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Eurohypo-Vorstand Bernd Knobloch im Interview: "Die Krise macht uns profitabler"
28.08.2007

Im Commerzbank-Vorstand verantwortet Bernd Knobloch (56) den Geschäftsbereich gewerbliche Immobilien. €uro am Sonntag sprach mit Knobloch über Turbulenzen an den Kreditmärkten und aggressive Wettbewerber.

Euro am Sonntag: Herr Knobloch, warum glauben Sie, dass ausgerechnet die Eurohypo von der Kreditkrise profitieren wird?
Bernd Knobloch: Zunächst möchte ich festhalten, dass die Reaktion auf die Subprime-Krise hier in Deutschland besonders stark war. Ich höre relativ wenig, was sich bei französischen, italienischen oder britischen Banken zu dem Thema tut, obwohl diese Institute genauso auf dem US-Immobilienmarkt engagiert sind.  

Euro am Sonntag: Warum fällt die Reaktion hier scheinbar stärker aus?
Knobloch: Vielleicht, weil wir hier schon länger besonders intensiv Transparenz fordern . Vielleicht auch, weil wir grundsätzlich auf Marktbewegungen aufgeschreckter reagieren.

Euro am Sonntag: Kein Wunder, wenn es plötzlich Institute wie die Mittelstandsbank IKB erwischt.
Knobloch: Eine mit der Subprime-Problematik vergleichbare Immobilienkrise gab es in Deutschland im Zuge des Einigungsbooms. Durch allzu großzügig bemessene Steuergeschenke verleitet, investierten viele Menschen in Ostimmobilien zu teilweise völlig überzogenen Preisen. Nachdem sich eine realistischere Einschätzung der tatsächlichen Werte durchsetzte, platzte die Blase. Die damaligen Verluste haben die deutschen Banken übrigens ganz alleine getragen, und die Amerikaner haben mitleidig auf uns herabgeblickt. Jetzt haben US-Banken selbst Verluste kreiert. Durch die neuen Geschäftsmodelle und die Globalisierung des Kreditgeschäfts sind sie allerdings in der Lage, diese weltweit Risiken zu sozialisieren.

Euro am Sonntag: Die Eurohypo ist mit 850 Millionen Euro in zweitklassigen US-Hypotheken engagiert. Dafür haben Sie bereits Wertanpassungen angekündigt. Wie sind die Auswirkungen auf das Ergebnis?
Knobloch: Ich habe im Zusammenhang mit Subprimes stets dafür plädiert, die jeweiligen Engagements offenzulegen – und zwar auch dann, wenn man nicht nachhaltig von den Problemen betroffen ist. Nur Transparenz schafft Vertrauen. Das gilt auch für die Eurohypo. Unser Geschäft ist durch diese Krise nicht wirklich tangiert, weil wir uns ausschließlich auf gewerbliche Finanzierungen konzentrieren – nicht nur im US-Geschäft. Wir sind lediglich über ein Anlageportfolio von Wertpapieren indirekt in diesem Markt investiert. Dieses Residential Mortgage Backed Securities (RMBS)-Portfolio hat ein Volumen von rund 850 Mio. Euro und macht damit weniger als ein halbes Prozent unserer Bilanzsumme aus. Es besteht zu 96% aus Investmentgrade-Wertpapieren, auch nach den massiven Downgradings durch die Ratingagenturen. In diesem Portfolio gibt es bis heute keine Zahlungsstörungen.

Die Auswirkungen der Subprime-Krise auf die Eurohypo  werden nicht zu Belastungen im Ergebnis führen. Im dritten Quartal erscheint es zwar aus heutiger Sicht notwendig, eine Abschreibung von 30 bis 40 Mio. Euro auf unser Residential-Wertpapierportfolio vorzunehmen. Diese wird allerdings nicht auf unsere Gewinn- und Verlustrechnung durchschlagen, da wir hier außerordentliche Erträge gegenrechnen können.

Euro am Sonntag: Und wo liegt die Chance in der Krise?
Knobloch: Ich bin davon überzeugt, dass di e Subprime-Krise für Marktteilnehmer mit hohen Qualitätsansprüchen am Ende Vorteile bringen wird. Die Krise wird den Markt bereinigen. Sie bringt das Bewusstsein dafür zurück, dass Risiken ihren Preis haben. Dieses ist zeitweise von Marktteilnehmern aus den Augen verloren worden.

