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finanzen.netSpecial Edition
| Interview
"So übersteht man die Niedrigzinsphase"
Wie Anleger die Niedrigphase überstehen, erklärt Nico Hamm, Leiter Sparkassen, Banken & öffentliche Kunden Nord der HSH Nordbank.
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Nachgefragt bei Nico Hamm, Leiter Sparkassen, Banken & öffentliche Kunden Nord der HSH Nordbank

Herr Hamm, die Zinsen sind im Zuge der Finanzmarktkrise stark gesunken. Rechnen Sie damit, dass es bald wieder nach oben geht?

Nico Hamm: Die Zinsentwicklung ist aktuell stark politisch geprägt und für Europa schwer zu prognostizieren. Schafft die EZB die Entkoppelung von der amerikanischen Zinspolitik? Greift das "quantitative easing", also die monetäre Lockerung? Ich denke, die Zinswende lässt in Europa noch eine Weile auf sich warten, sicher ist aber aktuell nichts. Derzeit unternimmt die EZB alles, um die Zinsen noch weiter zu drücken.

Der Blick auf die Tages- und Festgeldangebote der Hausbank dürften Kunden derzeit wenig Spaß machen. Worauf sollten Anleger achten, die ihr Geld möglichst gut verzinst parken möchten?

Nico Hamm: Idealerweise hat der Anleger eine Mindestverzinsung und eine Partizipation an steigenden Zinsen. So lässt sich auch eine Niedrigzinsphase überstehen.

Was halten Sie von den Angeboten diverser Auslandsbanken - zum Teil ist hier mehr als ein Prozent für Tagesgeld drin…?

Nico Hamm: Die letzten sechs Jahre haben gezeigt, dass Privatanleger dem deutschen Sicherungssystem im Finanzsektor zu Recht einen hohen Wert beimessen. Vor einer Investition sollte der Anleger sich immer über die Risiken informieren und zum Beispiel auf die Bail-in-Quote, die Auskunft über die Haftungsregelung gibt, achten. Bail-in bedeutet, dass zunächst die Eigentümer und Gläubiger einer Bank haften, bevor staatliche Stützungsmaßnahmen erfolgen. Deutsche Banken müssen ab 2015 sicherstellen, dass die Haftungssumme von Eigentümern und Gläubigern mindestens eine Quote von acht Prozent der Bilanzsumme beträgt.

Welche Anlageprodukte liegen bei deutschen Bankkunden zurzeit im Trend?

Nico Hamm: Kunden wünschen sich in unsicheren Zeiten einfache Produkte mit verlässlichen, kalkulierbaren Renditen. Entsprechend gut laufen die Klassiker: Stufenzins-Anleihen oder Floater mit Mindestzins, sogenannte Floored-Floater.

Gibt es Wertpapiere, mit denen Käufer von der aktuellen Situation profitieren - etwa, indem sie bei wieder steigenden Zinsen partizipieren?

Nico Hamm: Floored-Floater bieten beispielsweise einen Mindestzins über dem Marktniveau und bieten gleichzeitig die Chance, an steigenden Zinsen zu partizipieren.

Und was passiert, wenn die Zinsen nicht steigen?

Nico Hamm: Dann erhält der Anleger den zugesicherten Mindestzins.

Welche Produkte sind für Anleger interessant, die über eine Investition in den Aktienmarkt nachdenken, aber Rückschläge für möglich halten?

Nico Hamm: Aktienindex-Anleihen mit Partizipation und Kapitalgarantie, auch Garant-Anleihen genannt, liefern eine 1:1-Abbildung eines steigenden Aktienindex zum Laufzeitende und im Fall eines fallenden Index 100 Prozent Kapitalrückzahlung. Anleger mit mehr Risikobereitschaft sollten über Teilschutzprodukte mit Puffer gegen fallende Kurse nachdenken.

Können Investoren mit diesen Papieren Geld verlieren?

Nico Hamm: Bei kapitalgarantierten Anleihen erhält der Anleger 100 Prozent des Kapitals zurück. Wird bei Teilschutzpapieren die Barriere erreicht oder unterschritten, hängt die Rückzahlung des Kapitals von der Entwicklung des Index ab. Der Investor kann also auch Geld verlieren.

Und welche Renditen sind möglich?

Nico Hamm: Die Rendite ist immer von der Bonität des Emittenten und von der Laufzeit abhängig. Daher sollte der Anleger zunächst den Produkttyp und im zweiten Schritt einen geeigneten Emittenten und die passende Laufzeit wählen.

Wenn Sie heute selbst 10.000 Euro anlegen müssten, für welches Investment würden Sie sich entscheiden?

Nico Hamm: Da ich bereits in Floored-Floatern und Garant-Anleihen investiert bin, würde ich als Ergänzung eine Bonitätsanleihe auf ein solides deutsches Unternehmen wählen.