07.07.2010 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 27/10

Gute Kunden im Rücken

Ob es um Yoga, Angeln, Schiessen oder Cowboy-Bedarf geht: In den USA gibt es viele Handelsketten, die in der Nische extrem erfolgreich sind
Tim Schäfer, New York

Der Sommeranfang ist weltweit ein gefeiertes Ereignis. Doch so schillernd wie in New York ist es wohl eher selten. Am Times Square, wo sonst das neue Jahr eingeläutet wird, versammelten sich unlängst Tausende mit ihren bunten Yogamatten, um den Sommeranfang zu zelebrieren. Wellness mit esoterischem Touch ist in den USA gefragt wie nie zuvor. In Manhattan gibt es an nahezu jeder Ecke Yogaschulen. Auf der Reade Street unweit des Broadway etwa wirbt ein großes hellblaues Schild auf dem Gehweg für Yoga- und Pilateskurse. Hier bekämpfen die New Yorker den Großstadtstress mit Dehn- und Entspannungsübungen. Den Preis für den Unterricht kann jeder selbst bestimmen. Das spendenbasierte Studio empfiehlt, zehn Dollar pro Sitzung und zwei Dollar als Leihgebühr für die Matte zu bezahlen.

Von dem Yogaboom profitiert die börsennotierte Yogazubehör-Kette Lululemon. Das Unternehmen wurde 1998 von dem begeisterten Surfer und Snowboarder Chip Wilson gegründet. Zwei Jahre später eröffnete er den ersten Laden in Vancouver. Mittlerweile ist die Kette auf 124 Filialen - auch in Australien und Hongkong - angewachsen.

Mittelfristig strebt Wilson 300 Niederlassungen an. Neben Yogamatten, die um die 100 Dollar kosten und satte Margen abwerfen, bietet der Händler T-Shirts, Sporthosen, Jacken, Socken und Unterwäsche an.

Inzwischen liegt der Wert des an der Nasdaq notierten Unternehmens bei fast drei Milliarden Dollar. Der typische Lululemon-Kunde ist zwischen 38 und 42 Jahre alt und weiblich. Wilson will künftig verstärkt jüngere Frauen ansprechen. Mit einem durchschnittlichen Einkommen von mehr als 85000 Dollar zählen seine Käuferinnen zur wohlhabenden Oberschicht.

Für modische Sportbekleidung geben Amerikaner 42 Milliarden Dollar jährlich aus. Inklusive der passenden Mode summiert sich das Marktvolumen auf 58 Milliarden Dollar. Seit 2004 wächst das Segment um vier Prozent pro Jahr.

Neben Yoga läuft das Geschäft mit der Jagd auf Hochtouren. Jährlich erwerben Amerikaner etwa 14,5 Millionen Jagdlizenzen. Einer Statistik der Nationalen Sportschützengesellschaft NSSF zufolge stieg die Zahl der Lizenzen im Rezessionsjahr 2009 um 3,5 Prozent. Das war der stärkste Anstieg seit über 20 Jahren.

"Die Suche nach den Gründen für diesen Zuspruch basiert auf Annahmen. Aber Untersuchungen aus der Vergangenheit zeigen, dass während Abschwungsphasen die Leute mehr Zeit für die Jagd haben", resümiert NSSF-Direktor Jim Curcuruto. "Jäger packen dann die Gelegenheit beim Schopf, ihren Eisschrank aufzufüllen. Das Fleisch kostet ja weitaus weniger als im Supermarkt." Im typischen Truthahnjagdmonat April schnellten die Jagdlizenzen 2009 gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent nach oben.

Die einschlägigen Verbände sorgen selbst tüchtig für Nachwuchs: Vor sechs Jahren gründeten Jagdfans die Interessenvertretung Families Afield. Die Vereinigung möchte Heranwachsende zum Jagen ermuntern. So, wie Kinder und Jugendliche heute am Computer spielen oder einem Sportverein beitreten, sollen sie auch die Jagd ausüben können, proklamieren die Lobbyisten - mit Erfolg. 29 Bundesstaaten haben bereits die Barrieren für Jungjäger gesenkt. Seit 2005 vergaben 24 Staaten mehr als 388000 Lizenzen an Kinder und Jugendliche.

