11.05.2011 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 19/11

Senden

Der Inflation ein Schnippchen schlagen

Großer Vergleich: Die besten Tagesgelder, die höchsten Zinsen – und wie Sparer mit Flexibilität das Beste aus ihren Rücklagen herausholen.
von Markus Hinterberger

Rund jeder dritte Deutsche hortet größere Bargeldreserven zu Hause. Einer der Gründe ist etwa das Gefühl von Sicherheit, das die Scheine unterm Kopfkissen vermitteln. Jeder Zwölfte der rund 1600 Befragten hat schlicht kein Vertrauen zu Banken und behält sein Bargeld lieber daheim. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Meinungsforscher von Forsa für die Bank of Scotland.

Auch wenn das Studienergebnis vor allem eine Werbung für die Bank of Scotland ist, die seit gut zweieinhalb Jahren beim Tagesgeld mit die höchsten Zinsen bietet, zeigt es auch, dass viele Deutsche „aktiv Geld verbrennen“, wie es Horst Biallo, Betreiber des Verbraucherportals biallo.de, plastisch beschreibt.

Laut Statistischem Bundesamt betrug die Inflationsrate in Deutschland zuletzt 2,4 Prozent. So viel wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Wer sich also scheut, sein Geld an den Kapitalmärkten anzulegen, und es lieber bei einer Bank parkt, sollte stets die Inflationsrate im Hinterkopf behalten. Liegt der Zins, den die Bank für das Geld zahlt, unter der Inflationsrate, verliert der Anleger unterm Strich bares Geld.

Doch welcher Anlagehorizont ist der beste? Bei einigen Langfristangeboten wie dem Drei-Jahres-Sparbrief der Santander Consumer Bank gibt es aktuell Jahr für Jahr vier Prozent. An sich genug, um Sparer in Sicherheit zu wiegen. Doch was, wenn die Inflationsrate weiter steigt? Dank unserer langfristigen Zinsgrafik wissen wir, dass Teuerungsraten von 3,5 Prozent noch gar nicht so lang zurückliegen. Viele Volkswirte halten solche Raten sogar für wahrscheinlich.

Die gute Nachricht: Seit einigen Wochen ziehen die Sparzinsen wieder ordentlich an. Verkünder dieser für Sparer frohen Botschaft ist Jean-Claude Trichet. Europas oberster Zentralbanker hat vor einigen Wochen nach langer Zeit den Leitzins angehoben und damit die Richtung für die Zinsentwicklung im Euro­raum vorgegeben.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich die durchschnittlichen Tagesgeldzinsen stets am EZB-Leitzins orientieren. „Wir erwarten, dass die Zentralbank die Zinsen weiter anheben wird. Dabei wird sie aber nicht wahllos nach oben gehen“, sagt Christian Pees, der bei Cosmos Direkt für Tagesgeld zuständig ist. Diese Meinung teilen auch die Chefvolks­wirte zahlreicher Finanzhäuser. Ulrich Kater von der Dekabank erklärte vergangene Woche gegenüber €uro am Sonntag, dass er bis Januar 2012 mit einem Leitzins von zwei Prozent rechne. Als der Leitzins zuletzt bei zwei Prozent lag, bekamen Tagesgeldsparer im Schnitt 2,6 Prozent. Spitzenangebote rentierten sogar ­einen Prozentpunkt höher.

Doch Trichet und seine Kollegen stecken in einem Dilemma: Einerseits wollen sie mit höheren Zinsen die anziehende Inflation bekämpfen, andererseits laufen sie damit Gefahr, das schwache Wachstum in Südeuropa abzuwürgen. Das spricht für mehrere kleine Zinsschritte.

„Wer nun Geld parken will, sollte flexibel bleiben“, rät Max Herbst, Chef der FMH-Finanzberatung. Wer sein Geld auf einem schlecht verzinsten Konto liegen lasse, sei selbst schuld. Die Banken werden den Kunden wieder deutlich mehr bieten, dessen ist Herbst sich sicher. Bestes Beispiel ist die Targobank. Die ehemalige Citibank bietet aktuell 2,3 Prozent. Gleiches gilt für die Bank of Scotland. Laut Herbsts Datenbank gibt es bei bundesweit 19 Banken aktuell Zinsen von zwei Prozent und mehr.

Dass der Markt in Bewegung ist, zeigt eine Neueröffnung. Seit April ist die VTB Direktbank in Deutschland aktiv. „Wir wollen keine reine Geldsammelstelle sein“, sagt Michael Kramer, der den Aufbau der VTB Direktbank in Deutschland leitet. Das heißt, die neue Onlinebank mit österreichisch-russischen Wurzeln will nicht um jeden Preis der Tagesgeld­anbieter mit den höchsten Zinsen sein. Mit 2,2 Prozent landet die VTB Direktbank dennoch in der Spitzengruppe. Kramer will seine Bank mittelfristig als Vollbank etablieren. Tagesgeld und Festgeld sollen dabei eine Rolle spielen. Seiner Ansicht nach kommen Vollbanken bei den Kunden besser an.

