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28.10.2007 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 43/07

Kentucky Fried China

Die größte Fast-Food-Kette der Welt ist nicht McDonald’s, sondern Yum Brands. Täglich öffnen drei neue Restaurants – eines davon in China
Tim Schäfer

New York, Mittwoch, 14.05 Uhr. Trotz kleiner Regenschauer sind die Gehsteige an der 50. Straße Ecke siebente Avenue überfüllt. Der Broadway, wo die großen Shows Tag und Nacht spielen, zieht immer Touristen an. In der Filiale des Hähnchenbraters Kentucky Fried Chicken warten 15 Gäste in einer Schlange, panierte Geflügelteile auf Augenhöhe vor sich. Im Kellergeschoss sind kleine, schäbige Tische und Stühle aneinandergereiht. Dort sitzt John Freed. Der New Yorker Banker kommt zwei- bis dreimal pro Woche. „Ich genieße das Leben. Ich weiß, dass das Essen nicht gut für mich ist. Aber ich mag es einfach“, erzählt er, während er mit der Hand ein weißes Stück Fleisch aus dem Schenkel bricht. Freed sagt, er wolle in seiner Mittagspause ein schnelles und preisgünstiges Gericht haben. So wie Abermillionen Menschen rund um den Globus. Kentucky Fried Chicken ist Teil des Yum-Konzerns, zu dessen Reich außerdem Pizza Hut, Taco Bell und Long John Silver’s zählen – alles Läden fürs schnelle und billige Essen. Mit einem Börsenwert von 19,3 Milliarden und mehr als 53200 Beschäftigten ist der Gigant aus Louisville, Kentucky, eines der größten Unternehmen Amerikas und die Nummer 1 in Sachen Fast Food. Im vergangenen Geschäftsjahr türmte sich der Gruppenumsatz auf 9,56 Milliarden Dollar. Unterm Strich blieben 824 Millionen Dollar. Angesichts immer neuer Rekordmarken bei Umsatz und Profit ist es kein Wunder, dass der Aktienkurs durch die Decke geht. Seit Mitte 2000, als die Technologieaktien rund um den Globus zusammenbrachen, nahm der Yum-Titel splitbereinigt von sieben auf über 37 Dollar zu. Das sind rund 440 Prozent Plus. Mittlerweile betreibt Yum in 100 Ländern an die 35000 Niederlassungen, die meisten davon sind in der Hand von Franchisenehmern. Jeden Tag kommen drei neue Gaststätten hinzu – eine davon in China. Jeder zweite Dollar bei Yum stammt inzwischen aus dem Ausland. Dabei begann die Erfolgsstory mit einer krassen Fehleinschätzung. Ursprünglich war das Unternehmen eine Abteilung von PepsiCo. 1997 erschien der Konzernführung das Geschäft mit Schnellrestaurants nicht mehr zeitgemäß genug. Es wurde abgespaltet und an die Börse gebracht. Das Ruder bei dem Spin-off übernahm Pepsi-Manager David Novak, der noch heute auf der Kommandobrücke von Yum steht. Die Ausgliederung und das Listing an der Wall Street brachten das Geschäft erst so richtig in Fahrt. Die zuvor als Tricon Global Restaurants firmierende Gruppe bündelte plötzlich all ihre Kräfte. Beispielsweise führte Novak das Marketing aller Marken zusammen, was die Kosten deutlich reduzierte. Ebenso expandierten die Restaurants gemeinsam. So vermied die Konzernführung, dass die einzelnen Betriebe die Mieten an den besten Plätzen einer Stadt gegenseitig hochtrieben, was in den Jahren zuvor immer mal wieder vorkam. Teilweise mietet Yum neuerdings riesige Flächen in Shopping Centern an und bietet alle Marken in einem Geschäft an. Das senkt die Miet- und Peronalkosten. Gleichzeitig haben die Kunden eine größere Auswahl zwischen Hähn­chen, Pizza, Fisch oder Taco. Als Konzernchef Novak am 9. Oktober die Zwischenbilanz präsentierte, geriet er vor Investoren und Analysten regelrecht ins Schwärmen. Er sprach von einem „außergewöhnlichen dritten Quartal“: In der Tat verbesserte sich das operative Ergebnis um 16 Prozent auf 401 Millionen, der Gewinn je Aktie gar um 20 Prozent auf 0,50 Dollar. Die Zuwächse in China und im Rest der Welt lagen über den Erwartungen des Managements. Dagegen schnitt das US-Geschäft leicht unterhalb der Planung ab. Besonders enttäuschte Taco Bell. Zurückzuführen ist dies auf einen Hygieneskandal im Dezember 2006. Mehr als 70 Menschen erkrankten nach dem Besuch einer Taco-Bell-Filiale. Kolibakterien im Salat waren wohl die Ursache. Dutzende Läden wurden zeitweise geschlossen. Der Vorfall wirkt noch heute nach. Im März entdeckte dann ein Kamerateam nachts um halb drei Uhr per Zufall im New Yorker Stadtteil Greenwich Village eine tanzende Rattenschar in einer kombinierten Taco-Bell- und KFC-Filiale. Durch die Jalousien filmten sie, wie die Nager über Stühle, Tische und den Fußboden flitzten. Tagelang geisterte das unappetitliche Thema durch die Medien. Selbst TV-Star David Letterman zog in seiner Late-Night-Show vom Leder: „Bei Taco Bell ist der Aktienkurs eingebrochen – nun mussten sie leider 200 Ratten entlassen.“ Skandale wie diese lösen durchaus Absatzrückgänge aus. Den Erfolgskurs von Yum können sie langfristig aber nicht brechen. Im laufen­den Turnus nimmt Novak Kurs auf mehr als zehn Milliarden Dollar Umsatz. Warum ist er so von Yums weiterem Aufstieg überzeugt? Die in den 50er- und 60er-Jahren in den USA aufgebauten Marken sind erprobt. Sie lassen sich in nahezu jedem Winkel der Welt ansiedeln. Zudem sorgt das Franchisemodell dafür, dass der Kapitalbedarf und das Risiko bei der Expansion überschaubar bleiben. Und schließlich erobern die Amerikaner in Windeseile China. Dort betreiben sie im Gegensatz zum übrigen Ausland das Geschäft unter eigener Regie. Zu Recht: In China erwirtschaftet Yum Brands schon 24 Prozent der gesamten operativen Profite. Im Heimatmarkt verdient man 46, im Rest der Welt 30 Prozent. Banker John Freed ist übrigens von KFC in Beijing hellauf begeistert. „Es sind die saubersten Restaurants, die es in China gibt. Überall sind sie. Dagegen ist es viel schwerer, eine McDonald’s-Filiale zu finden.“ Statt Kartoffeln gibt es in China allerdings Nudeln als Beilage.

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