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08.11.2009 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 45/09

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Schatzsuche mit den Kleinen

Der Goldboom scheint kein Ende zu nehmen. Dank der Rally des Edelmetalls sind kleine Explorationsfirmen für risikofreudige Anleger attraktiv geworden
von Oliver Ristau

Der Rhein birgt Gold. Seit Jahrhunderten brechen Abenteurer auf, um nach dem sagen­umwobenen Schatz zu suchen, den Hagen von Tronje der Nibelungensage nach im größten deutschen Fluss versenkt haben soll. Tatsächlich finden sich im Rhein heute wie damals Spuren des Edelmetalls, die allerdings nicht aus einem alten Goldschatz stammen, sondern aus dem Gestein, das der Strom auf seinem Weg ausgewaschen hat.

Die Goldgewinnung am Rhein ist schon seit dem Mittelalter bekannt, als der wilde Fluss noch Jahr für Jahr mit dem Hochwasser neue Ablagerungen zutage förderte. Doch wegen den Begradigungen in der Neuzeit sanken die Mengen so stark, dass die Goldgewinnung nicht mehr wirtschaftlich war. Bis vor wenigen Jahren die zum Schweizer Zementkonzern Holcim zählenden Kieswerke Rheinzabern in der Nähe von Karlsruhe eine Renaissance einläuteten und wieder Gold aus den Sanden des Rheins auszuwaschen begannen. Jährlich fördern sie seither mehrere Kilogramm des Edelmetalls, das sie zum Dreifachen des Weltmarktpreises an Goldschmiede der Region verkaufen, die das Rheingold hochpreisig vermarkten.

Wenn auch in Deutschland die Erfolgschancen für Goldschürfprojekte beschränkt sind, die globale Situation sieht anders aus. „Weltweit ist das Potenzial neuer Lagerstätten beträchtlich. Von knappem Gold können wir auch langfristig nicht sprechen“, sagt Peter Buchholz, Goldexperte bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) aus Hannover. „Selbst in Gebieten, in denen schon seit Generationen geschürft wird, werden noch neue Vorkommen entdeckt.“ Geologisch ist bekannt, wo Gold besonders oft anzutreffen ist. „Das sind zum Beispiel die alten Granit-Grünsteingürtel in den Urkontinenten Afrikas, Amerikas und Australiens.“ Doch der genaue Verlauf von goldhaltigen Erzzonen bleibt so lange im Boden verborgen, bis er durch konkrete Exploration nachgewiesen wurde. „Unter den Wüstenböden etwa der afrikanischen Kalahari werden reichhaltige Lagerstätten vermutet.“

Die technologische Schwierigkeit besteht darin, in einer bis zum Horizont reichenden Wüste ohne konk­rete Hinweise an der Oberfläche den genauen Punkt herauszufinden, unter dem eine Goldader verläuft. Erst mit neuesten Erkundungstechnologien gelingt es, diese und andere Territorien in der Tiefe besser zu erforschen.

Neufunde von Goldminen sind also keine Seltenheit, wenngleich die einfachsten und größten Lager etwa in Südafrika weitgehend erschlossen und ausgebeutet sind. Die Chance auf Neuentdeckungen hat in den vergangenen Jahren eine Vielzahl moderner Goldgräber angelockt. „Bei uns werden wöchentlich Firmen vorstellig, die neue Minen entdeckt haben wollen“, sagt Joachim Berlenbach, Fondsmanager der Earth Resource Investment Group, der mit dem Earth Gold Fund UI einen der erfolgreichsten Gold- und Edelmetallfonds 2009 betreut. Die meisten Projekte seien aber nicht das Papier wert, auf dem sie stünden. „Viele Glücksritter tummeln sich im Markt. Auf eine Firma, die erfolgreich ist, kommen zehn, die es nicht schaffen.“

Da Banken diesen Projekten zunächst kein Fremdkapital anvertrauen, sind die Firmen auf Eigenkapital angewiesen, das sie sich über die Börse besorgen. Größter Marktplatz dafür weltweit ist die TSX Venture Exchange, ein Ableger der Börse von Toronto. „Die Zahl der dort notierten Gold- und Metallexplorationsunternehmen geht in die Tausende“, sagt Werner Ullmann, Edelmetallspezialist beim Augsburger Rohstoff­investmenthaus ERA Resources. Die Zugangsbedingungen zur kanadischen Venture-Capital-Börse sind einfach, umfangreiche Verkaufsprospekte nicht nötig. Allein im Oktober haben sich zehn Minenunternehmen neu listen lassen. „Das wichtigste Kriterium zur Beurteilung einer solchen Firma ist das Management“, sagt Ullmann. Ohne persönliche Erfahrungen mit nachweisbaren Erfolgen sei ein Investment sehr kritisch zu betrachten. Die Bandbreite der Firmen reicht von kleinen Entwicklern, die teils nur ein Projekt planen, bis zu erfahrenen Minenunternehmen mit mehreren Produktionsstandorten. Entsprechend variieren die Risiken für Investoren. Bei kleinen Firmen sorgen Meldungen über erfolgreiche Funde schnell für eine Vervielfachung des Aktienkurses. Bei entsprechenden Negativereignissen sind dramatische Einbrüche keine Seltenheit.

Explorationsfirmen beginnen ihr Geschäft üblicherweise mit der Entnahme von Oberflächenproben in einem Gebiet, das nach vorheriger Recherche als goldhaltig eingeschätzt wurde. Sind diese Erfolg versprechend, werden Lizenzen zur Ausbeutung beantragt und größere Gesteinsmengen entnommen. Sind auch diese positiv, beginnen die Bohrungen. „Banken steigen meist erst nach massiven, positiv verlaufenen Bohrungen ein“, erklärt Ullmann. Die­se erstellen dann eine Machbarkeitsstudie, die die Explorationskosten und die zu erwartenden Rohstoffausbeuten werthaltig beziffert. Das ist ein guter Einstiegspunkt für Investoren, da das Verlustrisiko nicht mehr so groß ist wie bei einem noch zu erkundenden Unternehmen. Umgekehrt dürfte zu diesem Zeitpunkt allerdings schon ein Teil der Erfolgsgeschichte im Aktienkurs eingepreist sein.

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