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19.12.2004 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 51/04

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Tommy Hilfiger Smartes Schneiderlein

Top-Paarung in der Modebranche: Der US-Designer Hilfiger wird den deutschen Kollegen Lagerfeld vermarkten.
Christiane Habrich-Böcker

Man kann es durchaus eine Traumhochzeit nennen. Der Kaiser der Casual Labels, Tommy Hilfiger (53), der das Yuppie-Feeling in Stoff kleidet, gibt die Vermählung mit Europas Couturier-König Karl Lagerfeld (66) bekannt. Der charismatische Edelschneider verkauft seine Markenrechte an die US-Firma des Designers Hilfiger. Die von Lagerfeld entworfenen Kollektion (außer der für Chanel und Fendi) und die Pret-ˆ-porter werden somit künftig über das globale Hilfiger-Vertriebsnetz vermarktet und verkauft. Die Marke Lagerfeld kann so weltweit endlich Realität werden. Und Hilfiger bringt neuen Schwung in sein Geschäft.

Thomas Jacob Hilfiger hat offenbar mal wieder den richtigen Riecher. Denn der Name Lagerfeld gilt als Garant für Erfolg. Bereits die Massenproduzenten Steilmann, Quelle und zuletzt H&M vermarkteten erfolgreich Mode der in Paris lebenden Designer-Ikone. Dennoch hat der Luxusschneider unter eigenem Namen nie den großen Durchbruch geschafft. Vielmehr nannte er sich unlängst einen "Strichjungen" der großen Modehäuser. Das soll jetzt mit Hilfiger endlich anders werden.

Der katholische Ire zählt neben Ralph Lauren, Perry Ellis und Calvin Klein zu den erfolgreichsten Herrenmodemachern der USA. Seine Karriere begann allerdings mit Fehlstarts. Bereits mit 18 Jahren arbeitete der zweitgeborene von insgesamt neun Geschwistern im Textileinzelhandel. Erst als Angestellter, dann als Boutiquebesitzer. Sein erster Shop "The People's Place" lag in einem Randbezirk von New York. Er verkaufte handgemachte Jeans, die er in seinem Heimatort Elmira fertigen ließ. Mit 25 war Hilfiger pleite.

Er zog in die Stadt und konzentrierte sich aufs Entwerfen. "Mode für Menschen" lautet Hilfigers Prämisse. Seine Kollektionen bot er Lauren und Ellis an. Doch die wollten den Mann mit den großen Ambitionen nicht. Erst der damalige Lizenzinhaber von Gloria Vanderbild Jeans, Mohan Murjani, gab ihm eine Chance und holte ihn als Designer. Folge: wieder eine Pleite. Diesmal traf's Murjani. Hilfiger kaufte die Firma 1982, wurde Präsident und präsentierte 1984 seine textile Interpretation des American Way of Life unter dem Label Tommy.

Seine Zielgruppe war zunächst die gutsituierte weiße Mittelschicht. Der große Erfolg stellte sich ein, als auch trendige Farbige die Casual-Klamotten für sich entdeckten. Seitdem konnte die Yuppieszene nicht mehr ohne Tommy und Tommy nicht mehr ohne Yuppies. Die 90er waren Hilfigers Ära und machten ihn schwerreich. Der Vater von vier Kindern residiert im Sommer in direkter Nachbarschaft zu Mick Jagger auf dem Eiland Martinique. Ansonsten auf einer Ranch in Connecticut.

Hilfiger ist beileibe kein genialer Designer, aber er ist ein cleverer PR-Stratege - der eigentliche Grund für seinen Erfolg. Unter anderem sponserte sein Unternehmen 1999 die No-Security-Tournee der Rolling Stones und startete mit Britney Spears als Galionsfigur eine erfolgreiche Jeans-Kampagne. Und irgendwann glaubte man auch in Europa, daß Hilfigers eher hausbackene Klamotten schick seien.

Doch als die Yuppies endgültig out waren, verblaßte damit der Glanz des Tommy-Labels. Auch Aktionären hat Hilfiger seit vier Jahren keine rechte Freude mehr bereitet. Die neue Traumpaarung mit Karl Lagerfeld hat wieder etwas Leben in den Kurs gebracht, schließlich wurde sie auch opulent verkündet. Fraglich ist allerdings, ob die Verbindung der beiden Paradiesvögel von Dauer sein wird.

Tommy Hilfiger

Das Mode-Imperium Hilfiger ging 1992 an die Börse. Das Unternehmen vertreibt Jeans- und Sportswear, Herren-, Damen- und Kindermode, Schuhe, Sonnenbrillen, Düfte und Möbel in Kaufhäusern und eigenen Shops. Derzeit baut Hilfiger vor allem in Europa seine Präsenz aus.

Anfang Dezember eröffnete er einen neuen Laden in Berlin, vergangene Woche in London. Hauptmarkt sind aber nach wie vor die USA. Mit den Lagerfeld- Kollektionen will Hilfiger vor allem in den Vereinigten Staaten expandieren. Zahlen zu dem Deal nannte der New Yorker nicht, kündigte aber an, daß dadurch das diesjährige Ergebnis "verwässert" werde.

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