21.12.2008 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 51/08

"Wenn du zuschlägst, dann richtig"

Ökonomen uneins über Konjunkturpaket II - Eher Inflations- statt Deflationsgefahr Barometer sinkt ungebremst
Wolfgang Ehrensberger

Die Bundesregierung will Anfang Januar über eine Ausweitung des staatlichen Konjunkturpakets entscheiden. Deutschlands führende Ökonomen sind uneins, wie eine solche Ausweitung aussehen soll und ob sie kurzfristig überhaupt sinnvoll ist. Das geht aus dem Ökonomen-Barometer Dezember von n-tv und Euro am Sonntag hervor. Die Gefahr einer Deflation sehen die Experten derzeit allerdings nicht. Ratlosigkeit herrscht darüber, wie der erlahmte Geldverkehr zwischen den Banken wieder in Gang gesetzt werden kann. Eine zentrale Clearingstelle, die Kredite zwischen den Instituten garantiert, lehnen die Volkswirte mehrheitlich ab.

DIW-Chef Klaus Zimmermann hält wenig von einer Ausweitung des Konjunkturpakets. "Erst einmal sollte das bereits bewilligte Geld für die Konjunktur und den Finanzsektor ausgegeben werden", so Zimmermann. "Wir brauchen auch keine Hilfen, sondern sinnvolle Ausgaben mit Zukunftspotenzial." Friedrich Heinemann vom ZEW Mannheim sieht große Gefahren darin, "dass nun auch viele unsinnige Projekte finanziert werden". Heinemann rät zudem: "Hände weg von höheren Sozialleistungen oder Renten, das kann niemand mehr zurücknehmen." Das bisherige Maßnahmenpaket sei "zu kleinteilig und zu gering dotiert", glaubt Hans-Joachim Haß, Wirtschaftspolitik-Chefexperte des BDI. "Einkommensteuersenkung, geänderte Abschreibungsregeln und höhere Infrastrukturausgaben sind kurzfristig wirksam und stimulieren das Wachstum langfristig."

Sequenzielle Trippelschritte seien die schlechteste Option, glaubt Ansgar Belke von der Uni Duisburg-Essen. "Besser ist ,If you hit it hit it hard' (Wenn du zuschlägst, schlag richtig zu) oder abwarten." Was die Maßnahmen selbst angeht, sprechen sich 31 Prozent der Ökonomen für eine Einkommensteuersenkung aus, für Mehrwertsteuersenkungen 15 Prozent. Infrastrukturausgaben werden begrüßt, auch wenn ein größeres Paket abgelehnt wird, weil sie langfristig und nicht nur im Konjunkturzyklus wirken. Das Paket sollte vor allem kein erneutes Sammelsurium sein (19 Prozent) und Kaufkraftverbesserungen bringen (14 Prozent).

Die jüngst ergangene Warnung der OECD vor einer internationalen Deflation halten die meisten Ökonomen für übertrieben. "Der aktuelle Rückgang der Inflationsraten ist vor allem auf die kräftig gesunkenen Energiepreise zurückzuführen", sagt Volker Hofmann vom Bundesverband Deutscher Banken. Gegen große Deflationsrisiken spräche auch die weltweit expansive Geld- und Fiskalpolitik. Laut Günter Franke von der Uni Konstanz und Oliver Landmann von der Uni Freiburg verhinderten allein schon die aktuellen Lohnerhöhungen ein Abgleiten in die Deflation.

Viele Experten fürchten mittelfristig eher einen Anstieg der Inflation wegen der expansiven Geldpolitik und der enormen Liquidität, die in die Märkte fließt (Alfred Boss, Uni Kiel), aber auch wegen der Konjunkturprogramme (Wolf Schäfer, Bundeswehr-Uni Hamburg).

Zum Jahresende ist das Ökonomen-Barometer noch einmal deutlich zurückgegangen und zwar jeweils um 25 Prozent sowohl bei der Einschätzung der aktuellen Lage als auch bei der Prognose. Das ist der stärkste Rückgang seit dem Start der Erhebung vor zwei Jahren. Die Beurteilung der Lage ging dabei von 32 Punkten im November auf knapp24 Punkte im Dezember zurück, die Prognose reduzierte sich von 20 Punkten auf nunmehr 15 Punkte. Allerdings zeichnen sich insbesondere bei den Erwartungen durchaus stabilisierende Elemente ab. Man könnte darin auch eine Entspannung oder Talsohle sehen. Für das Ökonomen-Barometer wurden vom 9. bis 17. Dezember über 300 Volkswirte in Banken, Universitäten, Forschungsinstituten und führenden Wirtschaftsverbänden befragt.

Die vollständigen Kommentare der Volkswirte finden Sie unter www.euroamsonntag.de

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Oskar

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