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17.03.2010 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 11/10

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Supergrid-Netz in der Nordsee

Strom aus Windkraft entsteht oft zur falschen Zeit am falschen Ort. Welche Konzerne vom Aufbau eines neuen Stromnetzes im Meer profitieren wollen
von Oliver Ristau

Über der Nordsee weht meistens eine steife Brise. Wer sie nutzt, kann eine Menge Strom erzeugen und langfristig Milliarden umsetzen. Deshalb haben sich Anfang der Woche in London zehn Unternehmen zur Interessengruppe Friends of the Supergrid zusammengeschlossen, die die europäischen Pläne zum Aufbau eines modernen Stromnetzes in der Nordsee voranbringen will. Dazu zählen mit Siemens, Hochtief und Alstom drei europäische Schwergewichte. Daneben sind weitere Firmen aus der Bau-, IT- und ­Regenerativbranche am Start. Die neuen Freunde der Nordsee wollen die künftige Netzinfrastruktur für die Stromübertragung in der Nordsee „entwickeln, installieren und betreiben“.

Die neuen Kabel sind notwendig, damit zukünftige Windparks auf dem Meer ihren Strom dann auch abtransportieren können. Mit dem geplanten Supernetz soll die Energie je nach Nachfrage bei den Nordseeanrainern flexibel verschickt werden. Es könnte den Windstrom in Zeiten geringen Verbrauchs beispielsweise in norwegischen Wasserkraftwerken zwischenspeichern und bei Anziehen der Nachfrage in die Industriezentren etwa Großbritanniens oder Deutschlands senden.

Rund 30 Milliarden Euro dürfte das neue Netz kosten. Allein in den kommenden fünf Jahren wollen Europas Stromnetzbetreiber dafür zwölf bis 14 Milliarden Euro investieren, wie ihr zentraler Verband Entso-e bestätigt. Zwar sind in der Industrieinitiative außer der belgischen Elia keine Netzbetreiber vertreten, dennoch sind die Investitio­nen für ihr Kerngeschäft wichtig, da sie an jeder transportierten Kilowattstunde Geld verdienen. Zugleich erlaubt die EU, dass sie die Kosten des Netzausbaus auf die Stromkunden umlegen. „Dadurch wird der Strom für die Verbraucher voraussichtlich günstiger werden, als wenn die Netzinvestitio­nen unterblieben“, glaubt General­sekretär Konstantin Staschus. Denn mit dem neuen Netz erhöhten sich Stromangebot und Wettbewerb. Dadurch sollten die Preise unter Druck geraten und steigende Netznutzungsentgelte kompensieren.

Allerdings werde die Realisierung des kompletten Netzes in der Nordsee noch mehr als zehn Jahre dauern. Die benötigten elektronischen Schaltungen zur Steuerung von Gleichstromkabeln in der See müssen noch entwickelt werden. Firmen wie Siemens und ABB beschäftigen sich damit. Neue Verbindungen zwischen Großbritannien und den Niederlanden sowie zwischen Norwegen und Dänemark sollen bereits in Kürze angegangen werden. Insgesamt wollen die Netzbetreiber bis 2020 mehr als 4000 Kilometer Kabel für das Nordseenetz verlegen. Damit liege die Realisierung des Vorhabens deutlich näher als die des Mittelmeer­netzes für das Solarstromprojekt Desertec, das regenerativen Strom aus Afrika und Asien nach Europa bringen will, heißt es bei Entso-e.

Von dem Supernetz profitieren die Unternehmen, die bereits im großen Stil Offshorewindparks in der Nordsee planen. Das ist insbesondere vor den Küsten Großbritanniens der Fall, wo die Regierung Windparks mit ­einer Leistung von 30 000 Megawatt (MW) angestoßen hat. Das entspricht der Leistung von zwei Dutzend Kernkraftwerken. Neben den deutschen Versorgern RWE und E.on haben sich auch Siemens und Hochtief bereits ein Stück des Kuchens gesichert. Ebenfalls im Boot sind Norwegens Energieriesen StatoilHydro und Statkraft sowie die beiden iberischen Stromerzeuger Iberdrola und EDP. Erst mit dem neuen Netz werden sie ihren Ökostrom künftig international vermarkten können.

Hochtief:Potenzielle Bauherren
Der Essener Bau- und Infrastrukturkonzern Hochtief könnte in der Nordsee sowohl von der Verlegung der ­Kabel als auch der Errichtung von Offshorewindkraft­anlagen profitieren. Das Geschäft gilt heute schon als margenstark und könnte langfristig eine lukrative Ergänzung zur guten Positionierung von Hochtief-Töchtern bei Infrastrukturprojekten speziell in den USA und im australischen Minengeschäft darstellen.

Siemens: Grün ist die Hoffnung
Die Münchner zählen zu den Marktführern im Wind­anlagenbau. Insbesondere bei den volumenstarken und von großen Finanzierungen abhängigen Offshore­geschäften führt kein Weg an Siemens vorbei. Das Unternehmen dürfte auch beim Bau des Netzes profitieren. Insgesamt erwirtschaftet das grüne Umweltportfolio des Konzerns inszwischen mehr als ein Drittel des Konzern­umsatzes. Die anziehende Konjunktur hat sich in anderen Geschäftsbereichen allerdings noch nicht ­nachhaltig nieder­geschlagen.

Iberdrola Renovables: Führender Windstromproduzent
Mit dem Bau des Nordseenetzes werden die geplanten Investitionen in Offshoreparks vor England auch für den weltweit größten Erzeuger von Windstrom, die spanische Iberdrola Renovables, noch interessanter. Das ­Unternehmen hat sich gemeinsam mit Vattenfall die Rechte an dem zweitgrößten britischen Park gesichert. Außerdem dürfte die Tochter des spanischen Energiekonzerns Iberdrola von der guten Position in den USA profitieren, wo die Windenergie nach Expertenmeinung mittelfristig vor einem Boom steht.

SAM Sustainable Clima Fund: Nachhaltig erfolgreich
Mit einem Wertzuwachs von 64 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten zählt der Klima- und Nachhaltigkeitsfonds SAM Sustainable Clima Fund (ISIN: LU 028 077 017 2) der Schweizer Swiss & Global Asset Management zu den erfolgreichsten seiner Sparte. Das Fondsmanagement setzt im Portfolio auf einen breiten Mix von grün orientierten internationalen Unternehmen, die zu zwei Dritteln aus Maschinenbauern und Versorgern bestehen. Mit Iberdrola Renovables und der portugiesischen EDP Renovaveis zählen zwei im britischen Offshoregeschäft gut positionierte grüne Versorger zu den sieben größten Unternehmen des Fonds. Langfristig aussichtsreich.

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