09.02.2018 15:00:24

Frontier Markets: Warum Anleger schon jetzt auf diese Fonds setzen

Grenzmärkte befinden sich derzeit noch eine Stufe unter den Schwellenländern, versprechen aber eine ähnlich erfolgreiche Entwicklung. Langfrist-Anleger setzen darauf.

von Christian Bayer, Euro am Sonntag

Für viele Anleger sind Investments in Schwellenländern zur Selbstverständlichkeit geworden. Einige Emerging Markets haben aber bereits eine starke wirtschaftliche Entwicklung hinter sich, Investoren mit Appetit auf Wachstum setzen deshalb mittlerweile auf Frontier Markets.

Grenzmärkte befinden sich in ihrer Entwicklung noch eine Stufe unter den Schwellenländern. Sie bergen großes Wachstumspotenzial, das sich mit ­politischen und ökonomischen Reformen heben lässt. "Die Mehrheit der 25 Volkswirtschaften, die in den vergangenen zehn Jahren am schnellsten gewachsen sind, waren Grenzmärkte", erläutert Marco Ruijer, Fondsmanager des NN Frontier Markets Debt, der in Anleihen aus diesen Ländern investiert.

Trends werden in Grenzmärkten weniger durch globale Rahmenbedingungen gesetzt als durch heimische Entwicklungen. Langfristanleger sollten sich die Chancen der Frontier Markets nicht entgehen lassen, allerdings bei Kursschwankungen auch die Nerven behalten.

Der Index MSCI Frontier Markets umfasst derzeit Aktien aus 29 Ländern von Argentinien bis Vietnam. Argentinien war bereits im Index MSCI Emerging Markets, musste aber 2009 wegen Währungskontrollen ins zweite Glied zurück. Den umgekehrten Weg ging Pakistan. Im Mai vergangenen Jahres wurde das Land vom Frontier zum Emerging Market hochgestuft.

Günstige Aktien

Grenzmärkte haben teilweise aufgrund von Korruption und Intransparenz mit einem negativen Image zu kämpfen. Allerdings bieten sie Chancen für ein aktives Anlagemanagement, das die Spreu vom Weizen trennt. Auch von der Bewertungsseite her sind sie interessant: Der ­MSCI-Frontier-Markets-Index notiert mit einem deutlichen Abschlag im Vergleich zum Industrieländerindex MSCI World.

Nahe bei Indien, inzwischen ein Liebling der Investoren, liegt das von Anlegern noch wenig beachtete Sri Lanka. "Wir sind überzeugt, dass Sri Lanka über ein signifikantes, ungenutztes Potenzial verfügt", sagt Oliver Bell, Fondsmanager des T. Rowe Price Frontier Markets Equity.

Die strategisch wertvolle Lage macht das Land zu einem Teil von Chinas neuer Seidenstraße. Während viele Anleger in der Volksrepublik investieren, werden Chancen in anderen Ländern, die von der chinesischen Wirtschaftspolitik profitieren, oft noch vernachlässigt. Sri Lankas Wirtschaftswachstum lag 2017 mit 4,2 Prozent wegen Unwettern und Katastrophen etwas unter den Erwartungen, es dürfte nach Einschätzung des IWF jedoch 2018 auf 4,6 Prozent steigen.

Vielversprechende Reformen

Eine ideale Kombination aus sich verbessernder wirtschaftlicher Lage und guten Selektionsmöglichkeiten bei Einzeltiteln sieht Daniel Lösche, Investmentstratege beim Fondsanbieter Schroders, in Argentinien. "Bei den Zwischenwahlen im Oktober hat die Cambiemos-Koalition von Präsident Mauricio Macri mehr als 40 Prozent der Stimmen erhalten", so Lösche. Damit stiegen Macris Chancen, mit seinem Reformkurs voranzukommen und die Präsidentenwahlen 2019 zu gewinnen.