Das gilt ganz besonders für Investoren, die künftig wieder stärker auf Qualität achten werden. Damit rückt dann beispielsweise bei einer Verbriefungstransaktionen wieder stärker in den Mittelpunkt, wer Emittent einer solchen Transaktion ist. Darin sehe ich für die Eurohypo einen großen Vorteil. Dafür kann ich auch ein Beispiel anführen: Wir haben in den USA gerade in der vergangenen Woche ca. 340 Millionen Dollar verbrieft. Das zeigt: Es ist für gute Qualität nach wie vor ein Markt vorhanden. Hier hat sich schon der Vorteil ausgezahlt, als Qualitätsanbieter anerkannt zu sein.

Euro am Sonntag: Sie haben sich kürzlich dahingehend geäußert, dass die Eurohypo  in den letzten Jahren Marktanteile verloren hat.
Knobloch: Da muss ich etwas ausholen. Die Eurohypo hat in ihrem fünfjährigen Bestehen ihr Ergebnis verdoppelt und strebt in diesem Jahr eine Eigenkapitalrendite von rund 15 Prozent vor Steuern an. Gerade weil man im Immobiliengeschäft wieder Geld verdienen kann bzw. in den letzten Jahren Geld verdienen konnte, hat aber der Wettbewerb stark zugenommenDie Zahl unserer Wettbewerber hat sich stark erhöht, Banken, die sich noch vor einigen Jahren aus dem Immobiliengeschäft zurückgezogen hatten, sind wieder zurückgekehrt und versuchen teilweise, über niedrigere Kreditkosten in den Markt zu kommen. Das hat zu einem allgemeinen Rückgang der Margen geführt. Da wir den Wettbewerb über den Preis nicht mitmachen, sind auch andere Banken hier zum Zuge gekommen. Die Eurohypo ist so aufgestellt, dass wir ein Geschäft nicht machen, wenn unsere Margenvorstellungen nicht erfüllt sind.

Euro am Sonntag: Können Sie den Marktanteilsrückgang beziffern?
Knobloch: Dafür gibt es keine vernünftigen Gesamtzahlen. Wir haben eben nicht mehr jedes zweite Geschäft gemacht, sondern nur noch jedes dritte oder vierte. Ich erwarte, dass durch die momentane Krise gerade die internationalen Finanzierer nicht mehr so intensiv und leichtsinnig in den Wettbewerb gehen werden, wie dies noch vor einer oder zwei Monaten der Fall war. Wir werden im Gegenzug in der Lage sein, wieder risikoadäquate Margen zu erzielen. Ich glaube, die gesamte Bankenbranche hat inzwischen erkannt, dass sie mehr auf Ertrag und weniger auf Volumen schauen muss.

Euro am Sonntag: Wie wirkt sich das auf ihr Ergebnis aus?
Knobloch: Wenn das so eintrifft, wird uns diese Krise noch profitabler machen.

Euro am Sonntag: Werden Sie ihre Rentabilitätsziele nach oben korrigieren?
Knobloch:  2007 erwarten wir nach einem guten 1. Halbjahr die Fortsetzung unseres erfolgreichen Weges. Die Eigenkapitalrendite von 15% vor Steuern, die wir uns als Ziel gesetzt haben, liegt in greifbarer Nähe. Das setzt natürlich voraus, dass sich nach den Turbulenzen am Subprime-Markt die stark volatilen Märkte wieder beruhigen und die Krise auch nicht auf die Gesamtwirtschaft übergreift..

Euro am  Sonntag: Und mittelfristig?
Knobloch: Die 15 Prozent sind nicht das Ende der Fahnenstange. Mittelfristig werden wir hier sicher noch etwas ambitionierter sein können

Euro am Sonntag: Sehen Sie konkrete Anzeichen für ein Ende der Irritationen auf dem Kreditmarkt?
Knobloch:  Wenn die Phase der Zinssteigerungen durch die Zentralbanken ihrem Ende zugeht, wird sich das positiv auf die Preise für Bürohäuser und Shoppingcenter auswirken. Die Gesamterwartung an das Zinsumfeld 2008 ist heute wesentlich optimistischer als noch vor acht Wochen.  Die Eurohypo sieht, dass der Verbriefungs- ebenso wie der Syndizierungsmarkt noch lebendig sind. Das gibt Hoffnung auf eine baldige Beruhigung des Marktes.

