04.11.2007 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 44/07

Volkswirte bleiben skeptisch

Deutschlands Ökonomen sehen die Wirtschaftsentwicklung mit großer Vorsicht, aber die Erwartung stabilisiert sich auf niedrigem Niveau.
Thomas Schmidtutz

Die Konjunktureinschätzung führender deutscher Ökonomen hat sich im Oktober auf niedrigem Niveau stabilisiert. Das geht aus dem neuen Ökonomen-Barometer von Euro am Sonntag und dem Nachrichtensender n-tv hervor. Danach ist der Wert für die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage auf 64,88 Punkte gefallen. Das ist der niedrigste Wert seit dem Start des Ökonomen-Barometers vor gut einem Jahr. Allerdings fällt der Rückgang gegenüber dem Vormonat mit 1,4 Punkten relativ moderat aus.

Auch die Einschätzung der Konjunkturaussichten ist mit 58,98 Punkten auf einem neuen Tiefstand angelangt. Mit einem Minus von 0,4 Punkten gegenüber dem Vormonat ist die Erwartungskomponente des Ökonomen-Barometers jedoch nahezu unverändert geblieben.

Einer der Hauptgründe für die anhaltende Skepsis der Wirtschaftswissenschaftler dürfte die Gefahr eines Konjunkturrückschlags in den USA sein. Dort droht ein Übergreifen der Immobilienkrise auch auf andere Sektoren. Dazu kommt der Aufwärtstrend an den Devisen- und Rohstoffmärkten. Erst am Donnerstag hatte der Euro gegenüber dem Dollar ein neues Allzeithoch markiert. Auch der Ölpreis notiert inzwischen auf Rekordniveau.

Ungeachtet steigender Energie- und Lebensmittelpreise, sehen die Volkswirte derzeit jedoch keine allzu großen gesamtwirtschaftlichen Inflationsrisiken. Im Schnitt gehen die Ökonomen sowohl für das laufende Jahr als auch für 2008 von einer Teuerungsrate von 2,5 Prozent aus. Damit stehen die Experten in deutlichem Gegensatz zur Einschätzung der Bundesbank. Deren Chef Axel Weber hatte zuletzt in einer viel beachteten Aussage davor gewarnt, die Teuerungsrate könne bis Jahresende auf drei Prozent steigen. Die Europäische Zentralbank strebt eine Inflationsrate von 2,0 Prozent an.

Auf harsche Kritik stießen unter den Wirtschaftswissenschaftlern Pläne der SPD und von Teilen der CDU, älteren Erwerbslosen länger Arbeitslosengeld (ALG) I zu zahlen. Immerhin 82,5 Prozent der Befragten halten den Vorstoß für beschäftigungsdämpfend. "Das wäre eine Rolle rückwärts", meint etwa Professor Thomas Straubhaar vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI). Auch sein Kollege Hermann Locarek-Junge, Professor für Finanzwirtschaft an der Technischen Universität Dresden, lehnt die Pläne ab: "Das wäre reiner Populismus."

Zur Begründung verweisen die Experten auf die falsche Signalwirkung: Die Pläne würden "das Verharren in der Arbeitslosigkeit prämieren", warnt Professor Wolf Schäfer von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, "der Anreiz, sich um einen Job zu bemühen, entfällt".

Für das Ökonomen-Barometer wurden vom 24. Oktober bis zum 1. November über 300 Volkswirte in Banken, Forschungsinstituten, Universitäten und Wirtschaftsverbänden befragt. Es ist damit der größte Stimmungsindikator in der Branche.

Werbung
finanzen.net zero
finanzen.net zero

Oskar

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln