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23.05.1999 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 21/99

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Werber im Netz

"Für jeden Markt ein Geschäftsmodell, für jede Zielgruppe das richtige Marketing-Konzept: 1&1, Werber der IT-Branche, nimmt jetzt das Internet ins Visier Die Marktanteile im Internet werden gerade verteilt, deshalb investieren wir jetzt."" Ralph Dommermuth hat sein Ziel, das Netz der Netze, fest im Visier: ""In zwei Jahren wollen wir eine Million Online-Kunden haben"", gibt der Gründer und Vorstand des Internet-Dienstleisters 1&1 seinen mehr als tausend Mitarbeitern die Marschrichtung vor. Web-Zugang, das ist der jüngste Geschäftsbereich des Multitalents 1&1. Sein vielfältiges Geschäft mit wenigen Worten zu beschreiben, fällt 1&1-Chef Dommermuth schwer: ""Wir haben eine ganze Menge Business-Modelle"", kommt der 35jährige ins Grübeln. Kein Wunder: 1&1 macht Werbung für Computer-Firmen, betreibt Call-Center, bietet verschiedene Internet-Dienste an und baut gerade europaweit ein Netz für Internet-Werbung auf. Das Marketing-Geschäft trägt mit knapp 160 Millionen Mark immer noch den größten Teil des Umsatzes (1998: 182 Millionen Mark). 1&1 vertreibt für seinen größten Kunden, die Deutsche Telekom, ISDN-Anschlüsse und T-Online-Abonnements, wirbt für Mobilfunkbetreiber D2-Mannesmann und akquiriert Neukunden für die Bank 24. ""Das ist die Cash Cow, von der 1&1 gut leben kann"", beurteilt Christian Lamprecht, Analyst der HypoVereinsbank, das Marketing-Geschäft der Firma. Mit dem dort verdienten Geld (1998: 22,1 Millionen Mark) will 1&1-Chef Dommermuth der Firma den Weg ins große Web-Geschäft ebnen. Marktnischen gibt es wie Sand am Meer, lautet das Motto des findigen Vertriebs-Fachmanns Dommermuth. Seine erste Idee führte 1988 zur Geburt von 1&1: kooperatives Marketing. Der damals 25jährige organisierte Sammelwerbung für kleine Software-Unternehmen, die sich eigene Kampagnen nicht leisten konnten. Ein Konzept, das Dommermuth auf andere Märkte übertrug: 1&1 mietete Standflächen auf der Cebit und verpachtete sie stückchenweise an Softwareunternehmen weiter. ""Software-Zentrum Mittelstand"" heißt die von 1&1 regelmäßig organisierte, größte Sonderschau der größten Computermesse der Welt. Der Bereich Call-Center entstand aus einem Exklusiv-Vertrag mit dem Computer-Riesen IBM. 1&1 gab den deutschen Kunden der Amerikaner telefonisch Pannen-Hilfe. Inzwischen nutzen unter anderem auch Microsoft und Compaq die drei Call-Center der Rheinland-Pfälzer. 50 Millionen Mark Umsatz und damit 50 Prozent Wachstum sind für 1999 geplant sowie Profite von bis zu 13 Millionen. ""Das Unternehmen hat in den einzelnen Bereichen Marketing-Fachleute, die ihr Handwerk beherrschen"", schätzt Viktor Dammann, Analyst der Züricher Bank J. Vontobel, die Stärken der Firma aus Montabaur. Nach Ansicht des Bankers tat 1&1 aber gut daran, sich mit dem Angriff auf den Markt der Online-Provider für 1999 eine neue strategische Ausrichtung zu geben: ""Bisher war 1&1 ein Marketing-Unternehmen mit Internet-Option, jetzt wollen sie diese ausüben."" Das Internet soll in diesem Jahr 83 Millionen Mark Umsatz bringen, 300000 Online-Kunden sind das Ziel – doch noch sind es erst 150000 Surfer, die sich von dem Unternehmen aus dem Westerwald ins Internet schleusen lassen. Mit günstigen Online-Shops und Internet-Adressen will Dommermuth die Klientel überzeugen. Daß es für 1&1 jedoch nicht leicht werden dürfte, die anvisierten Nischen zu erobern, glaubt HypoVereinsbank-Analyst Lamprecht: ""1&1 wendet sich mit Erfolg an anspruchsvolle Online-Nutzer. In zwei Jahren müssen es aber 500000 Kunden sein."" Der Aktie kann die Internet-Expedition des Nischen-Finders nur guttun: ""Das Potential ist noch nicht ausgereizt"", glaubt Vontobel-Analyst Dammann. Er gibt der ""Internet-Aktie für vorsichtige Anleger"" ein Zwölf-Monats-Ziel von 150 Euro."
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