13.01.2008 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 02/08

Doctor Doom sieht wieder schwarz

Als Querdenker hat Vermögensverwalter Marc Faber schon viele Börsencrashs richtig vorausgeahnt. Wem er jetzt Unheil prophezeit.
Tim Schäfer

Marc Faber sticht aus der Masse der Investmentbanker hervor. Statt Nadelstreifenanzügen trägt er bei Journalistenterminen gern mal T-Shirt mit aufgedruckten Ornamenten, und auch sein Pferdeschwanz erinnert eher an einen Rockstar. Doch nicht nur optisch sticht Faber hervor: Auch seine Ansichten und Marktausblicke widersprechen oft dem Tenor der Finanzbranche. Euro am Sonntag traf ihn in New York.

Euro am Sonntag: Die Sorgen um eine Rezession in den USA mehren sich. Wie beurteilen Sie den Markt?

Marc Faber: Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass die amerikanische Wirtschaft bereits in einer Rezession steckt. Der eine oder andere Bereich expandiert schon noch. Aber die Mehrheit der Sektoren befindet sich längst in einer Rezession.

Euro am Sonntag: Aber der Definition zufolge befinden wir uns erst in einer Rezession, wenn das Bruttoinlandsprodukt zwei Quartale in Folge schrumpft. Und das haben wir noch nicht gesehen.

Faber: Wenn wir uns die Anzahl der Container anschauen, die in Amerika ankommen, oder den Güterverkehr auf der Schiene oder den Truckingindex - es ist alles gesunken. Das sind Indikatoren, die ein relativ zuverlässiges Bild geben. Die Ökonomen und Strategen schauen viel zu stark auf zweifelhafte Wirtschaftsdaten. Wenn man sich die Börse anschaut, vor allem den Wohnungsbau- und Finanzsektor, Konsumaktien und Automobilumsätze, dann ist ganz klar, dass sich die Wirtschaft in einer Rezession befindet.

Euro am Sonntag: Könnte eine weitere Zinssenkung der Fed, die Nachfrage aus Asien und der schwache Dollar den US-Abschwung abfedern?

Faber: Ja natürlich. Durch den schwachen Dollar lässt sich schon ein Teil der Rezession auf andere Länder verschieben. Das Problem des schwachen Dollar ist der Inflationsdruck. Für einen Haushalt steigen die Lebenskosten stärker an als das Einkommen. Daher steckt der typische mittelgroße Haushalt in einer Rezession - nicht unbedingt die Reichen.

Euro am Sonntag: Wie sehen Sie den Finanzsektor?

Faber: Die Wall Street und das Bankenwesen träumen von einer großen Erholung. Aber an die glaube ich nicht. Wenn eine Blase platzt, ob das nun bei Hightech-Werten im Jahr 2000 oder Japan 1989 der Fall war, dann dauert es sehr lange, bis wir eine Erholung sehen. Die Finanzwirtschaft speist ihre Profite aus der wachsenden Wirtschaft und derdamit steigenden Verschuldung. Wenn das zu Ende geht, wird die Finanzbranche in der nächsten Hausse nicht mehr der führende Sektor sein.

Euro am Sonntag: Angenommen, Sie müssten heute Aktien kaufen. Welche wären das?

Faber: Die großen Blue Chips. Und zwar pharmazeutische Werte oder Einzelhändler wie Wal-Mart, die an einfache Leute verkaufen.

Euro am Sonntag: Und welche Rohstoffe sind jetzt interessant?

Faber: In diesem Jahr wahrscheinlich Zucker und Baumwolle. Der Zucker- und Baumwollpreis könnte schon um 50 beziehungsweise 30 Prozent steigen. Beim Zucker steigt die Nachfrage, während die Anbaufläche zugunsten von Soja schrumpfen könnte. Bei Baumwolle gibt es Nachholbedarf: Sie ist der einzige Rohstoff, der in den vergangenen Jahren kaum teurer geworden ist.

Euro am Sonntag: Ist Öl noch ein Kauf?

Faber: Kurzfristig kann Öl auf 70 Dollar je Fass fallen. Langfristig wird die Nachfrage aus China und Indien allerdings steigen. Asien hat derzeit 3,6 Milliarden Einwohner und verbraucht genauso viel Öl wie die USA mit 300 Millionen. Es ist klar, dass sich die Ölnachfrage dort in den nächsten 15 Jahren verdoppeln wird. Deshalb glaube ich, dass der Preis eher steigen wird.

Euro am Sonntag: Was empfeh-len Sie momentan denn Privatanlegern?

Faber: Rohstoffe und Gold habe ich seit 2001 empfohlen. Aber wer eine 20-prozentige Korrektur nicht verkraften kann - ob nun bei Aktien, Zucker oder Gold -, der sollte besser zu Hause bleiben und nichts machen. Der Durchschnittsanleger ist mit Immobilien ohne große Verschuldung wahrscheinlich am besten dran.

Euro am Sonntag: Und was ist mit Staatsanleihen?

Faber: Alle Regierungen der Welt werden Geld drucken. Was ist also die schlechteste Anlage auf der ganzen Welt? Eine 30-jährige amerikanische Staatsanleihe mit 4,5 Prozent Rendite - wegen der steigenden Inflation.

Euro am Sonntag: Ist der Dollar derzeit fair bewertet?

Faber: Langfristig wird der Wert des amerikanischen Dollar null sein.

Euro am Sonntag: Warum?

Faber: Es ist ein völliges Pleiteland. Total überschuldet! Wo ist dort das Vermögen?

Euro am Sonntag: Es gibt dort unzählige Weltmarktführer wie Microsoft und Google.

Faber: Natürlich gibt es ein paar Unternehmen, die Geld verdienen. Aber wenn man die zukünftigen Verpflichtungen der Regierung in Bezug auf die Sozialversicherung und Gesundheitskosten und so weiter berechnet, dann ist das Land pleite. Selbst ohne diese zukünftigen Verpflichtungen beträgt die Verschuldung des Landes bereits 250 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Euro am Sonntag: Sehen Sie in China eine Blase entstehen?

Faber: Ja, sogar schon bald. Wegen der hohen Börsenbewertungen könnten wir dort schon in den nächsten drei bis sechs Monaten einen ziemlich großen Rückschlag erleben.

Euro am Sonntag: Gibt es in Asien ein Land als Alternative?

Faber: Kambodscha. Der Aktienmarkt hat sich dort noch nicht entwickelt. Die Wirtschaft wächst seit fünf Jahren um jährlich etwa acht Prozent. Da sind gute Möglichkeiten vorhanden. Kambodscha wird wohl das letzte asiatische Investorenparadies werden.

Marc Faber- Doctor Doom


Er gilt als pessimistischer Börsenguru. Aber oftmals lag er mit seinen Crashszenarien richtig: So hatte Marc Faber die Technologieblase, die Asien-Krise und die Japan-Baisse vorhergesehen. "Doctor Doom" (Doktor Unheil) studierte Wirtschaftswissenschaften und promovierte 1974 an der Uni Zürich. Anschließend arbeitete er als Investmentbanker in Zürich und New York. Im Jahr 1973 zog er nach Hongkong und gründete dort seine eigene Vermögensverwaltung. Einmal pro Monat erscheint Fabers Börsenbrief "Gloom Boom & Doom Report".
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Oskar

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