€uro am Sonntag Spezial

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Ökonomenbarometer
Trübe Aussichten: Unter Deutschlands führenden Volkswirten wächst die Sorge vor einem spürbaren Wirtschaftsabschwung
18.01.2008

Die Konjunkturerwartungen von Deutschlands führenden Volkswirten hat sich im Januar weiter deutlich eingetrübt. Das geht aus dem neuen Ökonomen-Barometer von €uro am Sonntag und dem Nachrichtensender n-tv hervor.

von Thomas Schmidtutz

Danach ist die Erwartung für die wirtschaftliche Entwicklung der nächsten zwölf Monate im Januar um 3,9 Punkte auf den bisherigen Tiefstand von 49,1 Punkte gefallen. Das ist der siebte Rückgang in Folge. Auch die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage hat sich weiter verschlechtert. Mit einem Indexstand von 59,3 Punkten notiert der Wert ebenfalls auf dem niedrigsten Stand seit Start des Ökonomen-Barometers im Dezember 2006. Einer der Hauptgründe für den wachsenden Pessimismus unter den Volkswirten dürften stark gestiegene Öl- und Strompreise sowie die anhaltende Schwäche des Dollar im Verhältnis zum Euro sein. Die Währungsentwicklungverteuert Waren aus Euroland und verschlechtert so die Aussichten der exportabhängigen deutschen Industrie.

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Hinzu kommt die wachsende Furcht vor einem Übergreifen der US-Hypothekenkrise auf die Realwirtschaft. Die führenden US-Banken haben im Geschäft mit Hypothekenderivaten und strukturierten Finanzprodukten milliardenschwere Verluste aufgetürmt. Nun droht eine drastische Einschränkung der Kreditvergabe. Eine solche Kreditklemme würde zu sinkenden Investitionen führen und damit die US-Konjunktur bremsen. Erst vor wenigen Tagen hat Goldman Sachs offen vor einer möglichen Rezession in den USA gewarnt.

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Angesichts dieser Ausgangslage plädiert die Hälfte der befragten Volkswirte für eine Senkung der Leitzinsen durch die US-Notenbank. Die andere Hälfte rät dazu, die Zinsen stabil zu halten. Es könne nicht Aufgabe der Währungshüter sein, „Investoren vor Fehlentscheidungen zu bewahren oder ihnen mit billigem Geld aus der Klemme zu helfen,“ mahnte Professor Ansgar Belke von der Uni Duisburg-Essen. Eine Leitzinssenkung käme vor diesem Hintergrund „einer Sozialisierung“ risikobedingter Verluste“ gleich. Umstritten ist unter den Experten auch die in den USA heftig debattierte Frage, ob der US-Wirtschaft tatsächlich eine Stagflation droht. 44 Prozent der befragten Volkswirte sehen eine solche Gefahr, 56 Prozent dagegen nicht. „Die aktuelle Entwicklung mag einer Situation ähneln, die mit dem Schlagwort Stagflation umschrieben wird“, sagte Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz. Doch gebe es keine Anzeichen für eine steigende Inflation. Unter dem Begriff Stagflation verstehen Volkswirte eine wirtschaftliche Stagnation, gepaart mit einer hohen Inflation. Ein solches Szenario ist für Notenbanken besonders knifflig. Denn mögliche Zinssenkungen zur Ankurbelung der Wirtschaft sind in einem solchen Umfeld häufig mit der Gefahr zusätzlichen Preisauftriebs verbunden. Reagiert die Notenbank dagegen nicht, droht die Beschleunigung des konjunkturellen Abschwungs.

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Auf ein zweigeteiltes Echo unter den Ökonomen treffen zudem die jüngsten Vorschläge des Vorsitzenden des Sachverständigenrates, Bert Rürup, zur Einführung einer Mindestrente. 53 Prozent der Volkswirte plädieren für eine Mindestrente, 47 Prozent sind dagegen. Nach Rürups Vorstellungen sollen Bürger, die 35 Jahre Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt haben, künftig eine Rente über Sozialhilfe-Niveau erhalten. Niedrigere Ansprüche sollen aus Steuergeldern aufgestockt werden.

