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16.09.2007 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 37/07

Erben der Goldgräber

Die Kirkland-Lake-Goldmine galt eigentlich als ausgebeutet. Bis sie ein Ex-Banker und ein Milliardär kauften.
Tim Schäfer

Sir Harry Oakes zählte in den 20er- und 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts zu den reichsten Männern der Welt. Seine im nordöstlichen Ontario nahe der 10000-Einwohner-Stadt Kirkland gelegene Mine war die reichhaltigste und produktivste in der westlichen Hemisphäre.

Weil dem Abenteurer die steigende Steuerlast in Kanada ein Dorn im Auge war, zog er 1935 mitsamt Gattin auf die Bahamas. In dem Steuerparadies ließ er Villen, eine Golfanlage und ein Hotel errichten. Er gründete eine Fluglinie, baute einen Flughafen. Die Inselgruppe boomte dank seiner Investitionen. Zudem spendete Oakes Millionensummen für wohltätige Zwecke. König George VI. adelte ihn wegen seiner Großzügigkeit.

Am 8. Juli 1943 kam dann das schreckliche Ende: In seinem Haus in Nassau wurde er ermordet. Blutüberströmt lag der Leichnam im Bett. Um Spuren zu verwischen, hatte der Täter den Toten mit Benzin übergossen und angezündet. Unter Verdacht stand sein Schwiegersohn, mit dem Oakes zerstritten war. Trotz umfangreicher Ermittlungen wurde der Mörder aber nie gefasst. In zahllosen Büchern und Filmen sind Oakes Leben und sein mysteriöses Ende thematisiert worden.

Aus der Kirkland-Lake-Mine holten Oakes und seine Erben in der Zeit zwischen 1918 und den 60er-Jahren alles in allem 22 Millionen Unzen Gold heraus. Die Lagerstätte geriet anschließend in Vergessenheit. Der Goldpreis befand sich ohnehin auch auf einem zyklischen Tiefpunkt. Da machte der Abbau betriebswirtschaftlich kaum noch Sinn. Schließlich wurden die Pumpen aus den Schächten entfernt und die Mine mit Wasser aus den umliegenden Seen geflutet.

Die vermeintlich erschöpfte Mine schnappten sich im Dezember 2001 der Ex-Goldman-Sachs-Manager Brian Hinchcliffe und sein Freund Harry Dobson, ein Milliardär aus Monaco. Da notierte der Goldpreis tief im Keller bei 274 US-Dollar je Unze. Hinchcliffe und Dobson zahlten für Kirkland Lake ganze fünf Millionen kanadische Dollar mitsamt Infrastruktur.

Niemand hatte sich für das Gelände interessiert, es gab keinen anderen Bieter. Aus heutiger Sicht war der Deal ein Wahnsinnsschnäppchen. Gold notiert mittlerweile bei über 700 US-Dollar. Und die Mine kommt so auf einen Börsenwert von rund 600 Millionen Dollar.

Vorbesitzer Kinross Mining hatte 1997 noch 75 Millionen kanadische Dollar bezahlt und weitere 35 Millionen in die Infrastruktur und Exploration investiert. Keiner hatte auf dem Tiefpunkt des Goldpreises an die Mine geglaubt. Kinross erwog seinerzeit sogar, die Schächte als Müllhalde zu nutzen.

Die beiden cleveren Geschäftsleute Hinchcliffe und Dobson investieren konsequent antizyklisch. Der schottische Milliardär Dobson züchtet Rennpferde in Irland, lebt in Monaco und war Großaktionär von Manchester United. In New York präsentiert er ab und zu vor Investoren die Kirkland-Story. Dabei verliert er kein einziges Wort über sein enormes Vermögen. Dobson ist bescheiden, genießt es, in ferne Länder zu reisen und aus dem Koffer zu leben.

Freilich mussten die beiden Manager die Kirkland-Schächte zunächst dreieinhalb Jahre lang entwässern. Die Pumpen, der Strom und das Personal verschlangen rund zwölf Millionen kanadische Dollar. Jetzt ist das Bergbauareal frei von Wasser. Hinchcliffe will bis 2009 fünf Millionen Unzen als Ressourcen ausfindig machen. Nachweisbar sind derzeit mehr als drei Millionen Unzen.

Auf Sicht der nächsten 50 bis 60 Jahre glauben die beiden Unternehmer fest daran, dass abermals 22 Millionen Unzen aus dem Gelände geholt werden können. Sie sind der Überzeugung, dass sich die Erfolgsgeschichte des Vorbesitzers Oakes wiederholen lässt. Freilich ist ihr Atem nicht so lang. Mit neuen Bohrungen und Studien bereiten sie die Kirkland-Mine derzeit intensiv zum Verkauf vor.

Sie hoffen, dass ein großer ressourcenhungriger Player wie Goldcorp zuschlägt. Als Übernahmepreis stellen sich Dobson und Hinchcliffe mindestens 20 kanadische Dollar je Kirkland-Aktie vor. Derzeit notiert der Titel bei rund zwölf Dollar beziehungsweise acht Euro.

Gegenüber â€uro am Sonntag gibt sich Hinchcliffe ausgesprochen optimistisch, was den Verkaufsprozess angeht. Entspannt betont er, die hungrigen Bergbaugiganten achteten neuerdings bei Akquisitionen zunehmend auf politische Stabilität. Das sei keineswegs immer so gewesen. Daher seien jetzt Objekte in minenfreundlichen Ländern wie Kanada gefragter denn je. Dagegen würden Bergbauunternehmen beispielsweise in Kasachstan wie Sauerbier angeboten.

