06.05.2007 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 18/07

Aufschwung wird noch kräftiger

Ökonomen-Barometer steigt deutlich. Volkswirte rechnen auf Jahressicht mit noch stärkerem Wachstum.
Jan W. Schäfer

Der Konjunkturaufschwung in Deutschland wird weiter an Fahrt gewinnen. Auf Jahressicht rechnen die deutschen Volkswirte mit einem noch stärkeren Wachstum des Bruttoinlandsprodukts. Das ist das Ergebnis des Ökonomen-Barometers Mai von Euro am Sonntag und dem TV-Sender n-tv.

Insgesamt schätzen die Fachleute die aktuelle Wirtschaftslage hierzulande als ziemlich gut ein. Der entsprechende Wert des Ökonomen-Barometers stieg für Mai um fast drei Punkte auf 71,59 Punkte. Im April hatte er bei 68,76 Punkten gelegen.

Für die nächsten zwölf Monate gehen die Volkswirte davon aus, dass der Aufschwung zusätzlich an Kraft gewinnt. Der Wert für die zu erwartende Entwicklung sprang von 66,68 Punkten auf 73,82 Punkte. Erstmals seit dem Start des Ökonomen-Barometers im Dezember 2006 liegt damit der Erwartungswert über dem für die aktuelle Konjunkturlage.

Für das Ökonomen-Barometer Mai wurden vom 25. April bis 3. Mai über 300 Volkswirte in Banken, Forschungsinstituten, Universitäten und Wirtschaftsverbänden befragt. Es ist der größte Indikator der Branche. Trotz des großen Optimismus fürchtet ein Teil der Volkswirte dämpfende Effekte durch den hohen Euro-Wechselkurs zum Dollar. So sagen 5,6 Prozent der Befragten, der aktuelle Kurs von knapp 1,36 Dollar bereite Teilen der exportorientierten Wirtschaft Probleme und könnte das Wachstum dämpfen (siehe Grafik rechts). 11,1 Prozent rechnen mit negativen Effekten, falls der Euro die Marke von 1,40 Dollar überschreitet. 19,4 Prozent erwarten Einbußen ab 1,45 Dollar. Fast ein Drittel der Ökonomen sagt der deutschen Wirtschaft negative Auswirkungen allerdings erst ab einem Kurs von 1,50 Dollar und weit darüber voraus.

Immerhin: Mehr als ein Viertel der Befragten (27,8 Prozent) hält einen weiteren Euro-Anstieg für unproblematisch. Grund sei, dass die US-Wirtschaft im Vergleich vor allem mit asiatischen Volkswirtschaften zunehmend an Bedeutung für deutsche Exporteure verliere.

Völlig gespalten sind Deutschlands Ökonomen bei der Frage nach weiteren Steuersenkungen. Genau die Hälfte lehnt Forderungen wie von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos ab, die Bürger steuerlich zu entlasten. Begründung: Sonst gelinge die nötige Haushaltskonsolidierung nicht.

Dagegen befürworten 40,8 Prozent Entlastungen, beispielsweise durch niedrigere Steuersätze oder die Abschaffung des Solidaritätszuschlags. Um die anstehende Haushaltskonsolidierung nicht zu gefährden, plädieren sie gleichzeitg für Ausgabenkürzungen, beispielsweise bei öffentlichen Subventionen.

Mit Blick auf die Arbeit der Großen Koalition befürchten viele Volkswirte ein Ende der Reformanstrengungen bis zur Bundestagswahl 2009. "Richtige Reformen für mehr Wachstum und Beschäftigung sind nicht geplant", monierte der Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Joachim Scheide. Der Direktor des Hamburger HWWI, Thomas Straubhaar, erklärte: "Ich rechne mit einem Stillstand bei strukturellen Reformen." Für Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel stehen "die Chancen auf weitere Reformen nach der Sommerpause eher schlecht". Es seien allenfalls kleinere Korrekturen zu erwarten. Der Berliner Wissenschaftler Harald Uhlig bezeichnete einen Reformstillstand als "wahrscheinlich".

Dabei ist die Reform-Agenda der Ökonomen lang (siehe Grafik). "Am dringendsten wären weitere Reformschritte am Arbeitsmarkt", sagte Oliver Landmann (Freiburg). So verlangte Volker Treier vom DIHK unter anderem Änderungen beim Kündigungsschutz: Er solle künftig "nur in Betrieben mit mehr als 20 Mitarbeitern gelten und erst nach drei Jahren Betriebszugehörigkeit".

Der Kölner Volkswirt Johann Eekhoff mahnte wie viele Kollegen eine Reform der Pflegeversicherung an. Der Hamburger Volkswirt Wolf Schäfer forderte, den Gesundheitskompromiss wieder aufzuschnüren: "Die ordnungspolitisch richtige Reform steht weiter aus."

Auch die Föderalismusreform II sehen viele Ökonomen, darunter der Ex-Chef des Wissenschaftlichen Beirats beim Finanzministerium, Heinz Grossekettler, als dringliche Aufgabe an. "Hier sollte den Bundesländern Einnahmeautonomie zugestanden werden", so auch Friedrich Heinemann vom Mannheimer ZEW.

Das nächste Ökonomen-Barometer erscheint am 3. Juni 2007.

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Oskar

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