Wertpapiere

Cash or Nothing lautet die Devise beim Handel Binärer Optionen. Wie funktioniert der Handel mit Binären Optionen? Alexandra Latour erläutert die Grundlagen des Handels dieser spekulativen Finanz-Derivate.

Seit dem Jahr 2008 ist der Markt der Finanzderivate mit dem Binäroptionshandel um eine Variante reicher. Anleger können bei dieser Optionsspielart auf einen Kursanstieg oder einen Kursabfall spekulieren. Cash or Nothing - entweder lag der Anleger mit seiner Entscheidung richtig und erhält einen Gewinn oder der gesamte Einsatz ist verloren. Das Funktionsprinzip ist simpel und selbst für Börsenlaien sofort verständlich. Genau aus diesem Grund wird der Handel mit Binären Optionen immer beliebter und erlebt derzeit einen regelrechten Boom.

Die Zahl der Online-Broker, die den Binäroptionshandel auf ihrer Handelsplattform anbieten, steigt stetig und das Angebot ist kaum noch zu überblicken. Alle versprechen sie hohe Renditen, schnelle Gewinne und locken mit attraktiven Bonusprogrammen.

Die Wahrheit wird jedoch meist verschwiegen: Spekulationsgeschäfte bergen ein enorm hohes finanzielles Risiko. Wer unvorbereitet und blind in das Tradinggeschäft mit dem Traum vom großen Geld einsteigt, der wird schnell von der Realität eingeholt und verliert sein gesamtes eingesetztes Kapital. Umso wichtiger ist es also, sich gut auf den Binäroptionshandel vorzubereiten.

Handelbare Basiswerte und Handelsarten

Binäre Optionen können auf Aktien, Indizes, Währungspaare und Rohstoffe gehandelt werden. Diese werden als Basiswerte oder Assets bezeichnet. Um diese handeln zu können, gibt es verschiedene Handelsarten.

Die Call- und Put-Optionen stellen die klassische Variante dar. Sollte ein Anleger davon ausgehen, dass der Kurs eines ausgewählten Basiswertes am Ende der Laufzeit höher als zum Einstiegszeitpunkt sein wird, so bucht er eine Call-Option für einen steigenden Kurs. Geht er hingegen von einem fallenden Kurs aus, wird eine Put-Option gebucht. Die Laufzeit und den Einsatz kann der Anleger individuell festlegen. Grundsätzlich kann die Option dann nur einen von zwei Zuständen annehmen, entweder "im Geld" (Gewinn) oder "aus dem Geld" (Verlust). Wie sich der Kurs des Basiswertes während der Laufzeit entwickelt, ist unerheblich. Wichtig ist nur, wo sich der Kurs am Ende Laufzeit befindet.

Abb.: Klassische Call- und Put-Optionen auf das Währungspaar EUR/USD. Quelle: OptionWeb.com

Neben der klassischen Variante werden mittlerweile zahlreiche weitere Handelsarten angeboten, die Abwechslung und mehr Nervenkitzel in den Binäroptionshandel bringen sollen. Hierzu gehören auch die Turbo-Optionen bzw. 60-Sekunden-Optionen, die wie Call- und Put-Optionen gehandelt werden, aber nur eine Laufzeit von einer Minute haben. Noch anspruchsvoller sind die One-Touch-Optionen. Hier muss der Anleger prognostizieren, ob der Kurs eines ausgewählten Basiswertes während der Laufzeit einen festgelegten Zielkurs berühren ("touch") wird. Aber auch Range- und Ladder-Optionen sowie das Pair-Trading sind Handelsvarianten, die von der klassischen Variante abweichen und sehr komplex sind. Für Einsteiger sind diese Handelsarten völlig ungeeignet, weshalb sie sich nur auf die Call- und Put-Optionen konzentrieren sollten.

Auswahl des Brokers

Wer mit Optionen handeln möchte, der braucht einen Online-Broker. Diesen zu finden, ist nicht schwer. Zu unterscheiden, welcher seriös arbeitet und gute Handelskonditionen anbietet, ist schon wesentlich schwieriger und für Laien nahezu unmöglich.

Zunächst sollten sich Einsteiger die Zertifizierung des jeweiligen Brokers ansehen, denn mittlerweile sind die meisten Broker offiziell lizenziert durch Finanz- und Regulierungsbehörden. Da viele Broker ihren Hauptsitz auf Zypern haben, lassen sie sich von der Cyprus Securities and Exchange Commission (CySEC) lizenzieren und unterliegen damit auch automatisch den Richtlinien über Märkte für Finanzinstrumente (Markets in Financial Instruments Directive (MiFID). Ein regulierter Broker genießt somit großes Vertrauen bei seinen Kunden.

