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Die Schweiz – Gipfel der Rohstoffe
25.02.2009 12:18:00

Die meisten Drahtzieher im internationalen Handel mit Edelmetallen, Öl oder Kaffee sitzen im Land der Eidgenossen. Und agieren vorzugsweise im Verborgenen.

Die Schweizer sind gern spitze. Sie haben die schönsten Berge Europas, machen die leckerste Schokolade und verlangen notorisch niedrige Steuern. Die kleine Alpenrepublik beherbergt gleich zwei Großbanken, einen der größten Nahrungsmittelkonzerne der Erde und zwei weltweit führende Pharmaunternehmen. Wirklich dominant ist die Schweizer Wirtschaft freilich auf einem Gebiet, wo dies selbst die meisten Eidgenossen kaum vermuten würden: beim internationalen Handel mit Rohstoffen.

Müssen die Autofahrer hierzulande mehr für Benzin und Diesel zahlen, haben Trader in Genf die Finger im Spiel – die drei größten Player im globalen Ölhandel sind alle in der Schweiz aktiv. An Computern in Winterthur wird mit entschieden, wie teuer der Kaffee bei Aldi, Lidl und Rewe ist. Ziehen die Preise für Kupfer, Nickel oder Zink an, streichen Händler im winzigen Ort Baar Gewinne in Millionenhöhe ein.

„Wichtel“ nennt man in der Schweiz gern die Drahtzieher, die da im Verborgenen die globalen Warenströme lenken. Sie scheuen das Licht der Öffentlichkeit wie der Teufel das Weihwasser. Dabei machen einige so hohe Umsätze wie die größten Industriekonzerne.

Besonders beharrlich schweigt sich die Firma Gunvor aus: Der drittgrößte Ölhändler der Welt gibt keine Umsätze und Gewinne bekannt, er nennt auf seiner Website weder Geschäftsführer noch Eigentümer. Zu erfahren ist lediglich, dass das Handelshaus einen Gutteil des russischen Exportöls vertreibt. Insider schätzen, dass Gunvors Umsatz 2007 rund 43 Milliarden Dollar betrug. Dies entspricht etwa den Erlösen der Pharmariesen Novartis und Roche.

Gegründet wurde das Unternehmen, das neben Genf seinen zweiten Sitz in Rotterdam hat, 1997 von dem Schweden Torbjörn Törnqvist und dem Russen Gennadij Timtschenko. Letzterer ist mit dem russischen Regierungschef Wladimir Putin befreundet, der angeblich ebenfalls an Gunvor beteiligt sein soll. Was von Törnqvist bestritten wird.

Mehr als dreimal so groß wie Gunvor ist das Handelshaus Vitol, das pro Jahr etwa 200 Millionen Tonnen Rohöl und Ölprodukte verkauft und damit klarer Weltmarktführer ist. Der Umsatz, der 2002 erst 34 Milliarden Dollar ausmachte, kletterte 2007 auf 146,7 Milliarden. Das sind rund 50 Prozent mehr, als der Lebensmittelriese Nestlé auf die Waage bringt. Verantwortlich für das steile Wachstum ist unter anderem die Explosion der Ölpreise.

Vitol wurde 1966 von holländischen Kaufleuten gegründet, hat aber ähnlich wie Gunvor den Hauptteil der Aktivitäten nach Genf verlegt. Dort gibt es zwar keine Ölfelder und Bohrtürme. Doch in der Schweiz müssen Firmen, die mehr als 80 Prozent ihres Umsatzes im Ausland erzielen, kaum Steuern zahlen. So können die gut 220 Händler, die zugleich Teilhaber von Vitol sind, den Gewinn ungeschmälert unter sich aufteilen: 2007 hat die Firma schätzungsweise 1,0 bis 1,5 Milliarden Dollar verdient.

Argwohn geweckt

Der Handelsriese hat den Argwohn der amerikanischen Behörden geweckt. Medienberichten zufolge geht die Aufsichtsbehörde CFTC dem Verdacht nach, Vitol habe mit anderen Marktteilnehmern die Ölpreise manipuliert, die im Juli 2008 auf den Höchststand von 147 Dollar pro Barrel gestiegen waren. Vitol soll über einen konzerneigenen Hedgefonds zeitweise elf Prozent aller Ölkontrakte an der New Yorker Rohstoffbörse Nymex kontrolliert haben. Die Firma weist die Vorwürfe zurück. „Die Beschreibung von Vitols Handelsposition und deren Beziehung zu den Ölpreisbewegungen ist fundamental unkorrekt“, erklärt Geschäftsführer David Fransen.


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