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Kopf der Woche: Harry Markopolos - der Madoff-Jäger
29.06.2009 07:18:00

Harry Markopolos kam schon vor Jahren dem größten Anlagebetrüger der Geschichte auf die Schliche – und keiner wollte es hören. Nun führen seine Aussagen zur Entmachtung der amerikanischen Börsenaufsicht.

von Tim Schäfer

Sie feiern ihn wie einen Star. Als Harry Markopolos in einem New Yorker Hotel erzählt, wie er dem Betrüger Bernard Madoff auf den Fersen war, füllt sich schlagartig der Saal. Nach seiner Rede ruft einer der Zuhörer in den Applaus: „Sie sind ein Held!“

Dafür sieht er eindeutig zu bieder aus: grauer Nadelstreifenanzug, weißes Hemd, lachsfarbene Krawatte. Von Beruf war Markopolos Analyst – die haben ihren Starstatus auch längst verloren. Dennoch beeindruckt er die Amerikaner. Markopolos enttarnte früh das monströse Betrugssystem Bernard Madoffs, warnte jahrelang die Behörden. Allerdings vergeblich. Und so wird der Fall Madoff nun immer mehr zum Fall SEC – denn Markopolos dokumentierte auch das Versagen der amerikanischen Börsenaufsicht.

Seit 1999 wusste Markopolos, dass Madoff kriminell war. Er alarmierte die Börsenaufsicht in den Jahren 2000, 2002 und 2005. Sowohl in Gesprächen als auch schriftlich forderte er die Beamten eindringlich auf, den Schwindel zu stoppen. Doch niemand nahm ihn ernst. 2005 verfasste Markopolos einen 21-seitigen detaillierten Bericht und übergab die Studie der SEC-Niederlassungsleiterin in New York, Meaghan Cheung. „Sie richtete nicht eine einzige Frage an mich“, erinnert sich Markopolos. „Arrogante Anwälte“, schimpft er über die Führungskräfte der Behörde. Sie hätten keine Ahnung von den Finanzmärkten. Aber wie kam der heute 53-Jährige Madoffs Schneeballsystem überhaupt auf die Spur? Markopolos arbeitete für den Hedgefonds Rampart Investment Management in Boston, als ihn sein neuer Vertriebskollege Frank Casey auf Madoffs regelmäßige Rendite von einem Prozent im Monat aufmerksam machte. Er wurde skeptisch. „Madoff wählte immer Aktien aus, die im Kurs stabil blieben oder zulegten, Fehlinvestments hätte es nicht gegeben“, begründet er seine Zweifel.

Casey nahm daher Kontakt zum Vermögensverwalter René-Thierry Magon de la Villehuchet in New York auf. Der Franzose hatte Madoff ein gigantisches Vermögen anvertraut. Villehuchet gab den Bostonern bereitwillig Auskunft, legte sogar seine Auszüge mit Nettorenditen von zwölf bis 15 Prozent jährlich vor. Markopolos nahm die Performance und die Optionsabsicherungsstrategie unter die Lupe. Er versuchte, die Optionsgeschäfte Madoffs nachzubilden und fand schnell heraus, dass es sich dabei um Betrug handeln musste.

Hätten all die Angaben gestimmt, wäre Madoff der größte Derivate-Trader der Welt gewesen. Sein Portfolio hätte sechsmal so groß sein müssen wie die bedeutendsten Hedgefonds der Welt. Wie kann es sein, fragte sich Schnüffler Markopolos, dass jemand so relativ Unbekanntes ein zigmal so großes Portfolio verwaltet wie Investmentlegende George Soros? Villehuchet glaubte indes felsenfest an Madoff. Trotz der eindringlichen Warnungen der Bostoner Konkurrenten blieb er voll investiert. Als der Betrug Ende 2008 aufflog, verlor Villehuchet 1,4 Milliarden Dollar. Kurz vor Weihnachten nahm er sich das Leben.


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Oskar

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