Ein Broker-Vergleich sollte zudem mithilfe der folgenden Fragen vorgenommen werden:

  • Finden sich auf der Webseite des Brokers Allgemeine Geschäftsbedingungen, Datenschutzerklärung und Risikohinweis?
  • Bietet der Broker ein kostenloses Demokonto an?
  • Wie viele Basiswerte und Handelsarten werden angeboten?
  • Wie hoch ist die Mindesteinzahlung?
  • Fallen für Ein- oder Auszahlungen Gebühren an?
  • Wie hoch ist der Mindesteinsatz pro Trade?
  • Gibt es eine Verlustabsicherung oder Zusatzfunktionen zur Verlustbegrenzung?
  • Wie gestaltet sich das Unterstützungs- und Bildungsangebot?

Im Internet gibt es inzwischen zahlreiche unabhängige Vergleichsportale, die bei der Auswahl des passenden Brokers helfen können. Anzumerken ist hier noch, dass einige Broker mit sehr geringen Mindesteinzahlungssummen und niedrigen Einsätzen pro Trade locken. Hiermit wollen die Broker vor allem unerfahrene Einsteiger für sich gewinnen. Das Hauptaugenmerk liegt aber der Erfahrung nach nicht darauf, einen Trader umfassend zu unterstützen und langfristig an sich zu binden, sondern vielmehr darauf, dass Einsteiger mehrere Einzahlungen hintereinander vornehmen und immer wieder Verluste erleiden. Deshalb sollte auch unbedingt immer das Unterstützungs- und Bildungsangebot eines Brokers betrachtet werden.

Optionen handeln bei finanzen-broker.net

Bonus mit bösen Überraschungen

Die meisten Binäroptionsbroker locken mit attraktiven Bonusprogrammen, wodurch der Handel mit Binären Optionen einen leicht negativen Touch erhält und nicht selten mit dem Glücksspiel gleichgesetzt wird. Schließlich gibt es derartige Bonusprogramme schon lange bei Online-Casinos oder Online-Buchmachern.

Grundsätzlich ist es kein Fehler, wenn ein Bonus genutzt wird, um mit mehr Kapital in das Trading einzusteigen. Jedoch sollten sich Trader vorab mit den Bonusbedingungen der jeweiligen Broker auseinandersetzen. Ein Broker hat nichts zu verschenken, weshalb der Bonusbetrag x-fach umgesetzt werden muss, bevor dieser "frei" ist und eine Abhebung des Betrages beantragt werden kann.

Es kommt sehr häufig vor, dass Trader einen Bonus annehmen, ohne sich vorher über die Umsatzbedingungen zu informieren und bei der Auszahlung dann eine böse Überraschung erleben. Aus Frust hagelt es dann in einschlägigen Foren Berichte über die betrügerischen Machenschaften des Brokers. Von Betrug kann hier aber nicht die Rede sein, denn niemand wird gezwungen, solch einen Bonus anzunehmen.

Das einzige, was den Brokern vorgeworfen werden kann, ist eine zu hohe Umsatzforderung, die nicht erfüllt werden kann. Sollte ein Broker mehr als die 50-fache Umsetzung des Bonusbetrages verlangen, ist von der Inanspruchnahme des Bonus dringend abzuraten. In der Regel unterliegen Bonusbeträge der 25- bis 40-fachen Umsetzung.

Glücksspiel oder seriöse Geldanlage?

Viele Vermarktungsstrategien der Broker wirken wie Casinowerbung, wobei es hierbei natürlich darum geht, Kunden zum Traden zu animieren. Zwar ist die Werbung größtenteils sehr aggressiv, aus unternehmerischer Sicht aber nachvollziehbar. Der Binäroptionshandel ist aber kein Glücksspiel, denn Trader müssen sich an den jeweiligen Finanzmärkten orientieren und Analysen durchführen, wenn sie ihre Optionen erfolgsversprechend buchen möchten. Der Einstieg ist bereits mit sehr geringen Einsätzen möglich, aber wer ohne eine gut ausgearbeitete Handelsstrategie arbeitet, der wird nur Verluste erleiden.

Da es beim Binäroptionshandel nur zwei Wahlmöglichkeiten gibt, gehen viele auch davon aus, dass die Erfolgsrate bei 50 Prozent liegt. Allerdings kann die Kombination aus Handelserfahrung, Strategien und Analysen die Erfolgschancen auf mehr als 50 Prozent erhöhen. Zum Glücksspiel wird der Binäroptionshandel nur dann, wenn Trader blind und ohne Fachkenntnisse ins Trading einsteigen.

