24.09.2006 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 39/06

Richtig sparen beim Fonds-Kauf

Wer heute noch den vollen Ausgabeaufschlag für einen Fonds zahlt, ist selbst schuld. Börsenhandel, Online-Broker und Vermittler helfen, die Kosten drastisch zu senken. Doch jeder Anleger muss sehen, welcher Anbieter sich für ihn tatsächlich rechnet
Martin Blümel, Peter Gewalt, Petra Maier

Die Hansestadt Hamburg gilt im Allgemeinen nicht gerade als günstiges Pflaster. Bei Fondsanlegern dagegen ist die Elbmetropole längst zu einem Eldorado für Schnäppchenjäger aufgestiegen. In den ersten acht Monaten dieses Jahres handelten deutsche Anleger an der in Hamburg beheimateten Fondsbörse Deutschland mit Fonds im Wert von über drei Milliarden Euro, mehr als viermal so viel wie im Vorjahr. Damit wird beinahe jeder zweite börsengehandelte Fonds bei Deutschlands Marktführer ge- oder verkauft. Das Erfolgsrezept ist dabei so einfach wie verlockend. Wer seine Fonds über die Börse Hamburg als Trägerin der Fondsbörse Deutschland ordert, spart sich den sonst üblichen Ausgabe-Aufschlag von bis zu sechs Prozent der Anlagesumme. „Der Ausgabe-Aufschlag geht normalerweise in die Tasche der Fondsvermittler,“ erklärt Thomas Ledermann, Chef der Deutschen Fondsbörse. „Bei uns fällt das Agio bei 2700 angebotenen Fonds vollständig weg.“ Die Anleger freut es. Denn was nach wenig klingt, bringt viel Geld. So wirft ein Fondssparplan mit 150 Euro Einzahlung im Monat und einer angenommenen Verzinsung von zehn Prozent ohne Agio nach 30 Jahren über 10000 Euro mehr ab als mit Ausgabe-Aufschlag (siehe Grafik rechts). Doch auch bei kurzfristigeren Investments lohnen sich die Rabatte. Bei einer Einmalanlage sinkt die Rendite bei vollem Ausgabe-Aufschlag gegenüber der Billigversion in fünf Jahren um 1,1 Prozent Was die wenigsten Anleger wissen: Sie sind meist nur einen Klick vom Schnäppchen entfernt. Wie Aktien auch, sind Fonds ganz einfach über Online-Broker wie CortalConsors oder Comdirect zu kaufen. Die Broker-Kunden haben dabei die Wahl zwischen der Order über eine Fondsbörse oder die Fondsgesellschaft. Hausbanken dagegen verschweigen gern den günstigen Orderweg oder verlangen Extra-Aufschläge. Neben den Hamburgern profitieren auch die anderen vier deutschen Fondsbörsenplätze Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und München vom Trend hin zu kostengünstigen Orders. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Anbietern halten sich dank des immer stärker werdenden Wettbewerbs sowohl bei der Zahl der angebotenen Fonds als auch den Kostenstrukturen in Grenzen. Ganz umsonst ist der Handel über die Börse selbstverständlich nicht. Neben Ordergebühren werden geringe Börsen- und Maklerspesen fällig (siehe unten). Da an der Börse zudem mit einer Spanne (Spread) zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis gehandelt wird, entstehen zusätzliche Kosten. Die Spread-Obergrenze liegt je nach Börsenplatz zwischen 1,5 Prozent (Hamburg, München) und zwei Prozent. Populäre Produkte wie etwa der DWS Vermögensbildungsfonds I von Fondsmanager Klaus Kaldemorgen sind aber viel günstiger zu haben (siehe Seite 17). „Je stärker der Fonds gehandelt wird, umso geringer ist der Spread“, sagt Ledermann. Insgesamt fallen bei einem Ordervolumen von 2000 Euro an den Fondsbörsen etwa 30 Euro oder 1,5 Prozent der Anlagesumme an Kosten an. Den Verkauf der Fonds sollten Anleger über die jeweilige Fondsgesellschaft abwickeln, da auf diesem Weg in der Regel die Transaktionsgebühren entfallen. Neben dem Preis gibt es weitere Vorteile, die den Börsenhandel vor allem für informierte und aktive Privatanleger sehr interessant machen. Fondsanteile können werktags zwischen neun und 20 Uhr gehandelt werden. Und wie beim Aktienkauf kann mit Limit, Stop-Buy- und Stop-Loss-Orders gearbeitet werden. Weiteres Plus: Raritäten wie der FPM Stockpicker oder Griffin European Opportunities, die für neue Investoren längst geschlossen sind, werden an den Börsen weiter rege gehandelt. Wer es noch günstiger mag, der sollte