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| Devisen und die Notenbanken
Notenbanken - Die Devisenwächter
Zentralbanken gehören zu den wichtigsten Einflussfaktoren auf die Finanz- und insbesondere die Devisenmärkte. Dabei gibt es das Zentralbanken-Konzept bereits seit dem 17. Jahrhundert. In ihrer heute bekannten Form existieren Notenbanken aber erst seit dem 19. und 20. Jahrhundert.
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Die wichtigsten Notenbanken der Welt

Die Federal Reserve

Die wohl einflussreichste Zentralbank ist die US-Notenbank Federal Reserve, auch häufig „Fed“ abgekürzt.
In Anbetracht der Tatsache, dass der US-Dollar noch immer die Leitwährung Nr. 1 ist, haben alle Handlungen der Federal Reserve große Wirkung auf die Entwicklung anderer Währungen weltweit. Als Zentralbank-System der Vereinigten Staaten von Amerika besteht die Fed aus zwölf Bankenbezirken, denen jeweils eine Federal Reserve Bank vorsteht. Obwohl diese Banken Aktiengesellschaften sind und die Privatbanken der jeweiligen Bezirke Anteilseigner der Federal Reserve Banken, ist das Federal Reserve System kein privates, sondern vom Gesetzgeber initiiertes System. Folglich sind Änderungen an Aufgabenbereich, Struktur und Verantwortlichkeiten auch nur durch den Gesetzgeber selbst möglich.
Das Hauptaugenmerk der US-Zentralbank liegt auf der Stabilisierung des Preisniveaus. Zudem hat sich die Fed die Unterstützung der US-Wirtschaft auf die Fahnen geschrieben. Darüber hinaus tritt die US-Notenbank als Kontrollinstanz des Bankenwesens auf und sorgt dafür, dass das Zahlungssystem intakt bleibt. In ihrer Verantwortung liegt zudem die Kontrolle und Überwachung der Geldmenge sowie die Veröffentlichung eines regelmäßigen Konjunkturberichts – des Beige Book.

Die Europäische Zentralbank

Nach der Federal Reserve ist die Europäische Zentralbank, EZB abgekürzt, die zweitgrößte Notenbank der Welt. Die EZB ist für die europäische Währungszone verantwortlich und wurde entsprechend auch erst mit der Euro-Einführung 1999 gegründet. Es handelt sich somit noch um ein verhältnismäßig junges Konstrukt.
Die Hauptaufgabe der EZB ist – neben der Überwachung des Euro-Bankensystems – die Regulierung der Geldmenge. Als Hauptziel hat sich die Europäische Zentralbank Preisniveaustabilität auf die Fahnen geschrieben. Das Wachstum der Verbraucherpreise soll die 2%-Marke nicht überschreiten.
Die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Eurozone soll zudem gefördert und unterstützt werden – sofern dies nicht dem Hauptziel entgegen steht.
Darüber hinaus ist die EZB dafür zuständig, die offiziellen Währungsreserven der Mitgliedstaaten zu verwalten und einen reibungslosen Zahlungsverkehr zu gewährleisten.
Im Direktorium der EZB sitzen sechs Mitglieder des Führungsausschusses und die Präsidenten der Eurozonen-Nationalbanken.

Bank of England

Eine der ältesten Zentralbanken weltweit ist die in London ansässige Bank of England. Das Institut wurde 1694 gegründet und nahm in den Jahrhunderten seiner Existenz verschiedene Funktionen wahr. Ihr Zuständigkeitsbereich erstreckt sich über das Vereinigte Königreich, die Bank bestimmt die Geld- und Währungspolitik für das Pfund Sterling – eine der ältesten Währungen der Welt. Seit 1946 ist die BoE verstaatlicht.
Die Bank of England richtet ihr Hauptaugenmerk darauf, die Stabilität der Währung sicherzustellen. Ebenso wie bei der Federal Reserve in den USA und der Europäischen Zentralbank im Euroraum ist der Erhalt der Preisstabilität die Hauptaufgabe der Bank of England. Betrieben wird die Bank of England von einem Direktorium, das aus einem Gouverneur, zwei Vizegouverneuren und vier externen Wirtschaftsexperten besteht. Zusätzlich sitzen zwei hauptamtlich tätige Direktoren in dem Gremium.


Bank of Japan

Die wichtigste und einflussreichste Zentralbank im asiatischen Währungsraum ist die Bank of Japan, die Notenbank von Japan. Seit 1882 regelt das Institut die Notenausgabe der japanischen Währung. Das ist auch die primäre Aufgabe der Bank. Das Institut regelt also die Menge der im Umlauf befindlichen Banknoten und hat damit starken Einfluss auf die Volkswirtschaft des Landes.
Darüber hinaus hat sich auch die BoJ der Gewährleistung der Preisstabilität verschrieben.
Die Bank of Japan ist zentral organisiert. Im Lenkungsrat sitzen der Gouverneur und seine zwei Stellvertreter. Zusätzlich gehören dem Rat noch sechs weitere Mitglieder an, die vom Kabinett ernannt werden.

