05.11.2006 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 45/06

Neue Bälle bitte

Nach der Fußball-WM startet Adidas jetzt einen neuen Großangriff auf Nike – ausgerechnet im Heimatland des Gegners und bei dessen Lieblingsspiel Basketball. Markenchef Erich Stamminger über große Ziele
Sven Parplies

In Deutschland ist Basketball eine eher belanglose Randsportart, in den USA hingegen ein Riesenspektakel. Sportlich wie finanziell. Über 2,5 Milliarden Dollar werden in den Staaten allein mit Basketballschuhen umgesetzt. Dominiert wird der Markt vom US-Sportartikelriesen Nike, der dank seiner Werbe-Ikone Michael Jordan in den 80er Jahren Adidas von der Spitze verdrängte. Jetzt meldet sich der DAX-Konzern zurück: Elf Jahre lang rüsten die Deutschen die Teams der nordamerikanischen Profiliga NBA mit Trikots. Zum Saisonstart sprach EURO am Sonntag mit Adidas-Markenchef Erich Stamminger über den Mega-Deal und den Angriff auf Nike. €uro am Sonntag: Herr Stamminger, Sie haben das Ziel ausgegeben, Nike als führenden Sportartikelhersteller im Basketball abzulösen. Ist das nicht sehr übermütig? Erich Stamminger: Der Anspruch von Adidas muss es sein, die führende Sportmarke der Welt sein. Ein Sportler geht ja auch nicht mit dem Ziel in den Wettkampf, Zweiter zu werden. €uro am Sonntag: Fakt ist, dass Nike bei Basketballschuhen in den USA auf 80 Prozent Marktanteil kommt – Adidas auf zehn. Das sind deprimierende Zahlen für Adidas. Stamminger: Wenn wir unsere Heritage-Produkte (modische Produkte, Anm. d. Red.) im Basketball mitrechnen, wie den „adidas Superstar“-Schuh, liegen wir bei 18 Prozent. Das ist nicht deprimierend. Das zeigt nur, wie groß das Potential für die Marke Adidas ist. Gerade wenn man sieht, welche Möglichkeiten wir jetzt durch die Partnerschaft mit der NBA haben. Eines Tages kann und wird Adidas auch im Basketball wieder die Nummer 1 sein. Das wird nicht von heute auf morgen gelingen, aber wir werden mit aller Kraft daran arbeiten und uns permanent verbessern. €uro am Sonntag: Wie soll der Machtwechsel gelingen? Stamminger: Ausgangspunkt muss natürlich das Produkt sein. Da machen wir riesige Fortschritte. Wir haben zum Beispiel den „Adidas 1“, den intelligenten Basketballschuh, „Formotion“ und weitere wichtige Technologien. Dann haben wir durch den Lizenzvertrag mit der NBA ganz neue Möglichkeiten, gerade für die in der Freizeit getragenen Produkte, ein Bereich, der immer wichtiger wird. Als erstes werden wir für jedes der 30 NBA-Teams speziell designte Schuhe auf den Markt bringen. Und man darf natürlich nicht nur auf die USA schauen: Die NBA ist die Liga mit der weltweit größten Ausstrahlung. €uro am Sonntag: Das alles hätten Sie auch mit Ihrer neuen Tochter Reebok machen können, die bislang NBA-Partner war. Bringt der Wechsel wirklich einen Mehrwert für das Unternehmen? Stamminger: Davon gehen wir fest aus, weil Adidas die globalere Marke ist. Das haben wir gerade erst durch die Fußball-Weltmeisterschaft demonstriert. Adidas hat einfach eine größere Infrastruktur. Nehmen Sie China – dort ist Adidas mit 2600 eigenen und Franchise Stores vertreten, Reebok mit 500. €uro am Sonntag: Sie entwerten aber die ohnehin angeschlagene Marke Reebok, wenn Sie den lukrativsten Lizenzvertrag abziehen. Stamminger: Nein, auf keinen Fall. Entscheidend ist doch nicht die Masse der Verträge, sondern was sie daraus