Wer 35 Jahre gearbeitet habe, müsse mehr erhalten, als jemand, der nichts eingezahlt habe, sagte Professor Karlhans Sauernheimer von der Uni Mainz. Demgegenüber wiesen mehrere Volkswirte auf systematische Mängel einer solchen Lösung hin: Es gebe mit der Sozialhilfe bereits eine Absicherung des Existenzminimums, so Professor Robert Schwager von der Uni Götting en. Der Kölner Professor Johann Eekhoff warnte zudem davor, wesentliche Grundsätze aufzugeben. Mit einer Mindestrente würde die Eigenverantwortung der Bürger weitgehend aufgegeben und die Staatsabhängigkeit weiter verstärkt. Für das Ökonomen-Barometer wurden vom 8. bis zum 17. Januar über 300 Volkswirte in Banken, Forschungsinstituten,Universitäten und Wirtschaftsverbänden befragt. Die Umfrage ist damit der größte Stimmungsindikator der Branche.

Nach ihrer Meinung befragt, wie sie zur Einführung einer Mindestrente stehen, antworteten die Experten wie folgt:

FRAGE:  

Der Vorsitzende des Sachverständigenrats der Bundesregierung, Bert Rürup, hat die Einführung einer Mindestrente vorgeschlagen. Danach soll jeder, der 35 Jahre in das Rentensystem eingezahlt hat, eine garantierte Sockelrente über dem Sozialhilfe-Niveau von derzeit 660 Euro erhalten. Niedrigere Ansprüche sollen dann aus Steuermitteln aufgestockt werden. Dabei würden andere Alterseinkünfte und Vermögen nicht angerechnet werden. Die CDU hat bereits ihre Unterstützung signalisiert. Wie beurteilen Sie diesen Vorstoß aus volkswirtschaftlicher Sicht?


Prof. Dr. Johann Eekhoff, Universität Köln, Lehrstuhl am Wirtschaftspolitischen Seminar:

Mit einer solchen Maßnahme würden das Selbsthilfeprinzip und die Eigenverantwortung der Bürger weitgehend aufgegeben und die Staatsabhängigkeit weiter verstärkt.


 
Wolfgang Pflüger, Berenberg Bank, Chef- Volkswirt:

Bei Nichtanrechnung anderer Alterseinkünfte wie z.B. der Riesterrente besteht der Anreiz "die 35 Jahre voll zu machen". Ob nun Sozialhilfe oder steuerfinanzierte Differenz macht verteilungspolitische kaum einen Unterschied.

 
Prof. Dr. Ansgar Belke, Universität Duisburg-Essen, Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Makroökonomik:

Eine steuerfinanzierte Mindestrente, die knapp über dem Grundsicherungsniveau liegt, greift im Prinzip das Problem auf, dass ein zunehmender Anteil der künftigen Renten unter das Sozialhilfeniveau fallen wird. So muss der Staat diese Renten ohnehin aufstocken. Hiergegen ist zunächst einzuwenden, dass der Gesetzgeber mit dem „Gesetz über eine bedarfsorientierte Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung“ vom 1. Januar 2003 (siehe 4. Kapitel des SGB XII) das Rentensystem in gewisser Weise armutsfest gemacht hat. Demnach kann rechtlich gesehen eigentlich per se kein Bezieher von Rente – ggf. plus Grundsicherung – unter das soziokulturelle Existenzminimum fallen. Dies suggeriert dem Bürger - genau wie die Mindestrente - aber eine Sicherheit, die es so nicht geben kann und nicht geben wird.

