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BayernLB: Schlösser, Yachten, rote Zahlen
02.06.2009 12:21:00

Die BayernLB hält – teils auf politischen Druck – ein groteskes Sammelsurium von Beteiligungen. Auch der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider legte ihr was Nettes ins Nest.

von Wolfgang Ehrensberger

Das durch die gleichnamige TV-Serie mit Roy Black bekannte Schlosshotel Velden am Wörthersee in Kärnten hat schon glanzvollere Tage gesehen. „Derzeit trifft man hier höchstens Siemens-Chef Peter Löscher, der vier exklusive Residenzen im Schlosspark sein Eigen nennt“, ätzt die „FAZ“. Das Edelresort, das vor zwei Jahren für 120 Millionen Euro luxussaniert wurde, hat ein Auslastungsproblem, kämpft mit zweistelligen Millionenverlusten und hoher Verschuldung – und gehört über die österreichische Tochter Hypo Alpe Adria der BayernLB.

Die Münchner Landesbank war eben erst mit ihrem umstrittenen Luxushotel Intercontinental auf dem Obersalzberg in die Schlagzeilen geraten. Die Bank betreibt das Hotel über die Tochter Berchtesgaden International ResortBetriebs GmbH. Die Auslastung soll bei 53 Prozent liegen, der Verlust 2008 bei vier Millionen Euro. Das bringt den Eigentümer der Landesbank, den Freistaat Bayern in Gestalt von Finanzminister Georg Fahrenschon, in die Bredouille. Fahrenschon hat inzwischen angedeutet, dass sich die Landesbank aus diesem Engagement mittelfristig zurückziehen oder die Beteiligung zumindest reduzieren wird.

Selbst die schärfsten Kritiker sehen die Hauptverantwortung für die Missgriffe nicht bei der Landesbank. „Die Verluste des Instituts sind bis heute nicht in erster Linie Fehler in der Bank, sondern sie sind vor allem Fehler bei den politischen Vorgaben durch die Staatsregierung“, sagt etwa der Grünen-Landtagsabgeordnete Eike Hallitzky. In der Tat steckt hinter der Hotelgründung die umstrittene politische Absicht, den früheren Rückzugsort Adolf Hitlers „angemessen“ zu nutzen – mit einem Dokumentationszentrum und dem Hotel, das auch verhindern soll, dass der Ort die falschen Leute anzieht.

Dieser geschichtspädagogische Ansatz fehlt beim Schlosshotel Velden. Dort allerdings war es ausgerechnet der verstorbene Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider, der die Hypo Alpe Adria vor zwei Jahren maßgeblich dazu veranlasst hat, 120 Millionen Euro in das Schlosshotel Velden zu stecken und es zu einem „touristischen Leitbetrieb Kärntens“ auszubauen.

Die BayernLB hat die Hypo Alpe Adria vor zwei Jahren übernommen – und mit ihr ein teilweise groteskes Sammelsurium von über 100 Firmen, die im Geschäftsbericht 2007 auf fast vier Seiten aufgelistet sind. Darunter eine Flugzeugleasingfirma in Klagenfurt sowie die bulgarische Hypo Alpe Adria Leasing, Sofia, die neben Autos auch Luxusjachten am Schwarzen Meer für Privat- und Firmenkunden vermietet.

Derweil mag man am beschaulichen Wörthersee in Kärnten die ganze Aufregung über die Millionenverluste des Schlosshotels nicht so recht verstehen. In der Wirtschaftszeitung „Profil“ hat sich der Chef der Schlosshotel Velden GmbH deshalb bereits mit einer Klarstellung zu Wort gemeldet. „Schloss Velden ist nicht auf Gewinne ausgelegt“, erläutert Kurt Mahnert. „Es handelt sich schließlich um ein Leitprojekt für die gesamte Region.“

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Oskar

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