machen. Reebok wird weiter seinen Wurzeln in den amerikanischen Sportarten treu bleiben und konzentriert seine Ressourcen auf die Lizenzverträge mit den US-Profiligen im American Football, Eishockey und Baseball. Ich bin überzeugt, dass Reebok damit sehr erfolgreich sein wird. €uro am Sonntag: Adidas setzt in der Werbung nicht auf einzelne Spieler, sondern auf Teamgeist. Geht das nicht an der Wirklichkeiten vorbei? Nike demonstriert doch seit Michael Jordan, dass der wirtschaftliche Erfolg im Basketball von Kampagnen um Megastars abhängt. Stamminger: Das war in der Vergangenheit so. Uns interessiert die Zukunft. Ich glaube nicht, dass es nochmal einen Ausnahmespieler wie Michael Jordan geben wird. Genau wie es im Fußball keinen neuen Pelé oder Beckenbauer gibt. Das Geschäft ist schnelllebiger geworden. Deshalb wird sich der Fan auch im Basketball wieder stärker an Teams orientieren. €uro am Sonntag: Oder ist Teamgedanke eine Not-Thema, weil die Topstars wie LeBron James, Dwyane Wade oder auch Dirk Nowitzki bei Nike-Marken unter Vertrag stehen? Stamminger: Bei den Stars können wir ohne Schwierigkeiten mithalten. Auch Adidas hat absolute Ausnahmespieler wie Tim Duncan, Tracy McGrady oder Kevin Garnett. Wir sehen aber, dass die Verkaufszahlen von Signaturschuhen, also Schuhen mit dem Namen eines Spielers, bei allen Marken zurückgehen. Das zeigt, dass man neue Konzepte entwickeln muss. €uro am Sonntag: Sie glauben also, dass die 90 Millionen Dollar, die Nike an Werbestar LeBron James zahlt, nicht gut angelegt sind? Stamminger: Jeder Wettbewerber muss selbst entscheiden, was er für sinnvoll hält. Für uns zählt, dass auch LeBron James jetzt in Adidas-Textilien spielt und trainiert. €uro am Sonntag: Es ist schwer vorstellbar, dass sich nicht auch Nike um den Lizenzvertrag mit der NBA bemüht hat. Stamminger: Lassen Sie es mich so sagen – ich bin fest davon überzeugt, dass der NBA-Vertrag nicht nur für Adidas interessant war. Aber das qualitative Angebot, das wir gemacht haben, hat die NBA überzeugt. Der NBA ist nicht entgangen, wie Adidas die Fußball-Weltmeisterschaft umgesetzt hat. €uro am Sonntag: Geld hat aber sicher auch eine Rolle gespielt. Angeblich zahlt Adidas für elf Jahre 400 Millionen Dollar an die NBA. Stamminger: Diese Zahl kommt mit Sicherheit nicht von uns. Letztlich ist die Gesamtsumme schwer zu beziffern, weil sie mit Leistungskomponenten verbunden ist. €uro am Sonntag: Es gibt bislang nur einen offiziellen NBA-Verkaufsladen. Der hat in New York jährlich über eine Million Besucher. Wäre es nicht sinnvoll, dieses Konzept auf andere Städte zu übertragen? Stamminger: Das ist ein Gedanke, den wir natürlich auch haben. New York ist der Flagshipstore, aber wir wollen auch außerhalb der USA gemeinsam mit der NBA auftreten. Der nächste Schritt, das kann ich jetzt schon verraten, werden gemeinsame Stores von Adidas und NBA in China sein. Für 2007 planen wir dort fünf bis zehn solcher Geschäfte. €uro am Sonntag: Weil Asien auch im Basketball der wichtigste Wachstumsmarkt ist? Stamminger: Basketball ist neben Fußball und Running eine der zentralen globalen Sportarten. Gerade in China ist das Interesse an der NBA riesig, dort spielen bereits 150 Millionen Kids Basketball. Das wollen wir nutzen.
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Oskar

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