Durch die Abhängigkeit von ex ante nicht genau zu kalkulierenden Steuereinnahmen, die zudem negativ vom notwendigen staatlichen Zuschuss zur Mindestrente abhängen, ist die Finanzierungsbasis wie so häufig in der Vergangenheit bei anderen Maßnahmen zu beobachten, nicht gesichert. Die zentrale Frage lautet: wie wirkt bei nach wie vor hoher Verschuldung des Staates die Einführung einer steuerfinanzierten Mindestrente auf das Wirtschaftswachstum, das letztlich die staatlichen Zuschüsse speisen wird. Zu optimistischen Wachstumsprognosen sollte deshalb sofort Einhalt geboten werden. Nur zur Erinnerung: die Niveausicherungsklausel aus der Rentenreform 2001, die ein Nettorentenniveau von 67 Prozent festgeschrieben hatte, musste bereits nach 3 Jahren deutlich nach unten korrigiert werden. Man kann den Bürgern deshalb nur nahe legen, aktuellen Versprechungen frei nach Blüm ("Das Mindestniveau ist sicher...") nicht zu trauen. Schon die Diskussion über eine angeblich Niveausicherung ist schädlich, weil sie dem Bürger möglicherweise eine Sicherheit vorgaukelt, die nicht aufrechterhalten werden kann. Statt weniger sinnvoller Diskussionen über nicht einhaltbare Mindestrenten erscheint die Optimierung der Rahmenbedingungen der zusätzlichen Kapital gedeckten Altersvorsorge an der Tagesordnung zu sein. Eine Mindestrente entfaltet wie viele andere "Minimim-Regulierungen" gerade nicht die wünschenswerten Anreizwirkungen, da sie in unteren Einkommensgruppen die Kapital gedeckte Altersvorsorge nicht forciert oder die diesbezüglichen Wahlmöglichkeiten nicht exakt und einfach verdeutlicht (siehe hierzu die inhaltlichen Unschärfen und Rechtsunsicherheiten in der gegenwärtigen Riester-Debatte). negativen Sparanreizen führen.

Wieso sollte jemand mit niedrigem Einkommen sparen, wenn er denselben Betrag auch durch die Mindestrente bekommen könnte? Erfahrungsgemäß kann man nie sicher sein, dass wiederwahlorientierte Regierungen diese negativen Sparanreize auch tatsächlich durch institutionelle Regelungen verhindern. Es ist stattdessen höchste Zeit, die Kapital gedeckte Altersvorsorge jetzt endlich zu entbürokratisieren. Das gleiche gilt für die betriebliche Altersvorsorge.

Ich bin mir a priori nicht ganz sicher, ob die Mindestrente wegen der Vielzahl gleichzeitig existierender, wenig transparenter, teils aus kurzfristigem Wiederwahlinteresse eingeführter und deshalb nicht konsistenter Maßnahmen verteilungspolitisch wirklich die "First-Best"-Lösung zur Erreichung von wie auch immer definierter "Verteilungsgerechtigkeit" ist. Sicher ist: Altersarmut spielt in Deutschland derzeit noch kaum eine Rolle.

Der Anteil derer, die im Alter Anspruch auf bedarfsabhängige Leistungen haben, ist derzeit noch signifikant geringer als beispielsweise in Großbritannien. Dies liegt unter anderem an den familienpolitischen Leistungen, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten in die GRV eingebaut worden sind.

Diese Elemente sind in Großbritannien viel geringer ausgeprägt. Zukünftig dürfte jedoch Altersarmut, also eine wachsende Personenzahl mit einem Anspruch auf Mindestsicherungsleistungen im Alter auch für Deutschland ein zunehmendes Problem werden. Neben den Strukturveränderungen am Arbeitsmarkt und der allgemeinen Senkung des Rentenniveaus (z.B. durch den Nachhaltigkeitsfaktor) spielt hier auch die Absenkung der Ansprüche von Langzeitarbeitslosen bei Fortbestehen der Arbeitslosigkeit auf hohem Niveau eine Rolle.

Die First-Best-Maßnahme gegen diese Art an Altersarmut ist aber eine Senkung der Langzeitarbeitslosigkeit an sich, die in Deutschland immer noch ein Phänomen älterer Bevölkerungsgruppen darstellt.
Eine Mindestrente - dazu noch steuerfinanziert - dürfte nach Mehrheitsmeinung der Ökonomen keinen signifikanten Beitrag zur Senkung struktureller Arbeitslosigkeit liefern. Deshalb sehe ich die Mindestrente aus verteilungspolitischer Sicht als kritisch an.