Optionen der Notenbanken, den Devisenmarkt zu beeinflussen

Notenbanken stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, in den Devisenmarkt einzugreifen.

Eines der wichtigsten Instrumente, die Zentralbanken zur Verfügung stehen, sind Offenmarktgeschäfte. Durch diese wird dem Markt Geld entzogen oder zugeführt. Konkret gibt die jeweilige Zentralbank so genannte Offenmarktpapiere heraus oder kauft diese an. Handelspartner sind dabei Geschäftsbanken, die die Papiere kaufen und denen damit das Geld nicht mehr für die Kreditvergabe an Unternehmen zur Verfügung steht oder verkaufen – in dem Fall bekommen Banken von der Notenbank zusätzliches Geld zur Kreditvergabe.


Bei Offenmarktgeschäften kann man verschiedene Arten differenzieren:

1. Haupttender
Diese so genannten Hauptrefinanzierungsgeschäfte stellen Liquidität mit einer Laufzeit von einer Woche zur Verfügung. Sie werden wöchentlich durchgeführt.

2. Basistender
Diese längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte werden ein bis mehrmals im Monat angeboten und haben eine Laufzeit von drei Monaten. Sie sollen Liquidität durch befristete Transaktionen zur Verfügung stellen.

2. Schnelltender
Durch die Feinsteuerungsoperationen sollen Liquiditätsschwankungen schnell ausgeglichen werden. In der Regel erfolgt die Abwicklung eines solchen Geschäfts und die Zuteilung des Geldes innerhalb von wenigen Stunden. Dieses Instrument wird nicht regelmäßig, sondern nur bei Bedarf genutzt.

4. Standardtender
Diese speziellen Tenderverfahren kommen insbesondere im Euroraum zum Einsatz. Es handelt sich dabei um Schnelltender, die innerhalb von 24 Stunden durchgeführt werden.

Neben Offenmarktgeschäften stehen Zentralbanken über ständige Fazilitäten Möglichkeiten zur Verfügung, in den Devisenmarkt einzugreifen. Dabei handelt es sich um eine Form von Krediten, mit deren Hilfe sich Geschäftsbanken refinanzieren können. Unterschieden werden dabei zwei Formen:

1. Die Spitzenrefinanzierungsfazilität
Über Spitzenrefinanzierungsfazilität beschaffen sich Geschäftsbanken über Nacht frisches Geld bei den Zentralbanken. Diese stellen den Banken dafür einen vorgegebenen Zinssatz in Rechnung. Dabei gibt es in der Regel keine Kredithöchstgrenzen, wenn ausreichende Sicherheiten vorgelegt werden. Wie hoch der Zinssatz ist, richtet sich in der Regel nach der Obergrenze des Tagesgeldsatzes.

2. Einlagefazilität
Das Gegenstück zur Spitzenrefinanzierungsfazilität ist die Einlagefazilität. Dabei können Geschäftsbanken Geld, das kurzfristig nicht benötigt wird, bei den Zentralbanken parken. Dafür erhalten Sie von den Notenbanken eine entsprechende Verzinsung, den vorgegebenen Einlagesatz. Dieser orientiert sich in der Regel an dem aktuellen Leitzinssatz.

Eine weitere Möglichkeit für Zentralbanken, Einfluss auf den Devisenmarkt zu nehmen, ist durch Devisenmarktinterventionen. Dabei wird Währung durch Zentralbanken gekauft oder verkauft, um den Währungskurs zu beeinflussen.
Konkret wird die Menge ausländischer Währung auf dem Markt erhöht, indem die Notenbank aus ihrem Währungsbestand Reserven verkauft und dafür eigene Devisen erwirbt. Dies stärkt die eigene Währung, indem die Menge auf dem Markt verknappt wird – eine Aufwertung zugunsten der eigenen Währung ist die Folge.
Zu beachten ist dabei, dass entsprechende Eingriffe in den Devisenmarkt zeitgleich die Inflation beeinflussen. Eine Währungsabwertung zieht einen Anstieg der Inflationsrate nach sich. Stärkt man hingegen die eigene Währung durch den Ankauf von Inlandsdevisen und den Verkauf ausländischer Devisen, tritt das Gegenteil ein – die Inflationsrate sinkt.

