mit Plus ins Wochenende -- Dow: Yellen-Effekt verpufft -- US-Wirtschaft wächst schwach -- VW will wohl Milliarden in Batteriefabrik für E-Autos investieren -- SGL, Google und Oracle im Fokus

Bank of America versucht erneut Kreditkartentochter MBNA zu verkaufen. Monsanto-Managern winkt Millionen-Regen bei Übernahme. Air France tankt nach Sprit-Protesten mehr im Ausland. EU verschärft erneut Sanktionen gegen Nordkorea. Aktionäre von DMG Mori sollen Abfindung von 37,35 Euro erhalten. Yellen: Leitzinserhöhung in den kommenden Monaten angemessen. BMW & Co.: Autobauer rufen in den USA Millionen Wagen zurück.
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Vier Aktien für den langfristigen Vermögensaufbau:
In der neuen Ausgabe des Anlegermagazins werden vier Aktien vorgestellt, die sich aus Sicht der Redaktion für den langfristigen Vermögensaufbau eignen. Sicherheit allein war nicht das entscheidende Kriterium. Es ging auch darum, Aktien von Unternehmen auszuwählen, die aufgrund ihrer Wettbewerbsstellung aussichtsreich erscheinen und die dennoch große Wachstumschancen bieten.
Welche Marke ist die teuerste?
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
In welcher Metropolregion leben am meisten Menschen?

Umfrage

Bundeskanzlerin Merkel hält trotz aller Kritik am umstrittenen Flüchtlingspakt mit der Türkei fest. Wie bewerten Sie dessen Chancen?