Zinsen und Dividenden im Windschatten der EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) will von ihrem mehr als eine Billion Euro schweren Anleihe-Kaufprogramm zur Ankurbelung der Wirtschaft keine Abstriche machen. Das betont EZB-Chef Mario Draghi immer wieder. Seiner Meinung und der Meinung der anderen Ratsmitglieder nach, muss die EZB mit ihrer Geldpolitik Kurs halten und die jüngsten Beschlüsse entschieden umsetzen.

Die EZB erwirbt seit März 2015 Anleihen der Euro-Länder, um damit die aus ihrer Sicht unerwünscht niedrige Inflation anzuheizen und der Euro-Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen. Monatlich kaufen die EZB und die nationalen Notenbanken der Euro-Länder Zinspapiere im Umfang von rund 60 Milliarden Euro. Bis September 2016 sollen so mit dem Kaufprogramm über eine Billion Euro in das Bankensystem gepumpt werden. Der größte Teil der EZB-Geldflut steht den Märkten also noch bevor.

Zusätzlich hat die Europäische Zentralbank auch die Leitzinsen nahezu auf Null gesenkt. Für die deutschen Privathaushalte bedeutet diese Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank hohe Einbußen. Das ist das Ergebnis einer Analyse des genossenschaftlichen Zentralinstituts DZ Bank. Danach sind deutschen Sparern in den vergangenen fünf Jahren Zinseinkünfte in Höhe von 190 Milliarden Euro entgangen. Die Studie vergleicht das tatsächliche Zinsniveau mit dem langjährigen Durchschnittszins ohne außergewöhnliche Inflationsereignisse und größere Krisen. Dieses "Normalzinsniveau" legt die Untersuchung bei 4,2 Prozent fest. Das war das Durchschnittszinsniveau zwischen 1998 und Mitte 2009.

Auf der anderen Seite hatten die Bundesbürger aber auch Vorteile durch die niedrigen Zinsen. So sparten laut Studie etwa die Schuldner 78 Milliarden Euro, weil sie für Kredite weniger Zinsen zahlen müssen. Dennoch bleibt für die Bürger unter dem Strich ein Verlust, weil die Zinsverluste deutlich höher ausfallen als die Gewinne durch geringere Kreditzinsen.

Nach Einschätzung von Experten sind die Folgen der EZB-Politik relativ eindeutig: Bis auf Weiteres dürften die Zinsen niedrig bleiben und immer mehr Anleger dazu bringen, verstärkt in Aktien zu investieren.

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