Deutschland profitiert weiter von Mini-Zinsen

Experten erklären den anhaltenden Ansturm auf kurzfristige deutsche Schuldtitel mit der Suche der Anleger nach "sicheren Häfen", in denen Mittel in Zeiten der Krise "geparkt" werden können. Da sich die Banken gegenseitig nicht über den Weg trauen, suchen sie verzweifelt nach anderen Möglichkeiten, ihre überschüssige Liquidität zu bunkern. Dass diese überhaupt vorhanden ist, liegt zu einem wesentlichen Teil an der Europäischen Zentralbank, die im Dezember fast 500 Milliarden Euro an extrem günstigen Dreijahreskredite zur Verfügung gestellt hatte.
Auf der Refinanzierungsseite profitiert Deutschland derzeit wie kaum ein anderer Staat von der Unsicherheit angesichts Schuldenkrise im Euroraum: Vor Kurzem nahmen Investoren sogar erstmals Negativzinsen in Kauf, um dem Bund für sechs Monate Geld leihen zu dürfen. Sie zahlten also gewissermaßen eine Sicherheitsgebühr, um ihre Mittel dort parken zu können, wo ein Zahlungsausfalls auf kurze Sicht als so gut wie ausgeschlossen gilt.
Ein weiterer Indikator für das hohe Sicherheitsbedürfnis und das große Misstrauen zwischen den Geschäftsbanken in der Eurozone sind die Mittel, die sie bei der EZB horten. Diese sogenannte Vorsichtskasse der Übernachteinlagen stieg am Mittwoch auf 528,2 Milliarden Euro, nachdem sie am Dienstag erstmals über die Marke von 500 Milliarden Euro geklettert war. Wie bei den Negativzinsen für Geldmarktpapiere lassen sich die Geld-Institute dabei bewusst auf ein Minusgeschäft ein./hbr/jsl
FRANKFURT (dpa-AFX)