"In Vietnam sind wir überhaupt nicht investiert", erklärt ­Lösche dagegen. Hohe Verschuldung in der Wirtschaft und Probleme im Bankensektor mahnten unter anderem zur Vorsicht, zudem seien die Bewertungen mittlerweile eher ambitioniert.

Der neue starke Mann Saudi-­Arabiens, Kronprinz Mohammed bin Salman al-Saud, schreibt sich den Kampf gegen die Korruption auf die Fahnen. Saudi-Arabien gilt im Westen zwar als geopolitischer Risikofaktor in der Region, innenpolitische Transformationsprozesse führen jedoch zu Chancen am Aktienmarkt. Zu den obersten ökonomischen Zielen zählt es, unabhängig vom Öl zu werden und den Haushalt zu sanieren.

Einige Privilegien wie die kostenlose Gesundheitsvorsorge für Einheimische sollten bald der Vergangenheit angehören. "Das saudische Gesundheits­system wird von der Stärkung des privaten Sektors und dem Rückzug der öffentlichen Hand profitieren", meint Leigh Innes, Frontier-­Markets-Expertin bei T. Rowe Price. Saudische Banken wiederum hätten zuletzt gute Zahlen geliefert, da sich die Qualität ihrer Assets und ihre Margen verbessert hätten.

Frontier Markets sind markt­eng, die Handelsumsätze verglichen mit Börsen in Europa oder den USA gering. Deshalb will der in den vergangenen Jahren erfolgreichste Frontier-Markets-­Aktienfonds auch die zuletzt starken Mittelzuflüsse drosseln, damit er seine Anlagestrategie weiterhin umsetzen kann. Wohl ab Februar müssen neue Anleger beim Kauf des Magna New Frontiers (ISIN: IE 00B 68F F47 4) stets den vollen Ausgabeaufschlag von fünf Prozent zahlen. Mit 60 Prozent Rendite binnen drei Jahren hat der Fonds den Index MSCI Frontier Markets klar übertroffen. Auf Sicht von einem Jahr gab es ein Plus von 17 Prozent.

Attraktive Anleihen

Chancen sollten Anleger nicht nur bei Aktien suchen - Anleihen aus Frontier Markets sind ebenfalls attraktive Investments. "Für uns sind El Salvador, Sri Lanka, Ecuador, Costa Rica und die Elfenbeinküste besonders interessant", so Fondsmanager Ruijer. Angesichts des starken Wirtschaftswachstums, das Grenzmärkte in den nächsten Jahren aufweisen dürften, sollten dort emittierte Bonds großes Potenzial bieten. "Diese Anleihen sind zudem weniger anfällig für makroökonomische Entwicklungen im Zusammenhang mit steigenden US-Zinsen, da sie eine geringe Korrelation zu US-Staatsanleihen aufweisen", sagt Ruijer.

Investor-Info

T. R. Price Front. Mkts. Equity
Aussichtsreicher Aktienfonds

Oliver Bell verwaltet den T. Rowe Price Frontier Markets Equity Fund seit dem Start 2014. Den größten Länderanteil hat Argentinien mit 27 Prozent. Sri Lanka ist mit neun Prozent deutlich höher gewichtet als im MSCI Frontier Markets Index. Binnen drei Jahren gab es für Euro-­Anleger ein Plus von 21 Prozent, binnen zwölf Monaten eine Rendite von 15 Prozent.

NN Frontier Markets Debt
Beachtliche Bondrenditen

Der Fonds investiert in Anleihen, die in Hartwährung wie dem Dollar emittiert wurden, Währungsrisiken sind in Euro abgesichert. Ägypten, Ecuador und Sri Lanka haben das größte Gewicht. Das Rating der gehaltenen Anleihen liegt im Schnitt bei "B-", die Rendite bis Fälligkeit der Bonds bei 5,95 Prozent per annum. Binnen drei Jahren brachte der Fonds 25 Prozent, binnen eines Jahres 13 Prozent.









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