09.05.2009 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 19/09

Das gute Geschäft mit dem guten Gewissen

Fonds mit dem Fokus Nachhaltigkeit sind gefragt. Doch die Branche hat aufgrund des rasanten Wachstums auch mit Problemen zu kämpfen.
von Peter Gewalt

Deutschland befindet sich im Rausch. Im Nachhaltigkeitsrausch. Die Zahl der Fonds, die nach ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien Investments auswählen, wächst und wächst. Seit 2003 hat sich das Angebot hierzulande mehr als verdoppelt. Und das nachhaltig verwaltete Vermögen hat sich im selben Zeitraum gegen den allgemeinen Trend im Fondsgeschäft auf 21 Milliarden Euro vervierfacht.

Läuft alles gut im Geschäft mit dem guten Gewissen? Nein, denn der Boom hat seine Schattenseiten. Die wachsende Zahl an unterschiedlichen Produkten und Anlagekriterien überfordert die Kundschaft zunehmend, wie aktuelle Studien belegen. Mangelnde Übersichtlichkeit ist aber nur ein Problem, mit der die Wachstumsbranche zu kämpfen hat. So rutschten viele Nachhaltigkeits-fonds in den vergangenen zwölf Monaten in den Ranglisten nach unten. Ein Grund: Viele Nachhaltigkeits–portfolios waren stärker im Finanzsektor investiert als konventionelle Produkte.

Besonders schwer hat es aber Fonds getroffen, die in erneuerbare Energien und Umwelttechnik engagiert waren. Kein Wunder: Aktien von kleinen Windkraft- und Biokraftstoffherstellern sind weitaus schwankungsanfälliger als etwa Bluechips. So kommt der Vontobel NewPower­Tech als einer der besten Fonds mit Schwerpunkt Umwelttechnik in den vergangenen fünf Jahren auf eine Gesamtrendite von rund 26 Prozent. Im selben Zeitraum fuhr der Invesco ­Energy, voll mit Aktien klimaschä­digender Ölproduzenten, einen Gewinn von rund 75 Prozent ein.

Die enttäuschenden Ergebnisse haben die Diskussion um die Konkurrenzfähigkeit von Social Responsible Investing (SRI) aufs Neue belebt. Denn schon seitdem die ersten nachhaltigen Produkte auf dem Markt gekommen sind, steht eine Frage immer wieder im Mittelpunkt: Bringt oder kostet nachhaltiges Anlegen Rendite?
Die Befürworter argumentieren, dass sich die Strategie, verantwortungsbewusst zu handeln, für Unternehmen langfristig auch finanziell auszahlt. So können durch ökologisch nachhaltiges Wirtschaften die Produktionskosten gesenkt und die Gewinne gesteigert werden. Umgekehrt werden Firmen, die sich nicht um soziale oder ethische Standards kümmern, über kurz oder lang von der Börse abgestraft.

Dennoch: Eine abschließende Antwort über die Renditevorteile oder -nachteile von SRI gibt es bis heute nicht. Studien von verschiedenen Auftraggebern kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen – abhängig von Region, Beobachtungszeitraum und Nachhaltigkeitsan-satz. „Auch institutionelle Investoren sind unentschieden, was die öko­nomi­schen Vorteile des nachhaltigen Investierens betrifft“, erklärt SRI-Experte Joachim Böttcher von der ­dänischen Fondsgesellschaft Bank­invest.

Aufgrund der Flut neuer nachhaltiger Produkte stellen sich viele Anleger zudem die Frage, wie sich der Begriff nachhaltige Investments eingrenzen lässt. Auf den ersten Blick ganz einfach: Traditionelle Fonds investieren anhand finanzieller Kriterien. Die Manager nachhaltiger Fonds lassen darüber hinaus auch ökologische und soziale Aspekte in ihre Entscheidung mit einfließen.
Die Realität ist allerdings weitaus komplexer: Die Welt der nachhaltigen Investments lässt sich grob in vier Bereiche einteilen: die Umwelttechnologie- beziehungsweise Klimawandelfonds sowie klassische Nachhaltigkeitsfonds, die auch als Ethikfonds bekannt sind. Zum Dritten gibt es Fonds, die den Best-in-class-Ansatz verfolgen. Hier werden keine Branchen wie etwa die Öl­industrie von vornherein ausgeschlossen, sondern jeweils die besten Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit innerhalb einer Branche aus­gewählt. Zusätzlich gibt es die Dach- beziehungsweise Superfonds, die eine komplette nachhaltige Vermögensverwaltung in einem Produkt bieten.

Online Brokerage über finanzen.net

finanzen.net Brokerage
Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade aus der Informationswelt von finanzen.net!

Oskar

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln