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16.05.2009 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 20/09

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Börse der anderen Art

Mit der Gründung des neuen Marktsegments Contrex will die Bayerische Börse den CFD-Handel fair und transparent gestalten. Das Gegenteil sei der Fall, monieren Kritiker.
Jens Castner

Überraschung Nummer 1: Im Internet wird unter der Adresse www.contrex.de ein Mineralwasser aus dem Haus Nestlé beworben. Das Einzige, was auch nur im Entferntesten an eine CFD-Börse erinnern könnte, ist der Name der Agentur, die diese Webseite realisiert hat: Very Interactive Sales Tools GmbH. Aber das ist wohl reiner Zufall.

Überraschung Nummer 2: Die unter www.boerse-muenchen.de letztlich doch relativ schnell zu findende CFD-Handelsplattform Contrex wird offiziell zwar vom kürzlich gegründeten Contratcs-for-Difference-Verband begrüßt. Doch hinter den Kulissen rumort es gewaltig. Und das ist kein Zufall.

Von Wettbewerbsverzerrung ist die Rede, von hohen offenen und horrenden versteckten Gebühren, die den laut Contrex "garantiert besten Preis" gar nicht mehr gut aussehen lassen. Schon in der Stellungnahme des Verbands wird nicht mit Seitenhieben gespart.

Während Verbandschef Stefan Riße das Gemeinschaftsprojekt von Bayerischer Börse und FXdirekt Bank noch als Beleg dafür wertet, "dass sich die Vorteile von CFDs als transparente Hebelprodukte immer mehr durchsetzen", wird sein Stellvertreter Önder Ciftci im Nachsatz recht deutlich. "Da diese CFDs nicht börslich gehandelt werden, muss man erst einmal beobachten, ob sich die reine Überwachung der CFD-Kurse, die der Anleger auch mit höheren Kommissionen bezahlt, am Ende als nützlich erweist", steht da zu lesen. Wie bitte? Nicht börslich gehandelt? Nein, das sei kein Tippfehler, versichert der Verband.

Zum Börsenhandel gehöre mehr als nur die Überwachung der Kurse, monieren Kritiker. Zum einen fehlen (noch) Wertpapierkennnummern und ISIN-Codes, die auch Kunden anderer Häuser als der FXdirekt Bank den Handel mit den Produkten erlauben würden. Zum anderen ist eine Börse ein öffentlicher Handelsplatz, was mit nur einem einzigen Marktteilnehmer nicht gegeben sei.

Schon kurz nach dem Jahreswechsel hatte die Hamburger Börse gemeinsam mit dem britischen Broker Cityindex und der Maklerfirma MWB Fairtrade ein CFD-Marktsegment angekündigt, war aber per einstweiliger Verfügung gestoppt worden - erwirkt vom Frankfurter CFD-Anbieter Cefdex. Dessen Vorstand René Diehl war die von den Hanseaten angestrebte Bezeichnung "CFD-Börse Deutschland" ein Dorn im Auge. Das sei schon deswegen irreführend gewesen, weil "die Handelsüberwachung überhaupt nicht im Thema war", erklärt Diehl. Die Gerichte hätten seine Auffassung mittlerweile bestätigt.

Zumindest dieser Makel haftet Contrex nicht an. Trotzdem will Diehl den Slogan "Erste europäische CFD-Börse", mit dem die Münchner für ihr Marktsegment werben, so nicht stehen lassen. "Es läge schon in unserem Interesse, dass CFDs an der Börse gehandelt werden, aber dann bitte auch nach den Regeln der Börse", erklärt er. "Und das ist nach Paragraf 2 Börsengesetz nicht der Fall." Ob er erneut juristisch vorgehen wird? Diehl: "Ich hoffe, das lässt sich auf andere Weise aus der Welt schaffen."

Als reiner B2B-Anbieter ist Diehls Cefdex nicht Mitglied im Contracts-for-Difference-Verband, sondern bietet Banken und Discountbrokern eine Plattform an, auf der deren Kunden CFDs handeln können. Da dieses Geschäftsmodell einer Börse schon sehr nahekommt, hatte Diehl bereits vor geraumer Zeit über die Gründung eines CFD-Marktsegments nachgedacht, die Idee aber aus formaljuristischen Gründen verworfen: "Der CFD-Handel ist und bleibt eine privatrechtliche Angelegenheit." Daher hofft er, dass die Contrex-Verantwortlichen die Kommunikation nach draußen fair halten.