 

Prof. Dr. Oliver Landmann, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Direktor der Abteilung für Wirtschaftstheorie:

Nein, sofern Teil einer allgemeinen Straffung der Transfersysteme in Richtung eines einfacheren, zielgenaueren sozialen Ausgleichs.

 

Nicole Rappl, HypoVereinsbank, Pressesprecherin:

Die Anrechung anderer Alterseinkünfte ist dringend erforderlich.

 

Prof. Dr. Karlhans Sauernheimer, Johannes-Gutenberg-Universität, Lehrstuhl für Allgemeine und Außenwirtschaftstheorie:

Wer 35 Jahre gearbeitet hat, muss mehr erhalten als jemand, der nichts eingezahlt hat.

 

Prof. Dr. Ulrich Blum, Institut für Wirtschaftsforschung Halle, Präsident:

Problematisch ist allenfalls die Kombination von Renten in Familien - aber die individuelle Unabhängigkeit der Partner wird so sehr betont, warum dann nicht auch hier. Positiver Anreiz wäre, da Leute auch bei kleinen Einkommen sparen, weil sie nicht riskieren, da es Ihnen bei ALG II angerechnet wird (Katona-These). Verteilungspolitisch ist das weitgehend neutral.

 

Prof. Dr. Gustav A. Horn, Hans-Böckler-Stiftung, Wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung:

Diese Maßnahme ist sinnvoll, da nur so auf  Dauer angesichts unstetiger Erwerbsbiografien und Niedrigstlöhnen Altersarmut vermieden wird. Zugleich stärkt sie den Anreiz in das gesetzliche Altersystem einzuzahlen. Finanziert werden müsste die Mindestrente über Steuern.


Prof. Dr. Lutz Arnold, Universität Regensburg, Lehrstuhl für Theoretische Volkswirtschaftslehre:

Es ist sinnvoll, den Steueranteil bei der Rentenfinanzierung zu erheben, um damit unselbständige Arbeit zu entlasten.

 

Prof. Dr. Ulrich van Suntum, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Lehrstuhl am Institut für Siedlungs- und Wohnungswesen:

Bei insgesamt sinkendem Rentenniveau kann die Akzeptanz des Systems nicht aufrechterhalten werden, wenn nicht der Versicherte auf jeden Fall im Alter besser steht als der Nicht-Versicherte. Noch besser als der Rürup-Vorschlag wäre eine rein steuerfinanzierte Sockelrente und die Abschaffung des beitragsfinanzierten Systems. Wer dann mehr als die Sockelrente haben will, muss dann privat vorsorgen oder länger arbeiten.

 

Prof. Dr. Robert Schwager, Georg-August-Universität Göttingen, Lehrstuhlinhaber für Finanzwissenschaft:

Die Grundsicherung gewährt bereits ein Mindesteinkommen. Warum sollen Alte mehr bekommen?

 

Dr. Boris Augurzky, Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V., Kompetenzbereichsleiter Arbeitsmärkte, Bevölkerung, Gesundheit:

Es ist unklar, wozu die Mindestrente dienen soll, wenn es schon die Sozialhilfe gibt, die das Existenzminimum absichert. Warum soll jemand Ansprüche bei der Rente erwerben, ohne entsprechend in das System eingezahlt zu haben?
Warum sollten andere Alterseinkünfte nicht angerechnet werden? Sollte jemand, der über andere Wege zu Vermögen kommt, aber kaum in die Rentenversicherung einzahlt, zusätzlich eine Mindestrente erhalten?

 

Prof. Dr. Thomas Straubhaar, Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut, Leiter und Geschäftsführer:

Erstmals hat nun damit auch der Sachverständigenrat klar gemacht, dass die Diskussion eines Mindesteinkommens in die richtige Richtung führt und mit einer Mindestrente zumindest schon einmal die Rentner ein Mindesteinkommen erhalten sollen, das aus Steuermitteln zu finanzieren ist. Wieso aber nur die Rentner? Der zweite Schritt zu einer allgemeinen, steuerfinanzierten Grundsicherung würde ermöglichen, das parallele Umverteilungssystem der Sozialen Sicherungssysteme vollständig abzuschaffen.

 

Prof. Dr. Meinhard Miegel, Institut für Wirtschaft und Gesellschaft IWG BONN e.V., Wissenschaftlicher Leiter:

Entweder die Rente bleibt leistungsgerecht oder es wird eine allgemeine, steuerfinanzierte Grundsicherung eingeführt. Der jetzige Vorschlag ist weder Fisch noch Fleisch. Typischer Politmurks.

 

Prof. Dr. Lars P. Feld, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Lehrstuhlinhaber für Finanzwissenschaft am Alfred-Weber-Institut:

Damit würde die Steuerfinanzierung des Rentensystems verstärkt und sein Äquivalenzcharakter weiter aufgehoben. Die dadurch sinkende Akzeptanz der Rentenversicherung hätte deutlich negative Auswirkungen.Verteilungspolitisch ist dieser Vorschlag deshalb kontraproduktiv, weil eine spezifische Gruppe, nämlich die älteren Mitbürger, spezifisch begünstogt würden.
Meines Erachtens sollte das Problem der Altersarmut innerhalb der allgemeinen Transfermechanismen zur Bekämpfung von Armut (also auch der Jüngeren) gelöst werden. Ältere sollten nicht gegenüber den Jüngeren bevorzugt werden.

 

Prof. Dr. Clemens Fuest, Universität Köln, Lehrstuhlinhaber für Finanzwissenschaft:

Staatlich garantierte Einkommen ohne begründete Anspruchsvoraussetzungen sind ein Fremdkörper in unserem Sozialsystem und verstoßen gegen das Subsidiaritätsprinzip.

 

Prof. Dr. Hermann Locarek-Junge, Technische Universität Dresden, Lehrstuhlinhaber für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Finanzwirtschaft und Finanzdienstleistungen:

Dies fordert zum Missbrauch geradezu heraus. Jeder Selbständige und jeder andere kann dann eine versicherungspflichtige Beschäftigung mit 1 Euro/Monat anmelden und erhält nach 35x12 Zahlungen von 1 Euro diese Rente.

 

Prof. Dr. Günter Franke, Universität Konstanz, Professur für Betriebswirtschaftslehre insbes. Internationales Finanzmanagement:

Wer Alterseinkünfte und Vermögen hat, braucht keine Rente.

 

Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Leiter des Instituts für Finanzwissenschaft I:

Alter ist kein Verdienst! Deshalb können wir nicht arme Alte anders behandeln als arme Junge und müssen bei der Bedürftigkeitsprüfung bleiben.

 

Prof. Dr. Jürgen von Hagen, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Lehrstuhlinhaber am Institut für International Wirtschaftspolitik:

Es handelt sich um einen Vorstoß in Richtung auf ein staatlich garantiertes Mindesteinkommen unabhängig von Arbeitsleistung. Dies mindert Anreize zum Verbleib in der aktiven Arbeitsbevölkerung und wird zwangsläufig die Kosten des Faktors Arbeit weiter erhöhen.

 

Prof. Dr. Walter Krämer, Universität Dortmund, Lehrstuhlinhaber für Wirtschafts- und Sozialstatistik:

Die Bereitschaft zur Eigenvorsorge sinkt.

 

Dr. Manfred Schweren, PRIVALOR Vermögens-Management AG, Vorstand:

Egal, welcher Arbeit ein Bundesbürger nachgeht, sie muss sich mehr lohnen als nicht zu arbeiten. Natürlich muss eine solche Rente auch finanzierbar sein, ohne die Leistungsträger zu stark zu belasten.

 

Prof. Dr. Siegfried Hauser, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Direktor der Abteilung für empirische Wirtschaftsforschung und Ökonometrie:

Das ganze Problem ist mit einem Bürgergeld besser zu lösen.

 

Prof. Dr. Wolf Schäfer, Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr Hamburg, Ehemaliger Inhaber des Lehrstuhls für Theoretische Volkswirtschaft:

Alle "leistungslosen" Ansprüche haben prinzipiell anreizinkompatible Wirkungen.

 

Prof. Dr. Michael Heise, Allianz Group und Dresdner Bank AG, Chefvolkswirt:

Mit der Mindestrente soll einer drohenden Ausweitung der Altersarmut begegnet werden. Geringverdiener haben weniger Anreize, sich der Mitgliedschaft in der Rentenversicherung z.B. durch Selbständigkeit oder Schwarzarbeit zu entziehen und größere Anreize zur privaten Altersvorsorge.
Allerdings kann es zu Mitnahmeeffekten mit perversen Verteilungswirkungen kommen. Um diese zu vermeiden, müsste erheblicher Kontrollaufwand betrieben werden. Zudem sind nicht unerhebliche zusätzliche Belastungen der öffentlichen Haushalte zu erwarten.

 

Dirk Althoff, Cortal Consors S. A., Leiter Unternehmenskommunikation Deutschland:

Der Ansatz konterkariert die Anreize zur Kapitalbildung, auch wenn die Umverteilungskomponente völlig richtig im Steuersystem angesiedelt ist.
Vielmehr sollten weitere Anreize zum Alterssparen auch für niedrige Einkommen geschaffen werden. Damit können tendenziell höhere Alterseinkünfte erreicht werden und zusätzlich positive Wachstumsimpulse entstehen.

 

Dr. Marco Bargel, Postbank AG, Chefvolkswirt:

Die Einführung einer solchen Mindestrente setzt unbedingt voraus, dass die Aufstockung der Leistung aus dem allgemeinen Steueraufkommen finanziert wird. Aus der gesetzlichen Rentenversicherung wäre eine Finanzierung ohne massive Beitragsanhebung nicht möglich. Ein verteilungspolitisches Problem entsteht allerdings dadurch, dass über Steuern auch Personen zur Finanzierung der Mindestrente herangezogen werden, die keinerlei Rentenleistung beziehen. Konsequent wäre es daher, die Mindestrente ganz aus dem System der gesetzlichen Rentenversicherung herauszulösen, diese vollständig aus Steuermitteln zu finanzieren und jedem eine Mindestrente zu zahlen. Diese könnte dann im Rahmen unterschiedlicher Zusatzsysteme individuell aufgestockt werden.

 

Dr. Alfred Boss, Institut für Weltwirtschaft Kiel, Forschungsbereich Wohlfahrtssystem:

Es gibt bereits eine Mindestrente in Form der Grundsicherung im Alter (früher: Sozialhilfe).

FRAGE:

Unter Experten wächst angesichts stark gestiegener Rohstoffpreise, sinkender Immobilienpreise und entsprechend eingetrübter Konjunkturaussichten die Furcht vor einer Stagflation in den USA. Teilen Sie diese Einschätzung?
Wie sollte die US-Notenbank auf die Konjunktureintrübung und mögliche Stagflationsszenarien reagieren? Sollte die Fed angesichts dieser Entwicklung die Zinsen stabil halten, senken oder anheben?

 

Wolfgang Pflüger, Berenberg Bank, Chef- Volkswirt:

Stagflation ist ein äußerst seltenes Phänomen. Die relativ stabile  Kernrate zeigt, dass Inflation zumindest noch kein unbeherrschbares Problem darstellt. Die rezessiven Entwicklungen der kommenden zwei bis drei Quartale dürften die Energie- und Rohstoffpreise auf ein Niveau zurückführen, dass mit einer deutlichen Beruhigung der Verbraucherpreise ab dem 3./4. Quartal einhergehen dürfte.


Jochen Intelmann, Haspa, Chefvolkswirt:

Die Fed unter Leitung von Bernanke handelt genau so wie unter Greenspan: Im Zweifel für die Konjunktur. Bei gleichzeitig auftretenden Risiken für die Preisstabilität und für die Konjunktur werden die Inflationsbefürchtungen in den Hintergund gedrängt. Maßnahmen zur Wirtschaftsbelebung haben Vorrang. Ich gehe davon aus, dass die Fed Ende Januar den Leitzins noch einmal senken wird. Weitere Zinsmaßnahmen dürften jedoch nicht als selbstverständlich betrachtet werden, sondern von der weiteren Entwicklung der US-Frühindikatoren abhängen. Es wird keine länger anhaltende Phase der Stagflation geben. Die Inflationsraten werden sich voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte wieder zurückbilden. Zudem werden Notenbank und Regierung alles Mögliche in die Wege leiten, um die US-Konjunktur im Wahljahr 2008 auf Kurs zu halten.