Kramers Kalkül hat durchaus Hand und Fuß, denn die meisten Leserbriefe, die bei der €uro-am-Sonntag-Redaktion zum Thema Tagesgeld eingehen, drehen sich um die Frage: Sind Banken aus dem Ausland, die nur Tagesgeld und Festgeldangebote haben, sicher und seriös? Das unrühmliche Ende der Kaupthing Bank ist vielen Sparern noch in Erinnerung. Die einst größte isländische Bank hatte in der Hochzinsphase von 2008 mit Tagesgeldzinsen von bis zu 5,65 Prozent geworben – der Durchschnitt lag damals bei 3,3 Prozent. Durch die Finanzkrise und den Beinahebankrott Islands geriet das Institut ins Schleudern. Anfang Oktober 2008 fror die Bafin die Kundengelder der deutschen Kaupthing-Niederlassung ein. Etwa 300.000 Sparer bangten um rund 300 Millionen Euro. Inzwischen haben die Geschädigten ihr Geld wieder.

Seitdem hat sich in Sachen Ein­lagensicherung einiges getan. Europaweit sind inzwischen 100 000 Euro pro Anleger sicher und vor Gericht einklagbar. In Deutschland garantieren Einlagensicherungsfonds einiger Bankenverbände oder -gruppen teilweise unbegrenzte Summen (siehe Kasten Seite 64). Mehreren Umfragen zufolge haben deutsche Anleger im Schnitt 10.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto liegen.

Die besten unter den Tagesgeldkonten sind meist die, deren Werbeprospekte die meisten Sternchen und Fußnoten enthalten. Entweder ist der Anlagezeitraum begrenzt, die Offerte gilt nur für Neukunden, oder zahlreiche Nebenbedingungen wie mehrere Tausend Euro Mindestanlage oder die Eröffnung eines Kontos oder Depots sind Pflicht. Oft kommen sogar mehrere dieser Miesmacher zusammen.

So warb der Onlinebroker Cortal Consors in der Niedrigzinsphase vor einem halben Jahr mit vier Prozent aufs Tagesgeld, allerdings nur, wenn der Kunde gleichzeitig ein Depot eröffnete und Wertpapiere im Wert von 6000 Euro mitbrachte. Aktuell bietet die 1822direkt 2,5 Prozent, allerdings nur, wenn sich der Kunde auch für ein Girokonto bei der Bank entscheidet.

Was Verbraucherschützer abfällig Lockvogelangebote nennen, kann sich aber für aufmerksame Sparer lohnen. Wichtigste Voraussetzung: Die mit dem Tagesgeldkonto verbundenen Konten oder Depots müssen kostenlos und leicht kündbar sein. Bei den Laufzeiten der Offerten müssen Sparer besonders auf der Hut sein. Denn die hohen Zinsen gelten meist nur zwei bis drei Monate. Danach gibt es nur noch Magerkost wie etwa bei ING-DiBa. Wer bei Deutschlands größter Direktbank sein erstes Tagesgeldkonto abschließt, bekommt ordentliche zwei Prozent und obendrein noch 20 Prozent Startguthaben. Nach einem halben Jahr erhält man jedoch aktuell nur noch durchschnittliche 1,3 Prozent.

Ein ähnliches Gefälle besteht bei Offerten mit Summenbegrenzungen. Wer bei der Comdirect ein Tagesgeldkonto eröffnet, bekommt ab dem ersten Euro 1,75 Prozent, aber nur für die ersten 5000 Euro. Denn dann gibt es nur noch magere ein Prozent.

Der Tagesgeldzins der VTB Direktbank gilt bis zum Jahresende. Summenstaffeln gibt es nicht. Allerdings sollten sicherheitsorientierte Kunden die österreichische Einlagen­sicherung von 100.000 Euro im Auge behalten. Aktuell gibt es 2,2 Prozent. Sollte das Zinsniveau sich – wie von den Experten erwartet – in dieser Zeit erhöhen, würde die VTB Direktbank in Zugzwang geraten. Schließlich hat Deutschland-Chef Kramer als Ziel einen Platz unter den besten fünf Tagesgeldanbietern ausgegeben. Die Konkurrenz in diesem Wettbewerb ist stark: die Bank of Scotland mit aktuell 2,3 Prozent und die niederländische NIBC Direct, die 2,4 Prozent bietet. Beide dominieren seit gut zwei Jahren die Zinstabellen – sie bieten aber auch nur eine Einlagensicherung von 100.000 Euro.

Wer mit Tagesgeld sein Geld meh­ren und der Inflation ein Schnippchen schlagen will, muss aktiv sein und schnell wechseln können. Das Tagesgeldkonto, das konstant einen Spitzenzins bietet, gibt es leider noch nicht. Aber auch wer nicht jede Zinsaktion wahrnimmt und nur ab und zu umschichtet, fährt besser als jene, die ihr Geld zu Hause horten.

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Apple Inc.865985
TeslaA1CX3T
Netflix Inc.552484
Facebook Inc.A1JWVX
Deutsche Bank AG514000
Daimler AG710000
Alphabet A (ex Google)A14Y6F
TwitterA1W6XZ
Intel Corp.855681
GoProA1XE7G
Amazon906866
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
Allianz840400
Scout24 AGA12DM8
E.ON SEENAG99