Während die allein auf den außerbörslichen Handel spezialisierten CFD-Anbieter die Messer wetzen, sehen diejenigen Broker, die sowohl CFD- als auch Aktienhandel anbieten, das neue Segment ganz entspannt. Bei der Saxobank und E-Trade zum Beispiel sind durchaus Überlegungen im Gang, künftig auch börsengehandelte CFDs anzubieten. Allein Flatex sieht "derzeit keinen Bedarf".

Unterdessen sucht die auf den Direkthandel fokussierte Konkurrenz akribisch nach Haaren in der Suppe. Wer vier Wochen lang nicht handelt, kann bei Contrex-Konten der FXdirekt Bank mit einer Inaktivitätsgebühr von 95 Euro bestraft werden. Bei Orders unter 50000 Euro fallen zudem Mindermengengebühren an. "Da kann einem schon schwindelig werden", sagt der Sprecher eines britischen Brokers, der nicht genannt werden möchte.

Mindermengengebühren - Kleinere Orders sind teurer


Seit dem 4. Mai bietet die Börse München den CFD-Handel mit mehr als 700 Basiswerten über das Marktsegment Contrex an. Damit verbunden sind eine Bestpreisgarantie und die neutrale Überwachung der Transaktionen durch die Handelsaufsicht.
Die Anzahl der Geschäfte bewegt sich aber noch im Bereich von "wenigen Dutzend Transaktionen", so Norbert Betz, Leiter der Handelsüberwachung. Das liege daran, dass Anleger erst einmal ein Konto bei der FXdirekt Bank eröffnen müssen, um über Contrex handeln zu können. Dies dauert schon wegen des Postident-Verfahrens einige Tage. Nach der Kontoeröffnung würden viele Trader erst einmal über die kostenlose Demoplattform üben, bevor sie echte Orders aufgeben. "Die große Bugwelle erwarten wir deshalb erst Anfang Juni", erklärt Betz.
Bis aussagekräftige Handelsstatistiken veröffentlicht werden können, wird es daher noch ein wenig dauern. Die meistgehandelten Basiswerte waren bislang Deutsche Bank und SAP, was Betz zufolge allerdings "auf die Präferenzen eines einzigen sehr aktiven Traders" zurückzuführen sei. Über kurz oder lang dürften sich die meistgehandelten Werte kaum von denen im außerbörslichen Handel unterscheiden, die die Berliner Steinbeis-Hochschule für den CFD-Verband ermittelt hat.
Die FXdirekt Bank behält sich vor, Contrex-Konten, über die vier Wochen lang nicht gehandelt wurde, mit einer Inaktivitätsgebühr von 95 Euro pro Monat zu belegen, was nach Auffassung der Konkurrenz jenseits aller Schmerzgrenzen liegt. "Die Gebühr soll verhindern, dass Trader uns nur als kostenlosen Kursprovider nutzen, der ihnen ein Reuters- oder Bloomberg-Terminal erspart", rechtfertigt FX-Marketingmanager Torsten Berse den Obolus. Wer vorhat, längere Zeit nicht zu handeln, könne sich das Contrex-Konto allerdings kostenfrei inaktiv schalten lassen.
Bei einem (gehebelten) Ordervolumen von weniger als 50000 Euro fallen - je nach Art des Contrex-Kontos - zusätzlich zur Kommission mitunter Mindermengengebühren zwischen zehn und 20 Euro an. Nach Angaben der FXdirekt Bank handelt es sich dabei um börsenübliche Clearing-Kosten (welchem Konto die Aktien zuzuordnen sind), die 1:1 an die Kunden weitergegeben werden. In der Praxis kämen sie allerdings nicht allzu häufig vor, da sich die durchschnittliche Ticketgröße bei Transaktionen der FX-Kunden auf 110000 Euro belaufe. Als Faustregel gilt: Je mehr auf das Konto einbezahlt wird und je aktiver der Trader handelt, desto geringer die Gebühren.
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