Ein weiteres wirkungsvolles Instrument, das Notenbanken an der Hand haben, ist die so genannte Mindestreserve. Diese stellt die Einlage von Geschäftsbanken bei den Zentralbanken dar, zu denen diese verpflichtet werden. Das Geld wird von den Notenbanken fest angelegt. Mit Hilfe der Mindestreserve soll die Nachfrage der Geschäftsbanken nach Zentralbankgeld gesteuert werden.
Die Anpassung der Mindestreserve wirkt sich unmittelbar auf die Liquiditätssituation der Geschäftsbanken aus. Wird der Mindestreservesatz angehoben, wird den Instituten Geld entzogen – im umgekehrten Fall stellt die Zentralbank den Geschäftsbanken auf diesem Weg Liquidität zur Verfügung.

Exkurs: Leitzinsen

Die Noten- und Zentralbanken können durch die Festsetzung ihrer Zinssätze die Zinsverhältnisse am Geldmarkt und die allgemeine Zinsentwicklung beeinflussen. Das Ziel jeder Noten- und Zentralbank ist es, für ein stabiles Preisniveau zu sorgen und die Inflationsrate niedrig zu halten.
Leitzinsen geben an, unter welchen Bedingungen sich Kreditinstitute bei Noten- und Zentralbanken Geld leihen können. Dadurch können die Währungshüter auf wirtschaftliche Gegebenheiten reagieren, um die Inflation einzudämmen und das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Die Noten- und Zentralbanken können durch die Festsetzung ihrer Zinssätze die Zinsverhältnisse am Geldmarkt und die allgemeine Zinsentwicklung beeinflussen. Das Ziel jeder Noten- und Zentralbank ist es, für ein stabiles Preisniveau zu sorgen und die Inflationsrate niedrig zu halten.

Für das Euroland ist der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) für die Entwicklung der Leitzinsen verantwortlich. England hat mit der Bank of England (BoE) eine eigene Notenbank. Eine äußerst wichtige Rolle spielt in den USA die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed). In Japan ist die Bank of Japan (BoJ) mit dem Wirtschaftswachstum beziehungsweise der Eindämmung der Inflation betraut.

Im Euroland ist der Hauptrefinanzierungssatz der wichtigste Leitzins. Zusätzlich sind der Spitzenrefinanzierungssatz sowie der Einlagesatz von Bedeutung. Bei der Bank of England steht die Repo Rate im Mittelpunkt des Interesses. Bei einer Zinsänderung in den USA ist in der Regel die Federal Funds Rate der sogenannte Leitzins. Außerdem ist der Diskontsatz ein wichtiger Parameter. Der entscheidende Zinssatz in Japan ist der sogenannten Overnight Call Rate.

Bedeutung und Folgen einer Zinsanhebung
Die Erhöhung des Leitzinses deutet auf eine einschränkende Geldpolitik hin. Diese dient dazu, bei einem robusten Wirtschaftswachstum, die damit wachsende Inflationsgefahr einzudämmen.
Bei einer Zinsanhebung geben Kreditinstitute ihre damit verbundenen gestiegenen Kosten an ihre Kunden weiter. Dies schlägt sich in gestiegenen Kredit- und Guthabenzinsen nieder. Demzufolge müssen Kreditnehmer für Geldleihen mehr aufwenden und Sparer können mit höheren Zinsen rechnen. Letztlich wird das Investitionsvolumen der Unternehmen eingeschränkt und Verbraucher sparen mehr, als dass sie Kredite aufnehmen. Außerdem werden Anleihen aufgrund der besseren Verzinsung gegenüber Aktien interessanter, da deren Kurse langsamer fallen beziehungsweise steigen. Den positiven Folgen einer Leitzinserhöhung steht somit eine Einschränkung des Wirtschaftswachstums gegenüber.

Bedeutung und Folgen einer Zinssenkung
Die Senkung eines Leitzinses weist auf eine ausweitende Geldpolitik hin. Diese hat den Zweck, Kredite zu verbilligen und die Konjunktur zu beleben.
Für Unternehmen wird demnach die Finanzierung von Investitionen günstiger, wodurch insgesamt mehr investiert und die Wirtschaft angekurbelt wird. Auch für Verbraucher verbilligen sich die Kredite, was wiederum das Konsumverhalten belebt. Der Aktienhandel erlebt in der Regel ebenfalls einen Aufschwung. Im Gegenzug lohnen sich Spareinlagen aufgrund der fallenden Zinsen jedoch weniger.
Da sich mit einer Änderung des Leitzinses auch die Differenz zu dem Zins anderer Länder verändert, die Zinsschere also größer oder kleiner wird, werden auch die jeweiligen Landeswährungen beeinflusst. So wirkt sich eine Zinssenkung in den USA negativ auf den Dollar und positiv auf den Euro aus. Zinsniveauänderungen haben damit auch einen Einfluss auf Im- und Export.