€uro am Sonntag News

Telefonaktion: Kaupthing-Kunden sollten Ansprüche anmelden
21.10.2008 14:18:00

Die deutsche Niederlassung der isländischen Kaupthing-Bank hatte in Deutschland mit Zinsen von 5,65 Prozent aggressiv um Neukunden geworben. Mehr als 300.000 Deutsche legten insgesamt 308 Millionen Euro auf Konten der Kaupthing. Doch seit dem 8. Oktober kommen sie nicht mehr an ihr Geld.

Von Sabine Gusbeth

Die Finanzkrise und der kreditfinanzierte Expansionskurs hat die Kaupthing Bank an den Rande des Zusammenbruchs gebracht. Der isländische Staat verstaatlichte das Institut und fror die Kundenkonten ein. Die deutsche Bankenaufsicht BaFin verhängte daraufhin ein so genanntes Moratorium, das heißt, die Bank darf seitdem weder Geld annehmen noch auszahlen. Noch sei jedoch fraglich, ob die BaFin überhaupt „in der rechtlichen Stellung ist, einen Entschädigungsfall festzustellen. Was wiederum die Voraussetzung für eine Entschädigung deutscher Anleger aus dem eingefrorenen Vermögen wäre“, gibt Rechtsanwalt Johannes Fiala im Rahmen der Telefonaktion von Euro am Sonntag zu Bedenken.

Kein Mitglied der deutschen Einlagensicherung

Das Problem: Die deutsche Tochter der isländischen Kaupthing Bank war nur Mitglied des isländischen Einlagensicherungsfonds, nicht aber des deutschen Einlagensicherungssystems. Zudem handelt es sich bei der in Deutschland agierenden Kaupthing lediglich um eine Niederlassung der isländischen Muttergesellschaft. Weil Island nicht Mitglied der EU ist, haben deutsche Kunden der Bank weder Anspruch auf Entschädigung aus der gesetzlichen Sicherung noch aus dem freiwilligen Einlagensicherungsfonds in Deutschland.

Die drei isländischen Großbanken Kaupthing, Landesbanki und Glitnir waren in den vergangenen Jahren Pump expandiert und hatten mit unschlagbar hohen Zinsen europaweit Neukunden geködert. Doch die Finanzkrise erwischte den isländischen Bankensektor mit voller Wucht. Um den Zusammenbruch zu vermeiden, verstaatlichte die isländische Regierung die Großbanken und fror das Geld der Kunden ein. Seitdem schwellt ein Streit darüber, ob aus der isländischen Einlagensicherung, die Nominaleinlagen von bis zu 20887 Euro garantiert, auch ausländische Kunden entschädigt werden. „Dass der isländische Staat plötzlich für Einlagen ausländischer Kunden bei isländischen Banken nicht mehr geradestehen will, ist ein Gebahren, das man bisher höchstens von Argentinien kannte, nicht aber von europäischen Demokratien“. empört sich Rechtsanwalt Fiala.

20.887 Euro oder die gesamten Einlagen?

Auf der Webseite der deutschen Niederlassung der Kaupthingbank ist zu lesen: „Die Kaupthing Bank ist dem isländischen Einlagensicherungsfonds angeschlossen. Dieser Fonds schützt die Einlagen jedes einzelnen Kunden bis zu einer Höhe von 20.887,00 Euro.“ Die Bundesregierung bemüht sich derzeit jedoch um eine Einigung mit der isländischen Regierung, so dass sie ihre Einlagen zurückerhalten.

Bislang verhandelt die Bundesregierung allerdings nur um die Rückzahlung in Höhe der isländischen Mindestsicherung. Dies wird von den betroffenen Kaupthing-Kunden kritisiert. „Kaupthingkunden sind genau die deutschen Kleinsparer, denen die Bundeskanzlerin Sicherheit versprochen hat. Wir setzen großes Vertrauen in das Verhandlungsgeschick der Bundesregierung, unsere Spareinlagen vollständig zurück zu holen“, betonte ein Sprecher der betroffenen deutschen Kaupthing-Kunden, die sich in einem Selbsthilfeforum zusammengeschlossen haben.

Für die Kaupthing-Kunden aus anderen EU-Ländern gibt es bereits die Zusage, dass sie ihre Spareinlagen in voller Höhe zurückerhalten. Die Regierungen der Niederlande, Großbritannien und Finnland haben sich bereits mit Island eine Entschädigung der Kunden in voller Höhe geeinigt. Allerdings haben sie sich im Gegenzug bereit erklärt, Island Kredite zur Verfügung zu stellen.

Kaupthing-Kunden sollten Ansprüche anmelden

Rechtsanwalt Fiala rät betroffenen Anlegern sich dennoch an die isländische Einlagensicherung zu wenden, um ihre Ansprüche anzumelden. Er weist jedoch darauf hin, dass sich die isländische Einlagensicherung nur auf die Nominaleinlage bezieht, „nicht auf die Zinsen für die Einlage“. Auf der Internetseite der isländischen Einlagensicherung finden Sie weitere Informationen sowie ein Formular mithilfe dessen Sie ihre Ansprüche anmelden können.

Weitere Tipps der Finanzexperten aus der Euro am Sonntag-Telefonaktion können Sie hier nachlesen.

Werbung

Online Brokerage über finanzen.net

finanzen.net Brokerage
Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade aus der Informationswelt von finanzen.net!

Oskar

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln