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Ökonomen-Barometer Juni 2009
Deutschlands führende Volkswirte sehen langsame Erholung ab 2010
19.06.2009 13:07:00

Das aktuelle Ökonomen-Barometer von €uro am Sonntag
Deutschlands führende Volkswirte rechnen nicht mit einer raschen und steilen Konjunkturerholung. Das geht aus dem Ökonomen-Barometer Juni von €uro am Sonntag und dem Nachrichtensender n-tv hervor.

Ökonomen-Barometer stabilisiert sich – Warnung vor ausufernden Staatseingriffen

von Thomas Schmidtutz

Deutschlands führende Volkswirte rechnen nicht mit einer raschen und steilen Konjunkturerholung. Das geht aus dem Ökonomen-Barometer Juni von €uro am Sonntag und dem Nachrichtensender n-tv hervor. „Die Erholung wird erst im Jahr 2010 beginnen, allerdings sehr zaghaft“, sagte der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Professor Kai Carstensen. Ähnlich äußerte sich auch Professor Christoph Schmidt, Chef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: „Aufschwünge nach Rezessionen im Gefolge von Finanzmarktkrisen sind erfahrungsgemäß zäh“, sagte der Wirtschaftsweise.

In den vergangenen Monaten hatten Volkswirte weltweit über einen möglichen Konjunkturverlauf nach der Rezession diskutiert. In Deutschland rechnet die Hälfte der befragten Experten nach dem Absturz zunächst mit einer längeren Phase der Stagnation. Weitere 25 Prozent erwarten zwar eine kurzzeitige Erholung, danach aber einen neuerlichen Rückschlag. Dieses Szenario wird in der Zunft auch als W-förmiger Konjunkturverlauf bezeichnet. „Der starke Lagerabbau der Unternehmen ist bereits fast vollständig abgeschlossen. Hinzu kommen die rekordhohen Fiskalpakete weltweit, die nach der Sommerpause ihre Wirkung entfalten sollten“, so Andreas Rees von der Unicredit. „Da die staatlichen Ausgabenprogramme aber 2010 wieder auslaufen und der US-Konsument sehr stark verschuldet ist, besteht die Gefahr eines W-Szenarios.“

Lageeinschätzung und Ausblick 2009

Die anhaltende Diskussion um mögliche Staatshilfen sehen die Volkswirte weiter mit tiefer Skepsis. So trifft der Kreditantrag von Porsche bei der staatseigenen Förderbank KfW auf breite Ablehnung. Immerhin 79 Prozent der Volkswirte sprachen sich gegen Staatshilfe für den Sportwagenbauer aus, zwölf Prozent der Volkswirte hatten keine Einwände.

Der Stuttgarter Konzern war zuletzt wegen der geplanten Mehrheitsübernahme von VW und damit verbundener Optionsgeschäfte finan­ziell in die Bredouille gekommen. In seiner Not hat sich das Unternehmen auch an die KfW gewandt. Insgesamt hat der Konzern dort 1,75 Milliarden Euro beantragt. Ein möglicher KfW-Kredit für Porsche trifft indes bei vielen Volkswirten auf völliges Unverständnis: „Porsche ist nicht systemrelevant“, mahnt etwa Wolfgang Pflüger, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. „Es handelt sich um eine private Fehlspekulation, für die die Allgemeinheit nicht haftbar gemacht werden kann und darf.“ Diese Auffassung vertritt auch Ulrich Blum, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH): „Zocken darf nicht belohnt werden.“

Im Streit um ein mögliches Defizit bei den Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) sind sich die Experten ebenfalls weitgehend einig: So lehnen 74 Prozent einen Staatszuschuss rigoros ab, knapp neun Prozent würden staatliche Hilfe dagegen akzeptieren. Die Kassen drängen angesichts der Konjunkturkrise und des erwarteten Defizits von rund drei Milliarden Euro seit Wochen auf eine entsprechende Staatshilfe ohne Rückzahlungspflicht.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt lehnt dies aber ab und beharrt stattdessen auf der für den Gesundheitsfonds vorgesehenen Darlehensregel. Danach müssten die Kassen bis 2012 Staatsgelder an den Bund zurückführen. „Es dürfen jetzt nicht alle ordnungspolitischen Dämme brechen“, warnt etwa Ulrich van Suntum, Professorin an der Uni Münster. „Die GKV ist eine Versicherung und – noch – kein staatlicher Gesundheitsbetrieb.“ Auch Roland Döhrn vom RWI in Essen warnt vor möglichen Folgen: „Ein nicht rückzahlbarer Zuschuss würde den gewünschten Druck auf die Krankenkassen vermindern, mit dem Geld der Beitragszahler sparsam umzugehen.“

Unterdessen zeichnet sich im Ökonomen-Barometer nach der anhaltenden Talfahrt allmählich eine Stabilisierung ab. Zwar sank die Einschätzung der aktuellen Lage mit 15,9 Punkten auf ein neues Tief. Allerdings bleibt der Erwartungswert mit einem marginalen Minus von 0,7 auf 14,8 Punkte weiterhin innerhalb der seit März gültigen Bandbreite.

Für das Ökonomen-Barometer wurden vom 9. bis zum 17. Juni über 300 Volkswirte in Banken, Univer­sitäten, Forschungsinstituten und Wirtschaftsverbänden befragt.

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