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SAP will weiter wachsen - Tibco und Teradata im Fokus
10.08.2009 10:20:00

von Thomas Schmidtutz

Der Softwarekonzern SAP sucht angesichts der anhaltenden Konsolidierung in der Branche nach weiteren Übernahmezielen. Aus Konzernkreisen heißt es, das Walldorfer Unternehmen habe ein Auge auf das US-Softwarehaus Tibco geworfen. „Die prüfen ein Angebot für Tibco“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person dieser Zeitung. Die Gespräche seien bereits „weit fortgeschritten, ein Abschluss aber offen“. Ein Konzernsprecher wollte sich auf Anfrage nicht äußern. „Marktgerüchte kommentieren wir nicht“, hieß es.

Tibco hat sich auf Integrationswerkzeuge (Middleware) spezialisiert, mit der sich Programme unterschiedlicher Anbieter verbinden lassen. Das Unternehmen habe seine Lösungen bereits Ende 2008 am SAP-Konzernsitz in Walldorf präsentiert, heißt es aus informierten Kreisen. Ursprünglich habe man zunächst eine Vertriebspartnerschaft favorisiert. Dabei hätte SAP die Tibco-Lösungen über seine eigene Vertriebsmannschaft verkaufen sollen. Zuletzt hätten „die Gespräche jedoch auf eine mögliche Übernahme von Tibco gezielt“. Erst vor rund zwei Wochen hatte SAP den Aktionären des Schweizer Softwarehauses SAF ein Übernahmeangebot unterbreitet. Parallel dazu sucht der Konzern nach weiterer Verstärkung.

Tibco gilt unter Experten als sinnvolle Ergänzung für SAP. „SAPs eigenes Middleware-Angebot Netweaver ist weniger leistungsfähig als die Angebote der führenden Wettbewerber“, sagte Helmuth Gümbel, Chef des IT-Beratungshauses Strategy Partners in München. Bei der Anbindung externer Lösungen wie etwa Programme zum Management von Logistikketten (SCM) oder Kundenbeziehungen (CRM) griffen viele Unternehmen daher auf andere Lösungen wie Webspehre von IBM oder Weblogic von Oracle zurück.

Allerdings ist der Markt weiter stark fragmentiert. Nach einer Übersicht des US-Marktforschungsunternehmens Gartner kam IBM bei Middleware und Infrastruktursoftware im Vorjahr weltweit auf einen Marktanteil von 30,8 Prozent, vor Oracle mit 15,6 Prozent und Microsoft (3,6 Prozent). Die Darmstädter Software AG und Tibco lagen mit jeweils 2,9 Prozent gleich auf.

Tibco ist damit der letzte namhafte Anbieter von Integrationslösungen, der noch selbstständig ist. Daher hatten Branchenexperten zuletzt wiederholt über eine Übernahme von Tibco spekuliert. „Die sind seit über einem Jahr auf dem Markt“, sagte ein Brancheninsider. Banken hätten „potenzielle Interessenten angesprochen“, heißt es auch aus Finanzkreisen. Im laufenden Jahr erwartet JP Morgan für Tibco ein Umsatzminus von sieben Prozent auf 598 Millionen Dollar, das operative Ergebnis dürfte um drei Prozent auf 68,1 Millionen Dollar zurückgehen, schreibt Analyst John DiFucci.


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Oskar

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