 

Dr. Roland Döhrn, Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V., Leiter des Kompetenzbereichs "Wachstum und Konjunktur":

Eine akute Stagflationsgefahr sehe ich nicht. Aufgrund der sinkenden gesamtwirtschaftlichen Kapazitätsauslastung besteht bei den Zinsen aber noch Spielraum nach unten, zumindest solange die Finanzmärkte noch verunsichert sind. Jedoch sollte die Fed nicht überziehen. Denn die expansive Geldpolitik nach der Russlandkrise und dem 11. September dürfte nicht schuldlos an den augenblicklichen Problemen sein.

 

Prof. Dr. Ansgar Belke, Universität Duisburg-Essen, Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Makroökonomik:

Uns beschäftigt zur Zeit natürlich die Rolle der Geldpolitik in der aktuellen „Subprime“-Krise mit ihrer internationalen Dimension. Wie wir alle wissen, haben Kreditausfälle in dem Teil des US-Hypothekenmarktes für schlechte Schuldner, d.h. wenig besichert Hypotheken („Subprime“), den internationalen Kreditboom vorerst beendet. Dabei drängen sich unweigerlich Parallelen zur Long-Term Capital Management (LTCM)-Krise in den USA auf, in der Greenspan die US-amerikanischen Hedge-Fonds „heraushaute“ (ein so genanntes Bail-out). Wieder einmal zeigt sich in diesen Tagen, dass eine zu expansive Geldpolitik letztlich der von einigen Gewerkschaften und ihren Ökonomen immer noch beschworenen „Kapitalseite“ und nicht der „Arbeitnehmerseite“ zugute kommt. Dies ist – wie es jüngst ein Kommentator zu Recht ausdrückte - die recht „hässliche Fratze“ einer zu laxen Geldpolitik.

Im Zusammenhang mit den erheblichen Gewinnen, die die Banken und Private-Equity-Finanzinvestoren in den letzten Jahren erzielt haben, und angesichts der immer noch vorhandenen Finanzkraft vieler US-amerikanischer Banken dürften diese die gegenwärtige Situation auch ohne weitere expansive Impulse der Notenbanken gut überstehen. Ähnliches gilt aus Sicht Eurolands beispielsweise für die Deutsche Bank, bei der die Krise an den Finanzmärkten im Gegensatz zu anderen Großbanken wie UBS und HSBC offensichtlich keine substanzgefährdenden Spuren hinterlässt, im Gegenteil: spätestens seit dem überraschenden Gewinnsprung im zweiten Quartal 2007 trotz zuvor nachgebender Aktienkurse gilt die Bank als Profiteur der Krise auf dem fallenden US-amerikanischen Hypothekenmarkt. Zur Begründung verweisen nicht zuletzt die Rating-Agenturen wie Moodys darauf, dass die für die Stabilität des Finanzsystems insgesamt zentralen Großbanken über deutlich mehr Eigenkapital verfügen als von den Aufsichtsbehörden vorgeschrieben und zuletzt hohe Milliardengewinne erzielten. Schlimmer sieht es hingegen aus nationaler Sicht unter anderem am Finanzplatz Düsseldorf mit der IKB und der WestLB aus.

Entscheidend ist aber: ohne das viel zu niedrige Zinsniveau auch und gerade in den USA hätte es den ausschweifenden Boom des Finanzsektors gar nicht gegeben. Wie nachträglich durchgeführte Schätzungen des Produktionspotenzials deutlich zeigen, war die recht lockere Ausrichtung der Geldpolitik der Fed auch nicht aus konjunkturellen Gründen geboten.

