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14.12.2008 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 50/08

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„Es gilt das Rennfahrer-Prinzip“

Fresenius-Chef Ulf Schneider über die Abwehrkräfte des Gesundheitskonzerns gegen die Krise, den Mut zum Schuldenmachen und seine Vollgas-Philosophie.
von Stephan Bauer

Ulf Schneider redet schnell – und macht auch sonst gern Tempo: Binnen vier Jahren hat der Chef des Gesundheitskonzerns Fresenius drei Milliarden­akquisitionen durchgezogen. Erst kaufte der 43-Jährige den deutschen Krankenhausbetreiber Helios, dann verstärkte er die im DAX notierte ­Dialysetochter FMC in den USA. Den letzten Deal fädelte Schneider erst kurz vor Ausbruch der Finanzkrise ein: Für bis zu 5,6 Milliarden Dollar übernehmen die Bad Homburger das US-Pharmaunternehmen APP, einen Hersteller von intravenös verabreichten Nachahmermedikamenten.
Börsianer sahen den jüngsten Deal zunächst skeptisch. Eine Kapitalerhöhung und der hohe Schuldenstand verschreckten Investoren. Vom Gas geht Schneider dennoch nicht – trotz Kreditklemme und Konjunkturkrise. Der Vorstandschef von Fresenius über Geschäfte im Angesicht der Rezession und seine künftigen Expansionspläne.

€uro am Sonntag: Sie haben Anfang November die Prognose für 2008 erhöht und zugleich für 2009 Optimismus an den Tag gelegt. Bleibt es nach den verheerenden Nachrichten der vergangenen Wochen dabei?
Ulf Schneider: Was die Gesamtwirtschaft anbelangt, sind wir sehr besorgt. Für Fresenius aber bleiben wir bei unserem Optimismus. Jetzt zeigt sich der äußerst konjunkturunabhängige und defensive Charakter unseres Geschäfts. Die Nachfrage nach unseren Produkten und Diensten entspringt eben der medizinischen Notwendigkeit, nicht einer Investitionsbereitschaft oder Konsumfreude. Das Geschäft läuft stabil.

€uro am Sonntag: Ist Fresenius etwa immun gegen die Krise?
Schneider: Grundsätzlich ist niemand immun gegen eine schwerwiegende Konjunkturkrise. Langfristig muss auch die Gesundheitswirtschaft auf der Hut sein. Denn die ­Mittel, die jetzt zur Bewältigung der Krise eingesetzt werden, fehlen irgendwann auch im Gesundheitssektor. Deshalb müssen auch wir genau auf unsere Kostenstrukturen achten und sehr diszipliniert bleiben.

€uro am Sonntag: Planen Sie Sparmaßnahmen?
Schneider: Wir wirtschaften bereits sehr kostenbewusst. Ich spreche nicht von einem konkreten Kostensenkungsprogramm. Wir sollten uns nur darauf einstellen, dass auch auf uns keine fetten Jahre zukommen.

€uro am Sonntag: Rechnen Sie schon 2009 mit Auswirkungen auf dem Gesundheitsmarkt?
Schneider: Die für uns relevanten Erstattungsregeln sind bereits ver­abschiedet. Sie werden sich 2009 nicht zu unseren Lasten, sondern im Gegenteil eher zu unseren Gunsten verändern. Wir sehen zudem starkes organisches Wachstum in allen Geschäftsbereichen. Wir gehen deshalb mit gesundem Optimismus und vollem Schwung ins neue Jahr. Das unterscheidet uns in dieser ernsten wirtschaftlichen Situation sicher von einem Großteil der Unternehmen.

€uro am Sonntag: Sie erwirtschaften rund die Hälfte ihres Umsatzes in Nordamerika, einem von der Krise stark betroffenen Markt. Fürchten Sie Einschnitte?
Schneider: Wir sind in den USA mit unserer Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) und mit APP, ­unserer jüngsten Übernahme im ­Infusionsbereich Kabi, hervorra-gend aufgestellt. Die lebensnotwendige Dialyse wird im amerikani-schen Gesundheitssystem seit Jahrzehnten, unabhängig von sich verändernden politischen Konstellationen und konjunkturellen Bedingungen finanziert. Für das weitere Wachstum von APP, die generische Arzneimittel zur intravenösen Verabreichung herstellt, ist es sicherlich vorteilhaft, dass der neue Präsident Barack Obama für einen verstärkten Einsatz von Generika statt teurer Originalpräparate eintritt. Dieselbe Forderung stand übrigens auch im Programm des republikanischen Kont­rahenten. Auch die Stärkung der Finanzkraft des Gesundheitswesens durch die Ausdehnung der Krankenversicherung auf alle Amerikaner sehen wir grundsätzlich ­positiv.

€uro am Sonntag: Welches Potenzial sehen Sie denn im Geschäft mit Nachahmermedikamenten?
Schneider: Wir sind inzwischen ­einer der größten Hersteller von int­ravenösen Generika weltweit. Das Geschäft wächst schnell und ist sehr profitabel. Es wird die Marge von Kabi weiter steigern. Dieser Markt bietet für die kommenden Jahre hervorragende Wachstumschancen, und daran wollen wir teilhaben.

€uro am Sonntag: Was ist so lukrativ daran?
Schneider: Fresenius Kabi verfügt über die Vertriebsstrukturen, um flüssige Generika erfolgreich zu verkaufen. Wir sind mit Produkten von Kabi beinahe in jedem Krankenhaus vertreten. Darüber hinaus haben wir als einer der größten Hersteller von Infusionslösungen große Erfahrung in der Produktion solcher Wirkstoffe. Sobald Sie ein Medikament intravenös verabreichen, haben Sie höchste Qualitätsanforderungen an die Reinheit. Sie verabreichen hier direkt in den Blutkreislauf, das Medikament wird nicht mehr über den Magen-Darm-Trakt gefiltert. Das macht die Herstellung sehr aufwendig. Daraus ergeben sich hohe Markteintrittsschranken für Wettbewerber.

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