Außerdem brummt das Geschäft mit dem Angelsport. 4,7 Prozent mehr Lizenzen vergaben die zwölf Bundesstaaten, die der Boots- und Fischverband RBFF abdeckt. Hochgerechnet auf die USA ist dieser Zuwachs der größte seit mehr als 30 Jahren. Selbst bekannte US-Investoren entdecken die Natur. Der ehemalige Hedgefondsmanager David Gelbaum spendete 250 Millionen Dollar an den Wildlands Conservancy Trust, der 1200 Quadratmeilen Wildnis in Kalifornien sowie ein riesiges Areal der Mojave-Wüste schützt. Seit den 70er-Jahren spendete der Milliardär mehrere Hundert Millionen Dollar für verschiedene Projekte. "Ich war am Naturschutz so interessiert, weil meine schönsten Kindheitserinnerungen mit Camping und Wandern verbunden sind", verriet der medienscheue Ökoanhänger kürzlich der "New York Times".

Kein Wunder, dass sich Cabela's, der weltgrößte Direktvermarkter von Zubehör für Jäger, Angler und Camper, eine goldene Nase verdient. 41 Prozent des Umsatzes macht der Outdoorspezialist mit Artikeln für die Jagd, darunter Ferngläser, Schusswaffen, Navigationsgeräte oder Tarnjacken. Die Fischerei spielt 13 Prozent, Camping neun Prozent ein. Pro Jahr gibt ein Kunde im Schnitt 424 Dollar in dem Spezialgeschäft aus. Eine Schlüsselrolle kommt dem Katalog zu. Cabela's versendet jährlich 100 unterschiedliche Kataloge - kein Wettbewerber hat eine größere Auswahl.

Investor-Info


Lululemon
Teurer Yogaprofi
Der Anbieter von Yogakleidung wächst stürmisch. Lululemon kreiert, produziert und vermarktet die Ware in Eigenregie. Im vergangenen Geschäftsjahr 2009/10 (31. Januar) legte der Umsatz von 353 auf 452 Millionen Dollar zu. Mit 12,8 Prozent ist die Nettoumsatzrendite exzellent. Lulu kommt fast ohne Bankkredite aus und hat ordentlich Cash. Allerdings liegt das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei elf. Zudem wird das Papier massiv leerverkauft. Anleger wetten also auf einen Kurssturz. Finger weg.
@ www.finanzen.net/go/AOMXBY
Cabela's
Jagen, Sportfischen, Campen
Der Outdoorhändler steigerte im Vorjahr den Überschuss um zehn Prozent auf über 91 Millionen Dollar. Der Umsatz legte von 2,5 auf 2,6 Milliarden Dollar zu. Seit Jahren verschlankt die Führungsspitze die Bilanz, baut den Lagerbestand konsequent ab. 53 Prozent des Umsatzes im Bereich Jagen, Sportfischen und Campen steuern die 30 großen Filialen bei. 40 Prozent stammen aus dem Internet- und Kataloggeschäft. Die Aktie ist mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,14 sehr günstig. Kaufen.
@ www.finanzen.net/go/AOB&JQ
Tractor Supply
Alles für die Ranch
Der führende Spezialist für den Hobbyfarmer vermarktet in seinen rund 930 Läden neben Tierfutter, Gartengeräten und Mähmaschinen auch Spezialkleidung. Seit 2000 vervierfachte sich der Umsatz auf zuletzt 3,2 Milliarden Dollar. Das Ergebnis versiebenfachte sich auf 115,5 Millionen Dollar. Der Konzern ist praktisch schuldenfrei und will demnächst rund 70 bis 80 neue Filialen eröffnen. Weiter aussichtsreich.
@ www.finanzen.net/go/889826
Under Armour
Ab ins Ausland
Der Sportmodehersteller in Baltimore, Maryland, konzentriert sich auf junge Käufer. Im Inland macht der Konzern gut eine Milliarde Dollar Umsatz und damit über 96 Prozent des Geschäfts. Nun soll das Auslandsgeschäft gestärkt werden. Im ersten Quartal legten die Erlöse konzernweit um 15 Prozent auf 229 Millionen Dollar zu. Das Ergebnis kletterte um 81 Prozent auf 7,2 Millionen Dollar. Die 1996 gegründete Firma hat Potenzial. Kaufen.
@ www.finanzen.net/go/AOHL4V
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Oskar

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