Euro am Sonntag: Der Konzentrationsprozess unter den Immobilienfinanzierern schreitet voran. Vor wenigen Wochen hat Ihr Konkurrent Hypo Real Estate mit der Übernahme der Depfa-Bank die Märkte überrascht. Setzt Sie das nicht unter Zugzwang?
Knobloch: Wenn die HRE ihre bisherige Spezialisierung aufgibt und ihr Geschäft nach dem bewährten Modell der Eurohypo strukturiert, fühlen wir uns in unserer Strategie bestätigt. Was das Immobiliengeschäft angeht, bedeutet die Übernahme des Staatsfinanzierers Depfa durch die HRE für uns keinerlei Zugzwang. Denn die HRE war im Immobiliengeschäft und die Depfa in der Staatsfinanzierung unser Wettbewerber. Daran ändert sich nichts. Wir sind hier nach wie vor in der marktführenden Position.

Euro am Sonntag: Sehen Sie Übernahmeziele in Deutschland?
Knobloch: Nichts, was sich zwingend aufdrängt.

Euro am Sonntag: Und die Aareal-Bank?
Knobloch:  Dieses Institut macht im Prinzip das gleiche Geschäft wie wir, ist aber deutlich kleiner. Die Größenordnung ist sicher nicht optimal, sie muss sich auf Nischen beschränken.

Euro am Sonntag: Spräche das nicht für einen Zusammenschluss mit einem stärkeren Partner?
Knobloch: Natürlich, ausgeschlossen ist da gar nichts. Aareal ist zudem eine gut geführte Bank. Für die Eurohypo würde sie aber zumindest aus aktueller Sicht wenig Mehrwert bringen. Wir sind mit einer Underwriting-Kapaziät von mehr als 2 Mrd. Euro groß genug und können uns darüber hinaus auch auf unsere Muttergesellschaft Commerzbank stützen. Deshalb brauchen wir kein externes Wachstum.

Euro am Sonntag: Die Eurohypo ist vor knapp zwei Jahren mehrheitlich selbst von der Commerzbank übernommen worden. Welche Vorteile bietet das Konzerndach im Vergleich zu einem konzernunabhängigen stand-alone-Modell wie bei der Hypo Real Estate?
Knobloch: Auch hier sehen wir uns einen Schritt voraus, wenn Konkurrenten wie die HRE sich jetzt mit Themen wie Schiffs- und Flugzeugfinanzierung beschäftigen, die wir innerhalb des Commerzbank-Konzerns längst realisiert haben. Außerdem ist es sinnvoll, Teil eines diversifizierten Konzerns zu sein, wenn den reinen Immobilienfinanzierern wie gerade jetzt der Wind ins Gesicht bläst. In unserer Schnelligkeit, Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit beeinträchtigt uns die Konzernzugehörigkeit jedenfalls überhaupt nicht.

Euro am Sonntag: Was hat sich denn bei Ihnen persönlich in den Arbeitsabläufen geändert?
Knobloch: Ich habe zwei Schreibtische: einen hier in Eschborn als Eurohypo-Vorstandsvorsitzender und einen in Frankfurt als Commerzbank-Vorstand. Das überlappt sich aber teilweise. da ich in der Commerzbank für den Geschäftsbereich Immobilien zuständig bin.

Euro am Sonntag: Sie wurden als einer der potenziellen Nachfolger von Commerzbank-Vorstandschef Klaus Peter Müller gehandelt.
Knobloch: Ich fühle mich als Vorstandschef der Eurohypo sehr wohl und will mich auch weiterhin auf den Geschäftsbereich Immobilien konzentrieren. 

Euro am Sonntag: Die Commerzbank will die Eurohypo über ein squeeze out vollständig von der Börse nehmen. Aktionärsschützern ist das Angebot von 24,32 Euro je Eurohypo-Aktie zu niedrig. Wie werden Sie darauf reagieren?
Knobloch: Ich möchte der Hauptversammlung am 29. August nicht vorgreifen. Nur soviel: Die Commerzbank hat ein ausgesprochen faires Angebot vorgelegt, das für alle Beteiligten das Beste ist..

Euro am Sonntag: Wird die Eurohypo nach dem squeeze out rechtlich selbständig bleiben?
Knobloch: Sie wird ein rechtlich selbständiges Institut bleiben und auch künftig als unverändert starke Marke eigenständig am Markt agieren.  
 
Das Interview führte €uro am Sonntag-Redakteur Wolfgang Ehrensberger
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