Gewinne und Verluste bei Binären Optionen

Der Binäroptionshandel hat im Vergleich zum CFD-Trading oder Forex-Handel den Vorteil, dass es sich hierbei nicht um sogenannte Hebelgeschäfte handelt, sondern Gewinn und Verlust im Vorhinein feststehen. Anders als beim CFC- oder Forex-Trading kann hier der Verlust nicht über das eingesetzte Kapital hinausgehen.

Je nach Broker liegen die erzielbaren Renditen zwischen 70 und 95 Prozent. Einige Handelsvarianten wie die One-Touch-Optionen werden von vielen Binäroptionsbrokern auch im High-Yield-Modus angeboten. Teilweise können hier Renditen sogar von bis zu 1.000 Prozent generiert werden.

Abb.: One-Touch-Option auf die Apple-Aktie. Quelle: OptionWeb.com

Hierbei ist aber zu beachten, dass je höher die Rendite ausfällt, desto höher ist auch das Risiko. Für Einsteiger sind Optionsarten im High-Yield-Modus völlig ungeeignet.

Gewinn und Verlust hängen von unterschiedlichen Faktoren ab. Unbedingt notwendig ist das Ausführen des Risiko- und Moneymanagements. Grundsätzlich sollten sich Trader an die folgenden Regeln halten:

  • Kapitalschutz: Das verfügbare Kapital für den Binäroptionshandel darf niemals in eine einzige Position investiert werden.
  • Kapitalstreuung: Ratsam ist es, das Kapital auf mehrere Positionen mit unterschiedlichen Basiswerten und verschiedenen Laufzeiten zu streuen.
  • Einsatz pro Position: Für jede Position sollten nur maximal fünf Prozent (Einsteiger ein bis zwei Prozent) des verfügbaren Kapitals investiert werden. Sollte es zu Verlusten kommen, steht noch Kapital zur Verfügung.
  • Realität nicht aus den Augen verlieren: Trotz der hohen Gewinnmöglichkeiten müssen Trader realistisch bleiben. Besser ist es kleine Beträge gezielt einzusetzen, umso kontinuierlich kleinere Gewinne erwirtschaften zu können, als mit hohen Beträgen zu "zocken".
  • Emotionen: Gefühle wie Angst, Frust, aber auch Euphorie haben im Binäroptionshandel nichts zu suchen, denn hierdurch wird irrational gehandelt, was automatisch zu Verlusten führt.
  • Handelsstrategie: Gewinne können nur erzielt werden, wenn Trader eine Handelsstrategie ausarbeiten, sich einen Tradingplan erstellen und sich an beides strikt halten.

Fachwissen aneignen - ohne Fleiß keinen Gewinn

Aktion €uro Investor

Viele Broker suggerieren, dass Einsteiger ohne Fachwissen innerhalb kürzester Zeit hohe Gewinne generieren können. Würde das der Wahrheit entsprechen, wären wir schon längst alle Multimillionäre. Auch im Binäroptionshandel gilt die alte Weisheit "ohne Fleiß keinen Preis (Gewinn)". Um wirklich langfristig erfolgreich zu sein, benötigt ein Trader neben Zeit und Geduld auch das erforderliche Fachwissen:

  • Börsen-Basiswissen
  • Basiswissen und Interesse an der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage
  • Basiswissen über die einzelnen Märkte (Aktien, Indizes, Währungen, Rohstoffe)
  • Grundverständnis für das Funktionsprinzip des Binäroptionshandels
  • Grundwissen über die unterschiedlichen Handelsstrategien

Über die Autorin

Alexandra Latour, Jahrgang 1977, hat eine kaufmännische Ausbildung und das Studium der BWL absolviert. Seit 2009 arbeitet sie als selbstständige Texterin und Buchautorin. In ihrem E-Book "Binäre Optionen - Das Basishandbuch für erfolgreiches Trading" informiert Latour über die Grundlagen des Handels mit Binären Optionen. Im E-Book "Das Arbeitshandbuch für erfolgreiches Trading: Effektive Handelsstrategien mit zahlreichen Beispielen aus der Praxis" geht die Autorin weiter in die Tiefe der Thematik und beschreibt Handelsstrategien anhand von Praxisbeispielen. Die eBooks von Alexandra Latour sind bei amazon.de erhältlich.