09.05.2009 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 19/09

In der Welt des Warren

Es ist das Woodstock der Anleger. 35000 pilgerten am vergangenen Wochenende in die amerikanische Provinz, um Warren Buffett zu lauschen. €uro am Sonntag auch.
von Tim Schäfer, Omaha

Er hat Milliarden versenkt und reißt Witzchen. Warren Buffett, 78 agile Jahre alt, und sein 85-jähriger Vize Charles Munger werfen sich die verbalen Bälle zu. Sie sitzen auf der Bühne einer Sporthalle vor einem Publikum, das für jedes Wort dankbar ist. Selbst für Binsenweisheiten: „Wenn Aktien 40 Prozent fallen, dann ist es eine bessere Zeit, zu kaufen, als wenn sie am Höhe­punkt notieren.“
Man nennt es das „Woodstock der Kapitalisten“. Die jährliche Aktionärsversammlung von Buffetts Holding Berkshire Hathaway gilt als wirtschaftliches Topevent in den USA. Trotz Schweinegrippe und Wirtschaftskrise strömten 35 000 Menschen, so viel wie nie zuvor, am vergangenen Wochenende in den tristen Mittleren Westen des Landes, nach Omaha in Nebraska. Im Vorjahr waren 32 000 gekommen.
Für ein paar Tage wenigstens erleben die Hotels, Restaurants, Taxiunternehmen und Buchhandlungen der Stadt mit ihren 430 000 Einwohnern einen Boom. Das Lokalblatt „Omaha World-Herald“ jubelt auf der Wirtschaftsseite: „Berkshire-Aktionäre bescheren uns eine großartige Belebung.“

Das dürfte auch für die Firmen gelten, die zu dem Konglomerat gehören und die in der Stadt ihre Produkte verhökern – mit Rabatt für Aktionäre: Eiscreme von Dairy Queen, Cowboystiefel von Justin, Teppich­böden von Shaw oder silberne Sparschweine vom Juwelier Borsheims. Oder Betten vom Nebraska Furniture Mart. Im Film, der traditionell jede Berkshire-Hauptversammlung eröffnet, spielt Buffett dort einen Verkäufer, der ein Bett namens Nervous Nellie feilbietet – nervöse Nellie. Es hat eine geheime Ablage unter der Matratze, in die man sein Geld oder seine Wertpapiere stecken kann. Buffetts Slogan: „Wachen Sie am Morgen mit exakt dem auf, was Sie am Abend zuvor hatten.“

Keine schlechte Idee. Buffett hat gerade die schlechteste Performance in seinen 44 Jahren an der Firmenspitze hingelegt. Die Aktie seiner Beteiligungsgesellschaft, die mittlerweile über 70 Tochterfirmen kontrolliert, verlor mehr als ein Drittel an Wert, der Überschuss brach um 62 Prozent ein. Die Ratingagentur Moody’s – Buffett ist an ihr beteiligt – reduzierte ihre bislang erstklassige Bonitätseinschätzung für Berkshire Hathaway. Die Fans stört das wenig. „Beachtlich finde ich seine Kontinuität über 40 Jahre. Er folgt nicht dem Rest der Welt, wenn er der Überzeugung ist, dass alle falsch liegen“, schwärmt Jason Slocock, der aus London angereist ist. Er verehrt den Milliardär nicht nur für seine Investmentstrategie, sondern auch für seine Bürgernähe und die Gabe, komplexe Zusammenhänge einfach zu erklären. Slocock sucht Antworten auf die Weltwirtschaftkrise und ihre Folgen. Darum sind die Buffettianer gekommen. Sie wollen wissen, wie es weitergeht. Darauf konzentrieren sich die meisten Fragen in der fünfstündigen Aussprache.

„Über die Jahre hinweg werden die Menschen besser leben können. Wir haben ein System, das hervorragend funktioniert. Unsere Menschen können sich fortentwickeln“, lobt Buffett den amerikanischen Kapitalismus, dem er seinen Reichtum verdankt. Auf der „Forbes“-Liste der Superreichen steht er auf Rang 2. Nur sein Freund Bill Gates ist vermögender. Buffett holte den Microsoft-Gründer vor Jahren in seinen Aufsichtsrat und hat dessen Stiftung den größten Teil seines Vermögens versprochen. Natürlich ist auch Gates in Omaha.

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Oskar

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