einen Blick auf Discounter wie die AAV Fondsvermittlung, Fondsdiscount.de oder die Fondsvermittlung24.de werfen. Die Preisbrecher aus dem Internet verzichten bei Sparraten ab 50 Euro vierteljährlich oder einer Einmalanlage von 500 Euro auf den Ausgabe-Aufschlag – und das bei bis zu 7000 Produkten. Dies gilt ebenfalls für VL-Fonds, in die vermögenswirksame Leistungen der Arbeitgeber fließen. Möglich gemacht haben diese günstigen Preise die Fondsplattformen, die die Schnittstelle zwischen dem Fondsdiscounter als Vermittler und den Fondsgesellschaften bilden. „Nur einige Produkte von in Deutschland nicht so populären Gesellschaften, wie zum Beispiel der britischen Aberdeen Asset Management, sind bei uns nicht erhältlich“, erklärt Peter Weber, Geschäftsführer und Gründer von AAV Fondsvermittlung. Angst um ihr Geld müssen Anleger bei den Fonds-Aldis nicht haben. Rechtlich gesehen sind Discounter so sicher wie eine Bank. Die Vermittler selbst nehmen keine Kundengelder entgegen. Einzahlungen der Sparer erfolgen immer direkt auf die Einzahlstelle der Fondsgesellschaften. Einen direkten Zugriff auf das Kapital gibt es nicht. Das heißt, das Fondsvermögen der Kunden ist vom Firmenvermögen getrennt. Im Fall einer Insolvenz ist so das eingesetzte Kapital geschützt. Die Konditionen der Fondsvermittler sind unterschiedlich und ändern sich häufig. Und auch die anfallenden Depotgebühren müssen in die Berechnung einbezogen werden. Derzeit verlangen die Fondsdiscounter bis zu 50 Euro im Jahr. Gerade bei kleineren Anlagebeträgen droht hier eine Kostenfalle. Größter Nachteil: Im Gegensatz zu den Direktbanken können Aktien, Anleihen und Zertifikate nicht mit ins Depot genommen werden. Klar ist zudem: Die günstigen Konditionen haben ihren Preis. „Bei uns gibt es keine Anlageberatung“, erklärt Weber. Anleger müssen wie bei den Fondsbörsen daher meist auf wichtige Informationen verzichten. Kein einfaches Unterfangen, wenn wie bei der AAV Fondsvermittlung über 4000 verschiedene Fonds zur Auswahl stehen. Denn dicke Rabatte versprechen nicht automatisch hohe Gewinne. Wer etwa aus Unwissenheit ein schlechtes Produkt ausgewählt hat, der hat am Ende wenig Freude an einem reduzierten Ausgabe-Aufschlag. Wer mehr Informationen braucht, ist bei einigen Direktbanken daher besser aufgehoben. So bietet etwa die DAB-Bank eine Telefon-Hotline für die Suche nach dem richtigen Fondsprodukt an. Die Commerzbank-Tochter Comdirect informiert ihre Investoren in eigenen Filialen über die richtige Strategie und passende Produkte. So unterschiedlich die Wege bei der Beratung sind, Preisnachlässe auf den Ausgabe-Aufschlag bieten alle. Schließlich waren es die Online-Broker, die die Preispolitik der etablierten Banken als erste attackierten. Meist offerieren die Discount-Broker den Kunden Rabatte von 30 bis 50 Prozent, die Depotgebühren liegen oft bei null. Bei zahlreichen Sonderaktionen ist allerdings zum Teil noch viel mehr herauszuholen. Während CortalConsors derzeit mit einem Garantiezins auf Fondssparpläne punkten will, lockt die ING-Diba bei ausgewählten Fonds sogar mit bis zu 100 Prozent Nachlass auf das Agio. Die DAB Bank wiederum geht mit eine Art Tiefstpreisgarantie auf Kundenfang. „Bei der DAB Bank sind die 30 beliebtesten Fonds in Deutschland zum garantiert niedrigsten Preis erhältlich“, erklärt Vorstand Jens Hagemann. Soll heißen: Wer den gewählten Fonds woanders günstiger entdeckt, der erhält denselben Preis eingeräumt. Für wen sich nun Broker, Börse oder Discounter letztlich rechnet, hängt daher ganz entscheidend von den Bedürfnissen des einzelnen Investors ab. Klar ist aber, dass kein Anleger sich mehr wie früher mit einem vollen Ausgabe-Aufschlag abfinden muss. Selbst bei der Hausbank kann ein Rabatt drin sein, meint Rüdiger Sälzle, Geschäftsführer des Fondsanalysehauses Fondsconsult. Anleger sollten ihrem Bankberater einfach die Rabatte der Fondsdiscounter vorlegen und einen Preisnachlass fordern, sagt er. „Das funktioniert erstaunlich gut.“
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