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Die größten Währungskrisen
Im Laufe der Geschichte gab es zahlreiche Währungszusammenbrüche. Nur wenige Währungen haben noch keine Krisen hinter sich gebracht, viele haben diese nicht überlebt. Volkswirtschaftliche Krisen dieser Art äußern sich durch eine plötzliche, starke Abwertung der Landeswährung. In vielen Fällen zieht ein Zusammenbruch der Währung eine Finanz- und Wirtschaftskrise nach sich oder ist durch eine solche bedingt.
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Ursachen von Währungskrisen

Die Auslöser für Währungskrisen sind vielfältig. Traditionell und klassisch erklärt, ist der Urzustand eine feste Bindung der Inlandswährung an eine ausländische Hartwährung. Der Staat leidet aufgrund expansiver Geldpolitik unter einem Staatsbudgetdefizit, das wiederum durch ein Reduzieren der Devisenreserven angegangen werden soll.

Schrumpfen die Devisenreserven aber ständig, geht der verantwortlichen Zentralbank irgendwann das Geld aus. Eine Freigabe des Wechselkurses wäre die Folge. Anleger werden daher versuchen, ihre Devisenbestände so schnell wie möglich umzutauschen. Eine massive Abwertung der Währung ist die Folge.
Ein weiteres Erklärungsmodell nimmt Anleihe an psychologischen Effekten. Demnach kann das Verhalten der Anleger Einfluss auf die Politik haben. So genannte selbst erfüllende Prophezeihungen und ein Herdenverhalten der Anleger gelten in diesem Zusammenhang als größtes Risiko für den Wert einer Währung.

Konkret ist oftmals ein Vertrauensmangel in die Wirtschaftspolitik des Landes der Ansatzpunkt bei der Erklärung der Entstehung von Währungskrisen. Dies geht mit einem Abverkauf der heimischen Währung einher, eine Abwertung der Devise folgt. Treten entsprechende Indikatoren ein, schließen sich viele Anleger dem Verhalten an, was den Krisenzustand weiter verschärft. Dies kann auch auf andere Länder und Währungen übergreifen, die sozusagen in Sippenhaft genommen werden, weil Anleger dort ähnliche Tendenzen und Probleme sehen. Oftmals sind entsprechende Verhaltensweisen nicht mit fundamentalen Fakten untermauert, vielfach bringt der Herdentrieb viele Anleger dazu, der (vermeintlich gut informierten) Masse zu folgen. Neben diesem Vertrauensproblem, das als Ursache für Währungskrisen herangezogen werden kann, treten in jüngster Zeit vermehrt Zusammenhänge zwischen Problemen von Banken und Währungen auf. Fehlt das Vertrauen in die Bankenlandschaft, kann dies ein Indikator für eine kommende Währungskrise sein. Die Abwertung einer Währung kann im Gegenzug auch Finanzinstitute in Bedrängnis bringen und eine Bankenkrise nach sich ziehen.

Währungskrisen hinterlassen in der Regel langfristige Schäden. Wenige Regierungen überleben eine solche Situation, viele Investoren sind von starken Verlusten betroffen, wenn sie sich am Markt falsch positioniert haben.

Historische Währungszusammenbrüche

1630: Tulpenkrise

Der erste gut dokumentierte Fall einer Wirtschafts- und Währungskrise fand im Jahr 1630 statt. Durch die enorme Nachfrage stieg der Preis für Tulpenzwiebeln drastisch an, was in den Niederlanden dafür sorgte, dass sich ein Spekulationsmarkt für Tulpen entwickelte. Bis zu 10.000 Gulden waren Tulpenzwiebeln zwischenzeitlich wert, was dem Mehrfachen eines durchschnittlichen Jahreseinkommens entsprach.

1637 brach der Markt dann abrupt ein – für Beteiligte fast aller Bevölkerungsschichten bedeutet dies massive Verluste, auch die niederländische Wirtschaft erlitt einen empfindlichen Schlag.

1923: Deutschland

Kriege waren seit jeher Ausgangspunkt für zahlreiche Währungszusammenbrüche. Dies bekam nach dem Ende des ersten Weltkrieges auch Deutschland zu spüren. Der Krieg kostete enorme Reserven, die nach dem Krieg ausstehenden Reparationszahlungen belasteten zusätzlich. Der Staat reagierte, indem in großem Umfang Papiergeld gedruckt wurde – eine Hyperinflation war die Folge, die zeitgleich mit einer kriegsbedingten Rezession das Land massiv unter Druck brachte.
Der Befreiungsschlag gelang im Jahr 1923 mit der Einführung der Rentenmark. Die alte Währung wurde im Verhältnis von 1 Billion:1 umgetauscht, was die Kriegsschulden quasi über Nacht tilgte. Schuldner waren die Gewinner der Aktion, Menschen mit Sparguthaben oder Lebensversicherungen wurden dagegen von jetzt auf gleich ihr Vermögen los.

