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27.01.2010 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 04/10

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Her mit den Junk-Bonds

Der Boom am Markt für Unternehmensanleihen geht in eine neue Runde. Nun buhlen Firmen aus der zweiten Reihe mit attraktiven Zinsen um Anleger.
von Oliver Ristau

Das neue Jahr hat kaum begonnen, schon sind die ersten Rekorde gefallen. Noch nie haben Unternehmen weltweit innerhalb von sieben Tagen so viel Geld mit hoch verzinsten Unternehmensanleihen eingesammelt wie in der zweiten Januar-Woche 2010. Insgesamt kamen nach Berechnung von Finanzdiensten sogenannte High-Yield-Bonds mit rund 11,7 Milliarden Dollar auf den Markt. Im Währungsraum des Euro waren es bis Mitte Januar schon 3,2 Milliarden Euro. Im Vorjahr lag das Volumen zu diesem Zeitpunkt noch bei null.

Denn vor einem Jahr griffen institutionelle Investoren aus Risiko­erwägungen überwiegend zu bonitätsstarken Papieren. Dagegen gelten High-Yield-Bonds als risikoreicher, weil die Unternehmen, die sie emittieren, nicht über das Prädikat Investment-Grade verfügen, ihre Bonität zur Rückzahlung von Krediten von Ratingagenturen also nicht mindestens mit BBB- bewertet wird.

Doch mittlerweile stören sich die Spürnasen unter den Anlegern immer weniger an den Junk-Bonds (junk = Müll). „Investoren messen dem Ratingkriterium bei Neuemissionen nicht mehr einen solch hohen Stellenwert bei wie noch im Vorjahr“, hat Klaus Stopp, Chefrentenhändler der Baader Bank an der Börse München, beobachtet.

„Die Risikofreude treibt viele Anleger in High-Yield-Bonds“, sagt Bondmanager Klaus-Michael Menz von HSBC Global Asset Management Deutschland und ergänzt: „Da agieren mittlerweile Namen, die noch vor einem Jahr nicht in der Lage waren, an den Markt zu gehen.“ Autobauer aus den USA hätten vor Jahresfrist angesichts der drohenden Pleite von General Motors trotz des boomenden Anleihemarkts kaum ein einziges Papier verkaufen können. Anleihen von Banken waren gänzlich tabu.

Heute kommen die Unternehmen kaum noch mit der Nachfrage hinterher. Da die Anleger der britischen Virgin Media die Papiere schier aus den Händen rissen, entschied sich der Konzern, das Emissionsvolumen seiner beiden neu aufgelegten Bonds kurzerhand zu verdreifachen. Rund 2,4 Milliarden Dollar spielte der Tele­kommunikationskonzern um Schlüsselaktionär und Virgin-Gründer Richard Branson damit ein. Das lockt auch den britischen Fußballklub Manchester United aufs Spielfeld. Der hoch verschuldete Premier-League-Verein will mit einer siebenjährigen Anleihe rund 500 Millionen Pfund einnehmen. Der US-Investor Malcolm Glazer und seine Familie hatten die Schulden aufgenommen, um Manchester United 2005 mit einer 790 Millionen Dollar schweren Transaktion zu übernehmen.

Dass es die Unternehmen aus der zweiten Liga bei den Investoren auf die ersten Plätze schaffen, liegt an ihren im Vergleich zur Elite üppigen Renditeversprechungen. So bietet Virgin Media den Zeichnern einen Zins von 6,5 und 7,0 Prozent für acht Jahre. Noch ist der Bond aber nicht am Markt. US-Autoriese Ford stattete seinen jüngsten zehnjährigen Bond mit einem Zinskupon von 8,121 Prozent aus und spielte damit 500 Millionen Dollar ein. Der kanadische Öltanker-Reeder Teekay lockte Zeichner seines bis 2020 laufenden 450-Millionen-Dollar-Bonds mit einer Ausschüttung von jährlich 8,5 Prozent.

Solche Erträge lassen sich mit Unternehmensanleihen weltweiter Topadressen längst nicht mehr erzielen. Während BMW im Januar 2009 Investoren noch 7,875 Prozent für einen Bond mit fünfjähriger Laufzeit bot, sind es ein Jahr später nur noch 2,875 Prozent für drei Jahre und 3,875 Prozent für sieben Jahre. Dennoch greifen viele Anleger zu. „Die mögliche Rendite ist bei Kurzläufern immer noch attraktiver als bei Bundesanleihen“, erklärt Menz. Deshalb hatten weder Daimler, noch Peugeot oder der Pharmakonzern Fresenius Schwierigkeiten, neue Bonds zu platzieren.

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