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06.01.2010 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 01/10

Das Ende von Buy and Hold?

Das Platzen der japanischen Aktien- und Immobilienblase hat 2010 seinen 20. Jahrestag. Jürgen Callies über die Bedeutung der japanischen Lektionen für das kommende Jahr.
Jürgen Callies

Vor 20 Jahren begann der Zusammenbruch von Aktien- und Immobilienmärkten in Japan. Hieraus lassen sich auch Lehren für die gegenwärtige Situation ableiten.

Japan punktete in den 80er-Jahren mit den höchsten Wachstumsraten unter den großen Industrieländern: Anstiege des realen Bruttoinlandsprodukts von vier bis sechs Prozent waren keine Seltenheit. Der japanische Aktienmarkt versechsfachte sich zwischen 1980 und dem 1. Januar 1990, beim Prozentanteil an den Weltaktienmärkten überholte Japan in den führenden Indizes die USA. Die japanischen Immobilienpreise wurden legendär: Der Wert des Kaiserpalasts in Tokio wurde zeitweise mit dem von Kalifornien verglichen.

Vor 20 Jahren platzte die Hausse am japanischen Immobilien- und Aktienmarkt, die Wachstumseuphorie endete, und ein "Verlorenes Jahrzehnt" begann, das sich mit den globalen Krisen des neuen Jahrtausends verlängerte.

Obwohl die Bank of Japan von 1990 bis Ende 1995 die Zinsen von über sechs auf 0,5 Prozent senkte, und die Staatsverschuldung in den 90er-Jahren explodierte, versanken das Land und seine Kapitalmärkte in einem nur selten unterbrochenen desinflationären bis deflationären Umfeld, die Rendite auf kurze Staatsanleihen lag ab 1995 meistens deutlich unter einem Prozent, die Zehn-Jahres-Renditen pendelten ab Mitte 1997 zumeist zwischen einem und zwei Prozent.

US-Notenbankpräsident Bernanke, der sich neben der Großen Depression auch stark mit der japanischen Krise in den 90ern beschäftigte, zog daraus die Konsequenz, dass die Geschwindigkeit der Zinssenkungen, die Koordination von expansiver Geld- und Fiskalpolitik deutlich höher sein müsste - und dies wurde in der aktuellen Krise auch umgesetzt. Nun bleibt nur der Exit, den die Japaner zwar versuchten, aber nie leisten konnten, über die nächsten Jahre zu managen. Für den Kapitalanleger ergeben sich aus Japan einige Lehren:

Relativ sichere, kurz laufende Staatsanleihen liefern nur einen sehr niedrigen Return. Eine Kapitalakkumulation durch die vermeintlich sicheren Anlagen findet nominal gesehen kaum statt. Auch sind beispielsweise Wertsicherungskonzepte noch stärker pfadabhängig, das heißt, wer am Jahresanfang ausgestoppt wird, kommt im Jahresverlauf praktisch nicht mehr in die risikoreiche Assetklasse Aktien zurück. Damit wird der Anleger vor die Entscheidung gestellt, ob er niedrigere Returns nehmen kann oder ob er höhere Risiken nimmt, um zu versuchen, einen höheren nominalen Ertrag zu erwirtschaften.

Diversifikation ist auch das Zauberwort, um Krisen zu überstehen. Diversifikation ist ein zentrales Grundprinzip der Kapitalanlage. Die Erfahrung in dem "Verlorenen Jahrzehnt" in Japan war, dass Diversifikation einherging mit einer Diversifikation in Regionen höheren Wachstums. Heute stellt sich ebenso die Frage nach künftigen Wachstumsregionen. Während Japan noch überwiegend nach Europa und den USA diversifizieren konnte, ist die heutige Welt differenzierter geworden. Insbesondere Schwellenländer dürften sich als Wachstumsmotoren immer stärker in den Vordergrund schieben, ohne aber bei ihren Aktienmärkten die höhere Volatilität und damit auch das höhere Risiko zu verlieren. Rentenmärkte in vielen Schwellenländern sind zu klein und/oder zu illiquide. Umgekehrt werden insbesondere solche Aktien der etablierten Länder interessant, die an diesen globalen Trends partizipieren und von ihnen profitieren können.

Aktien könnten von einer strategischen zu einer taktischen Assetklasse werden. In dem "Verlorenen Jahrzehnt" in Japan machten Anleger die Erfahrung, dass sie beim Setzen auf kürzerfristige Trends Chancen auf gute Aktienmarktperformance hatten, die Buy-and-Hold-Performance aber zu wünschen übrig ließ.

Auch die Erfahrung des zurückliegenden Jahrzehnts in den etablierten Aktienmärkten Europas und der USA zeigte, dass per saldo keine positive Buy-and-Hold-Performance zu erzielen war, allerdings durchaus eine interessante Performance in einzelnen Jahren. Wurden im "Verlorenen Jahrzehnt" in Japan Aktien immer getrieben von der Hoffnung auf eine Konjunkturerholung und signalisierte ein Drehen der ökonomischen Frühindikatoren nach unten auch die baldige Bereitschaft von Investoren, sich nicht mehr zu engagieren, dann könnte uns dieses Verhaltensmuster an den etablierten Aktienmärkten auch in den kommenden Jahren bevorstehen. Damit würden Aktien von einer eher strategischen zu einer taktischen Assetklasse.

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Der Verlauf des Nikkei 225 in den 90er-Jahren demonstriert die Fehler der japanischen Zentralbank: Ihre Zinssenkungen zwischen 1990 und 1995 zeigten keine Wirkung.
Theoretisch senken Investments in wenig korrelierende Assetklassen bei gegebener Renditeerwartung das Verlustrisiko. Die Aufteilung des Vermögens auf die verschieden Anlageklassen hängt von der persönlichen Situation ab - ein gängiger Ansatz sind 50 Prozent Aktien, 30 Prozent Anleihen, zehn Prozent Rohstoffe, zehn Prozent Immobilien. Wer einen langen Investmenthorizont und Mut zum Risiko hat, erhöht den Aktienanteil. Wer für das Alter spart und kurz vor der Rente steht, setzt den Schwerpunkt auf sichere Anlagen. So ein Portfolio lässt sich besonders leicht mit ETFs zusammenstellen. Wer zur Rendite-Risiko-Optimierung die Anteile flexibel halten will, muss mehr Zeit investieren - oder sich den Profis anvertrauen (s. rechte Spalte).
Fondsmanager Luca Pesarini wählt flexibel aus, welchen Anteil des Fondsvermögens er in Aktien, Anleihen oder den Geldmarkt investiert. Das Ziel: eine positive Rendite. Sicherheit steht dabei im Vordergrund, weshalb die Aktienquote bei höchstens 40 Prozent liegt. Ideal für vorsichtige Anleger, die nicht selbst zwischen den verschiedenen Assetklassen wechseln möchten. (jgr)
Tendenz: steigend
@ www.finanzen.net/go/764930

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