1948: Deutschland

Auch im Jahr 1948 war ein Krieg der Auslöser für den Zusammenbruch der deutschen Währung. Die alte Währung war nach dem Ende des nationalsozialistischen Regimes nichts mehr wert, was den Staat erneut dazu veranlasste, eine Währungsreform in die Wege zu leiten. Die Reichsmark wurde (zumindest in den drei westlichen Besatzungszonen) durch die D-Mark ersetzt. Ein weiteres Mal waren die vorherigen Schuldner – darunter auch der Staat, der sich mit massiven Kriegs- und Reparationskosten konfrontiert sah – die Gewinner. Der Staatsbankrott machte das Land quasi schuldenfrei.

1971: Die Dollarkrise

1944 unterzeichneten Finanzminister und Notenbankgouverneure von 44 Staaten nach dem Ende des zweiten Weltkrieges ein Abkommen, das als das Bretton-Woods-System bekannt wurde. Die Idee dahinter war die Schaffung eines internationalen Währungssystems mit festen Wechselkursen. Die Leitwährung, auf die man sich einigte, war der US-Dollar, der durch Goldreserven hinterlegt war.
Die Siegermächte des zweiten Weltkrieges schufen damit eine neue Form des Goldstandards, der bereits im 19. Jahrhundert praktiziert wurde. Ziel der Vereinbarung war, nach dem Ende des zweiten Weltkrieges die Wechselkurse zu stabilisieren und Europa als Handelspartner zur stärken.
Um die Vereinbarung durchzusetzen und deren Einhaltung zu kontrollieren, wurden die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) ins Leben gerufen.
In Folge des Abkommens waren alle Zentralbanken anderen Notenbanken gegenüber in der Pflicht, Währung gegen Gold zu einem festen Kurs von 35 Dollar je Feinunze einzutauschen.
Dieses System funktionierte, bis das Vertrauen der Bürger in die US-Wirtschaft immer mehr ins Wanken geriet. Die US-Goldreserven schmolzen, im Ausland sammelte sich unterdessen immer mehr Gold an. Die US-Amerikaner hätten ihrer Pflicht, Währung gegen Gold eintauschen zu müssen, nicht mehr nachkommen können, da diese Forderung die Reserven im Inland deutlich überstieg. Kosten – etwa für den Vietnamkrieg – liefen aus dem Ruder und verursachten ein massives Haushaltsloch. Die USA hatte mit massiver Inflation zu kämpfen.
Als der damalige Präsident Richard Nixon 1971 die feste Bindung des Dollar an Gold auflöste, hatte dies massive und dramatische Auswirkungen auf die Währung. Der Dollar verlor deutlich an Wert.

1997: Die Krise in Ostasien

Im Jahr 1997 bis 1998 geriet die Wirtschaft in Asien unter Druck. Ausgehen von Thailand weitete sich das Problem auf viele andere Staaten der Region aus.
In den Jahren zuvor hatte die Region einen wahren Wirtschaftsboom erlebt. Ausländische Investoren wurden durch hohe Renditeversprechen geködert, viele Unternehmen verlegten aufgrund der günstigen Arbeitskosten einen Teil ihrer Produktion nach Asien. Der Zufluss von Kapital wurde noch dadurch begünstigt, dass es kein Wechselkursrisiko gab, da viele Währungen dieser Länder eine feste Wechselkursbindung an den US-Dollar aufwiesen. Zahlreiche Immobilien und Wertpapiere wurden auf Pump gekauft, die Banken handhabten die Kreditvergabe nach eher laxen Kriterien, da jedes Institut an den günstigen Investitionsbedingungen profitieren wollte.
Probleme bauten sich auf, als die US-Wirtschaft immer stärker wurde, die kleinen asiatischen Länder aber an der festen Bindung ihrer Währungen an die Leitwährung festhielten, obwohl sie sich immer schwerer taten, Schritt zu halten. Auch die Geldgeber des Landes sahen das Problem mehrheitlich nicht kommen.
Als die Krise immer offensichtlicher wurde, kam es zu einem massiven Kapitalabzug aus den betroffenen Ländern, die Volkswirtschaften brachen teilweise zusammen.
Die Geldgeber wollten ihre kurzfristig gewährten Kredite zurück, die Länder und Banken konnten ihre Verpflichtungen aber nicht mehr erfüllen. Dies führte im Ausland zu zahlreichen faulen Krediten in den Büchern auch großer Kreditinstitute.
Als die Regierung in Thailand 1997 die Bindung ihrer Währung an den US-Dollar freigab, stürzte die Thai-Währung massiv ab und zog zahlreiche Nachbarwährungen in Mitleidenschaft. Bis heute sind die Auswirkungen in der Region spürbar, auch wenn Weltbank und IWF umfangreiche Hilfspakete schnürten, um ein weiteres Abrutschen der Wirtschaft zu verhindern.

