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Bonitätsanleihenfinanzen.netSpecial Edition
| Basiswissen
Bonitätsanleihen - Alternative zu klassischen Anleihen
• Bonitätsanleihen bieten die Chance auf höhere Renditen, als mit vergleichbaren herkömmlichen Anleihen erzielbar wären

• Der Renditevorsprung resultiert aus einer zusätzlichen Risikoprämie, die der Anleihegläubiger für die Akzeptanz des Emittentenrisikos der herausgebenden Bank erhält

• Der Anlageerfolg mit Bonitätsanleihen hängt maßgeblich vom Nichteintritt sogenannter Kreditereignisse beim Referenzschuldner ab

• Lineare Bonitätsanleihen beziehen sich auf einen oder mehrere Referenzschuldner und bieten deswegen bei größerem Risiko ein höheres Renditepotenzial

Antwort auf das Zinstief

Das anhaltende Zinstief hat die Attraktivität von Staats- und Unternehmensanleihen deutlich reduziert. Mit Papieren bonitätsstarker Emittenten lässt sich kaum noch eine positive Rendite erzielen. Dies stellt insbesondere anleihenaffine Investoren, die nicht in den Aktienmarkt ausweichen wollen oder dürfen, vor Herausforderungen. Eine Alternative bieten in diesem Umfeld die sogenannten Bonitätsanleihen oder Credit Linked Notes (CLN), mit denen eine spürbar höhere Verzinsung als mit Staats- oder Unternehmensanleihen erzielt werden kann, allerdings bei ebenfalls erhöhten Risiken.

Eine einfache Idee

Bei Bonitätsanleihen oder auch Bonitätsabhängigen Anleihen handelt es sich um strukturierte Produkte (Derivate), die von einer Bank emittiert werden und die rechtlich eine Schuldverschreibung des Emittenten darstellen. Sie haben in der Regel mittlere bis lange Laufzeiten und anleihengleiche Zahlungsstrukturen. Das bedeutet, dass Anleger grundsätzlich Anspruch auf jährliche Zinszahlungen sowie auf die Rückzahlung von 100 Prozent des Nennbetrages am Laufzeitende haben. Die Verzinsung kann zudem, wie bei klassischen Anleihen auch, über die gesamte Laufzeit fix sein oder im Zeitablauf ansteigen (Stufenzins). Das Besondere an Bonitätsanleihen ist, dass die Zins- und Rückzahlung an die Kreditwürdigkeit (Bonität) eines sogenannten Referenzschuldners gekoppelt ist. Bei diesem kann es sich um ein Unternehmen oder um einen Staat handeln. Darüber hinaus gibt es auch Bonitätsanleihen, deren Entwicklung von der Bonität mehrerer Referenzschuldner abhängt. Derartige Anleihen mit zwei oder mehreren Referenzschuldnern, die gleichgewichtet sind, werden lineare Bonitätsanleihen genannt und referenzieren oft auf die Bonität mehrerer Vertreter eines Sektors, wie zum Beispiel des Automobilbaus.

Höhere Rendite

Mit einer Bonitätsanleihe kann eine höhere Rendite als mit einer vergleichbaren herkömmlichen Anleihe erzielt werden. Während beispielsweise mit einer normalen, bis Februar 2021 laufenden Anleihe von BASF SE derzeit eine Rendite von 0,77 Prozent zu erreichen ist, wirft eine Bonitätsanleihe der Erste Group Bank AG mit der BASF SE als Referenzschuldner bei vergleichbarer Laufzeit aktuell 1,53 Prozent ab. Der Renditevorsprung resultiert daraus, dass sich die Rendite der Bonitätsanleihe aus mehreren Komponenten zusammensetzt: Neben dem allgemeinen Zinsniveau enthält sie eine Komponente, die von der Bonität der Emittentin "Erste Group" abhängig ist, sowie eine Risikoprämie für die indirekte Investition in den Referenzschuldner "BASF".

Mehr Risiko

Der zusätzlichen Risikoprämie steht allerdings auch ein erhöhtes Risiko gegenüber. Neben dem Emittentenrisiko, also der Gefahr, dass die Bank, die die Bonitätsanleihe begeben hat, ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann, sind die Zins- und Rückzahlungen auch an die Bonität des Referenzschuldners geknüpft. Verschlechtert sich seine Bonität und tritt ein sogenanntes Kreditereignis ein, entfallen mit sofortiger Wirkung sämtliche künftigen Zinszahlungen. Gleichzeitig wird die Bonitätsanleihe vorzeitig beendet und mit einem Barausgleichsbetrag abgegolten. Dessen Höhe orientiert sich am Marktwert der Verbindlichkeiten des Referenzschuldners und kann deutlich unter dem Nennbetrag der Anleihe liegen. Im Extremfall kann er auf Null fallen und damit einen Totalverlust bedeuten. Die Kreditereignisse, die diesen negativen Verlauf auslösen können, sind in den Bedingungen einer Bonitätsanleihe klar definiert.Ihr Eintritt wird von einem unabhängigen Gremium, der ISDA (International Swaps and Derivatives Association), festgestellt. Als solche Kreditereignisse gelten in der Regel die Insolvenz des Referenzschuldners, die Nichtzahlung einer fälligen Verbindlichkeit sowie eine für die Gläubiger nachteilige Restrukturierung der Schulden (siehe dazu auch Beitrag "Kreditereignisse"). Darüber hinaus werden teilweise auch die Nichtanerkennung einer Verbindlichkeit in Form einer Anleihe sowie ein Moratorium als Kreditereignisse definiert. Mit Ausnahme der Insolvenz gelten für die genannten Fälle klar festgelegte Mindestgrößen für die betroffenen Verbindlichkeiten.

Lineare Bonitätsanleihen

Bei linearen Bonitätsabhängigen Anleihen auf mehrere Referenzschuldner reduzieren sich im Falle eines Kreditereignisses die Zinszahlung und die Höhe der Rückzahlung um den prozentualen Anteil des Referenzschuldners (z. B. um ein Drittel bei drei Referenzschuldnern). Eine Verschiebung der Fälligkeit erfolgt bei linearen Bonitätsabhängigen Anleihen nicht. Sollte jedoch bei allen Referenzschuldnern ein Kreditereignis eintreten, entfallen sämtliche ausstehenden Zinszahlungen. Eine Rückzahlung zum Barausgleichsbetrag erfolgt in diesem Fall nicht, da dieser 0,00 EUR beträgt.