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23.06.2010 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 25/10

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Spanien hat auf Sand gebaut

Spanien rutscht immer tiefer in die Krise. Die Anleihekurse sind unter Druck
(or)

Die Fakten sind furchteinflößend: Jeder fünfte Erwerbsfähige in Spanien ist ohne Job - ein trauriger Rekord in Europa und unter allen Industrie- und Schwellenländern. Nach Auskunft des Nationalen Statistikinstituts haben 2,6 Millionen Menschen seit 2007 ihre Arbeit verloren. Die Arbeitslosenquote schnellte von 8,5 auf 20 Prozent hoch.

Es sind vor allem die Folgen der geplatzten Immobilienblase, die Spanien schwer zu schaffen machen. Sie hat nicht nur Hunderttausende um den Job, sondern auch die Säulen der heimischen Bankenlandschaft zum Einsturz gebracht. Zu Beginn der Finanzkrise standen die spanischen Institute noch vergleichsweise solide da, weil sie kaum in toxischen US-Subprime-Papiere investiert waren. Doch stattdessen hatten Geschäftsbanken und insbesondere die Sparkassen für zahlreiche überdimensionierte Bauprojekte im eigenen Land großzügige Darlehen zugesagt, denen nun milliardenschwere Wertberichtigungen drohen. Denn überall stehen unverkäufliche, teils noch im Rohbau befindliche Neubauten herum. Viele Baufirmen sind längst pleite. Das Risiko liegt nun bei den Banken. Mehr als fünf Prozent der Kreditsumme aller spanischen Institute könnten nach Berechnungen der spanischen Zentralbank ausfallen.

Um dem Zusammenbruch zu entgehen, schließen sich immer mehr der ursprünglich 45 Sparkassen des Landes zusammen. In der vergangenen Woche meldeten sie einen Finanzierungsbedarf von elf Milliarden Euro bei dem Restrukturierungsfonds FROB an, der eigens dafür vor einem Jahr bei der Zentralbank geschaffen wurde. Das dürfte kaum reichen, denn die Hälfte der Sparkassen hatte bis zum Stichtag noch gar keine Angaben zu ihrem Bedarf gemacht.

Kein Wunder, dass in just der gleichen Woche, in der die Bankenrestrukturierung konkret wurde, neue Gerüchte über eine Anfrage Spaniens an die EU wegen finanzieller Hilfe aufkamen. Denn die öffentlichen Haushalte sind massiv in den roten Zahlen. Die hohen Sozialausgaben reißen Monat für Monat tiefe Löcher in die Staatskasse. Das Defizit wird nach Auskunft des Internationalen Währungsfonds 2010 bei 5,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen - nach 5,1 Prozent 2009 und 9,6 Prozent 2008. Die Ratingagentur S&P erwartet, dass das Defizit noch bis 2013 jährlich die Fünfprozentmarke übertreffen wird.

Damit steigen Spaniens Schulden immer weiter an. Noch steht das Land mit einer Verschuldungsquote von 54 Prozent im Vergleich zu vielen anderen EU-Mitgliedern gut da. Doch eine nachhaltige Erholung ist in Spanien kaum erkennbar. Die auf Dienstleistungen, der Bauwirtschaft und dem Energiesektor fußende Ökonomie verfügt über wenig kurzfristiges Innovationspotenzial.

Dass Spaniens Probleme auch die Probleme der EU sind, zeigt ein Blick in die jüngste Statistik der Bank für internationalen Zahlungsausgleich. Demnach betrugen die Außenstände Spaniens bei EU-Banken Ende 2009 rund 600 Milliarden Euro. Einem Bericht der spanischen Tageszeitung "El País" zufolge haben sich spanische Banken im Mai mit 85 Milliarden Euro so viel Geld wie nie zuvor bei der Europäischen Zentralbank geliehen. Offensichtlich ist das Vertrauen der Geldhäuser untereinander auf einem Tiefpunkt angelangt.

Um die Spekulationen über die Schieflage des Landes zu beenden und die Märkte zu beruhigen, kündigte die Zentralbank am Mittwoch die Veröffentlichung der Ergebnisse ihrer Stresstests spanischer Institute an.

Die Anleger trennten sich zuletzt verstärkt von spanischen Staatsbonds. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen stieg auf 4,98 Prozent. Die Risikoprämie gegenüber Bundesanleihen kletterte damit auf 2,3 Prozent. Die Flucht der Anleger aus den spanischen Staatspapieren dürfte aufgrund der Unsicherheiten vorerst anhalten.

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