1998: Die Russland-Krise

Die Asienkrise, die die Volkswirtschaften der Region massiv belastete, war auch in anderen Regionen spürbar. So war es insbesondere Russland, das die Folgen deutlich zu spüren bekam und in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Der Vertrauensverlust der Anleger bezüglich der Emerging Markets weitete sich auf die russische Wirtschaft aus, obwohl die Region zu diesem Zeitpunkt wieder auf Wachstumskurs war. Die Tatsache, dass zahlreiche Investoren aber Verluste in der Asien-Region zu verkraften hatten, sorgte dafür, dass auch Positionen am Aktienmarkt in Russland glattstellten und ihre Gewinne mitnahmen.
Sorgen darüber, ob eine ähnliche Situation wie in Thailand & Co. auch in Russland eintreten könnte, ließ Anleger zusätzliches Kapital aus der Region abziehen, die Skepsis wuchs. Auch die Tatsache, dass die russische Wirtschaft ein tiefes Haushaltsloch zu verkraften hatte, trug nicht zur Beruhigung an den Märkten bei. Das Land benötigte kurzfristig Kredite, um der prekären Haushaltslage Herr zu werden. 1998 schließlich musste als Reaktion auf die massive Kapitalflucht der Wechselkurs des Rubel freigegeben werden, da dieser zwischenzeitlich mehr als unrealistisch geworden war und auch milliardenschwere Hilfsgelder des Internationalen Währungsfonds die Krise nicht eindämmen konnten. Die Wirtschaft brach zusammen, Russland musste den Staatsbankrott erklären.

Krisen in Südamerika

1994: Die Mexiko- oder Tequila-Krise

Die Krise des mexikanischen Peso in den Jahren 1994 und 1995 wird auch Tequila-Krise genannt. Auslöser der Krise war die feste Bindung der Währung an den US-Dollar. Als sich der Kurs des Peso nicht mehr rechtfertigen ließ, verloren zahlreiche Investoren ihr Vertrauen in das Land und zogen massiv Kapital ab. Die Währung wurde massiv abgewertet.
Das fehlende Geld brachte die komplette Wirtschaft Mexikos an den Rand des Zusammenbruchs, viele Unternehmen waren nicht mehr in der Lage, zu produzieren.
Als zusätzlicher Belastungsfaktor erwies sich die anhaltend instabile politische Lage, die für Investoren aus dem Ausland nicht eben vertrauensfördernd war. Die Währungskrise weitete sich zu einer Wirtschaftskrise aus.

Ein internationales Hilfspaket über mehrere Milliarden Dollar, das durch Zusatzhilfen des Internationalen Währungsfonds aufgestockt wurde, sollte die Krise eindämmen. Ein Zusammenbruch der mexikanischen Großbanken konnte auf diesem Weg verhindert werden.

1998-1999: Die Brasilien-Krise

In den 90-er Jahren hatte Brasilien mit starker Inflation zu kämpfen. Der Staat beschloss daraufhin die Einführung einer neuen Währung – des Brasilianischen Real. Ziel war es dabei, für eine Stabilisierung auf dem Währungsmarkt zu sorgen, indem der Real kontrolliert gegen den Dollar abgewertet wurde.
Da das Land aber unter starken Rezessionstendenzen litt, setzte 1999 eine Kapitalflucht ein, da das Vertrauen der Anleger in die Wirtschaftskraft des Landes deutlich geschwächt war. Dies führte zu einer drastischen Abwertung der Währung, was auch ein milliardenschwerer Hilfskredit des IWF nicht verhindern konnte. Eine leichte Stabilisierung der Situation am Währungsmarkt konnte erst ab 2003 beobachtet werden.

Argentinien-Krise 1998-2002

Nach der Krise in Mexiko im Jahr 1994 geriet vier Jahre später die Wirtschaft eines anderes südamerikanischen Landes ins Wanken. Einmal mehr war die Kopplung der heimischen Währung an den US-Dollar ein Mitverursacher der Probleme. Der fixe Wechselkurs zwischen Peso und US-Dollar brachte dem Land zunächst Vorteile, konnte doch so die Hyperinflation erfolgreich bekämpft werden. In den 90-er Jahren stiegen die Importzahlen allerdings massiv an – eine negative Handelsbilanz war die Folge, in deren Zusammenhang der Staat sich neu verschulden musste. Der starke Dollar machte sich besonderes in den 90-er Jahren massiv bemerkbar, eine starke Rezession machte es dem Land unmöglich, mit der Weltmacht USA Schritt zu halten. Die Folge war ein massiver Zusammenbruch der Wirtschaft – hohe Armuts- und Arbeitslosigkeitsraten inbegriffen. Die Wirtschaftskrise wuchs sich zu einer Bankenkrise aus, als im November 2001 Spekulationen darüber laut wurden, dass der Internationale Währungsfonds einen Teil eines milliardenschweren Hilfskredits nicht auszahlen würde. Quasi über Nacht hoben zahlreiche Argentinier ihre Spareinlagen von den Banken ab, sowohl der Staat als auch das Finanzsystem hatten mit einer massiven Vertrauenskrise zu kämpfen. Eine Zeit starker politischer Instabilität folgte, was das Vertrauen der Investoren in das Land zusätzlich schwächte. Der Peso wurde deutlich abgewertet, was das Problem aber nicht löste, ebenso wenig wie eine Reihe folgender unpopulärer Maßnahmen. Erst im Jahr 2002 – 10 Jahre nach dem Staatsbankrott – konnte Argentinien den Rest seiner Schulden aus dem Staatsbankrott begleichen.