Gut möglich, dass die beiden Investoren ihren Deal viel schneller als gedacht in trockene Tücher bringen. Die Aktie jedenfalls hat sich prächtig entwickelt. Seit Anfang 2006 verdreifachte sich der Kurs. Am Kirkland-Lake-Aktienkapital ist die Führungsmannschaft mit 27 Prozent beteiligt. Vorstandslenker Hinchcliffe und Aufsichtsratschef Dobson halten jeweils rund zehn Prozent der Anteile.

Selbst wenn Kirkland Lake nicht in das Visier eines Konkurrenten geraten sollte, sind die Perspektiven nicht schlecht: Trotz umfangreicher Investitionen in Bohrungen erwartet Hinchcliffe dieses Jahr den Turnaround. Derzeit baut Kirkland Lake gerade so viel Gold ab, dass sich die Mine trägt.

Pro Tonne Gestein lag die Ausbeute in der Vergangenheit bei 15 Gramm. Das ist ein glänzender Wert. Weltweit rangiert der durchschnittliche Grad bei allenfalls acht bis zehn Gramm je Tonne. Hinchcliffe stellt sogar 20 bis 22 Gramm in Aussicht, in Kürze soll es neue Bohrungsergebnisse beziehungsweise Studien geben. In einem völlig neuen Areal, das bisher noch nicht erkundet wurde, entdeckten die Geologen kürzlich 32 Gramm und mehr. Das sind weltweit erstklassige Resultate.

Hinchcliffe und Dobson machen seit vielen Jahren gemeinsam Geschäfte. Die Freunde bevorzugen Sanierungsfälle. Ein ähnlicher Coup, wie sie ihn jetzt mit Kirkland Lake planen, gelang ihnen 1987, als sich der Zinkmarkt auf einem zyklischen Tiefpunkt befand. Da rissen sich die beiden die Zinkmine El Mochito in Honduras unter den Nagel. Für ganze zwölf Millionen kanadische Dollar erwarben sie die Schürfrechte von dem amerikanischen Bergbauriesen Amex. Der Betrieb galt als ausgebeutet und "tired asset" ("müdes Vermögensgut").

Als jedoch der Zinkpreis wieder zulegte, warf die Mine in drei Jahren 50 Millionen kanadische Dollar Gewinn ab. Für 120 Millionen kanadische Dollar verkauften die beiden schließlich das sanierte Unternehmen. Bis heute arbeitet El Mochito profitabel und weist noch eine Lebensdauer von 15 Jahren auf.

Goldzertifikat - Einfach, aber gut


Der Goldpreis hat zuletzt einen ordentlichen Anstieg hingelegt. Seit Anfang August nahm der Preis für die Feinunze um gut zehn Prozent auf knapp 714 Dollar zu. Zur Begründung verweisen Experten auf die hohe Nachfrage aus Indien, den arabischen Staaten und Nordamerika. Anders als in den vergangenen Jahren, als spekulative Käufer den Preis getrieben hatten, greifen diesmal eher langfristig orientierte Investoren zu. Dies zeige die deutlich steigende Nachfrage nach Barren und Münzen, so Wolfgang Wrzesniok-Roßbach vom Edelmetallspezialisten Heraeus.
Hintergrund für den Höhenflug des Goldpreises sei die jüngste Finanzkrise. "Viele der neuen Investments dürften den Charakter einer Flucht in vermeintlich sichere Anlageformen haben", so Wrzesniok-Roßbach. Dazu kämen Schmuckkäufer. Zwar sei nach dem jüngsten Preisanstieg kurzfristig eine Konsolidierung "nicht auszuschließen". Mittelfristig dürfte der Goldpreis seinen Höhenflug jedoch fortsetzen und Kurs in Richtung des Vorjahreshochs von 730 Dollar nehmen. (utz)
Die Aktie von Kirkland Lake ist einen Blick wert. Das liegt am möglichen Unternehmenswert. Denn sollten, wie erhofft, tatsächlich fünf Millionen Unzen Gold in der Mine schlummern, wäre bei einem unterstellten Übernahmepreis von 300 kanadischen Dollar je Unze ein Unternehmenswert von 1,5 Milliarden kanadischen Dollar drin. Das entspräche mehr als dem Doppelten der aktuellen Marktkapitalisierung. Zuletzt geriet der Titel zwar im Zusammenhang mit der weltweiten Korrekturphase unter Druck. Der langfristige Aufwärtstrend ist aber voll intakt. Spekulativ, nur mit Limit kaufen. (tim)
Tendenz: steigend
@ www.finanzen.net/aktien/kirkland_lake
Newmont Mining hat schwere Zeiten hinter sich. Weil der Konzern gegen den Goldpreis gewettet und sich dabei ordentlich verspekuliert hatte, geriet der Wert unter Druck. Inzwischen gilt der zweitgrößte Goldminenbetreiber der Welt als Übernahmekandidat. Vor allem Barrick Gold, weltweit die Nummer 1, wird Interesse nachgesagt. Zwar hat Barrick dies dementiert, aber die Spekulation hält sich hartnäckig. Der Zeitpunkt für ein Angebot wäre günstig: Der Goldpreis steigt. Auch charttechnisch sieht die Aktie wieder interessant aus. Nach unten hat der Wert einen soliden Boden ausgebildet und den seit Anfang 2005 bestehenden Abwärtstrend nach oben durchbrochen. Ebenfalls spekulativ! (dg)
Tendenz: steigend
@ www.finanzen.net/aktien/newmont_mining
Die einfachste Möglichkeit, auf die Entwicklung des Goldpreises zu setzen, bieten Indexzertifikate. Diese decken die Preisentwicklung 1:1 ab. Anleger sollten auf währungsgesicherte Papiere setzen, um Währungsverluste auszuschließen (ISIN: DE000GS72X24). (jos)

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