Gekoppelt mit einem möglichen Versagen der Finanzmarktaufsicht mit ihren zu viel zu günstigen Ratings für das Subprime-Hypothekensegment, wirkten die niedrigen Zinsen letztlich verheerend. Deshalb sollte beim aktuellen Krisenmanagement gerade die Frage nach der Legitimität einer von den Finanzmärkten leider erwarteten weiteren Leitzinssenkung in den USA und einer bedauerlicherweise ausgebliebenen Erhöhung im Euroraum die dominierende Rolle spielen.

Es ist bedauerlich, wenn sich die Aktienmärkte gegenwärtig nur deshalb erholten, weil die Marktteilnehmer hoffen, dass die Fed den Leitzins weiter senken wird. Denn Zinssenkungen bei früheren Finanzkrisen waren nachweislich schuld an dem Liquiditätsüberhang, der den Märkten jetzt zu schaffen macht. Die Fed hat noch unter Führung Alan Greenspans zu lange zu viel Liquidität in die Wirtschaft gepumpt und damit nicht nur die Verbraucherpreisinflation, sondern auch die Vermögenspreisinflation und den den Häuserboom angetrieben. Zwischen 2001 und 2006 hat sie nicht nur den Leitzins von 6,5 auf 1 Prozent gesenkt, sondern auch das historisch niedrige Zinsniveau noch beibehalten, nachdem die Konjunkturprobleme schon überwunden waren. Vor allem trägt sie eine Mitverantwortung dafür, dass Baukredite zu aberwitzig günstigen Konditionen – kein Eigenkapital, keine Tilgung – selbst an die Schuldner vergeben wurden, die nachweislich eine schlechte Bonität aufwiesen. Auch bei der Bankenaufsicht hat die Fed keine gute Figur abgegeben. Die US-Hypothekenkrise ist demnach aus Sicht der Geldpolitik zu einem gerüttelt Maß
hausgemacht.

Dass die Fed unter Führung von Ben Bernanke, der noch zeigen muss, dass er die Spuren Greenspans nachhaltig füllen kann, den Leitzins im Spätsommer zunächst unverändert gelassen hat und anfangs nur den Diskontsatz verringert hat, deutete fälschlicherweise an, dass die Fed hieraus gelernt haben könnte. Viele scheinen vergessen zu haben: noch Anfang März merkte Ben Bernanke, der Chef der Fed, vor dem amerikanischen Kongress an, dass sich die Hypothekenkrise wahrscheinlich bereits erledigt habe. Dies stand in auffälligem Kontrast zum Präsidenten der EZB, Jean-Claude Trichet, der zu demselben Zeitpunkt bereits korrekterweise eine Neubewertung der Risiken an den internationalen Finanzmärkten voraussah. Die bessere Prognose des EZB-Stabs lag wohl an der eingehenden Analyse der Geldmengen- und Kreditentwicklung zur Prognose der Vermögenspreisentwicklung.

Es kann einfach nicht die Aufgabe der Währungshüter sein, Investoren vor Fehlentscheidungen zu bewahren oder ihnen mit billigem Geld aus der Klemme zu helfen. Eine Leitzinssenkung käme vor diesem Hintergrund einer Sozialisierung von risikobedingten Verlusten der Banken und der Private Equity-Finanzinvestoren und der Hedge Fonds gleich, die sicherlich nicht bei einer niedrigen Rendite von nur fünf Prozent auf die hochspekulativen Immobilienkreditgeschäfte eingegangen wären. Zukünftige Tagflationen wären bei einer weiteren Zinssenkung vorprogrammiert. Die gar nicht beteiligten Bürger und Bürgerinnen der USA und in der Folge auch die der Eurozone müssten hierfür mit einer nicht zu knappen Inflationssteuer bezahlen.

Dies wird im gegenwärtigen Vorwahlkampf in den USA durch Versprechen spezifischer Transfers an die armen Häuslebesitzer nur kaschiert. Es bleibt abzuwarten, ob Gewerkschaften und andere Vertreter von Arbeitnehmerinteressen dies rechtzeitig erkennen und sich entschieden gegen einen derartigen geldpolitischen Kurs einsetzen.

 

Prof. Dr. Oliver Landmann, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Direktor der Abteilung für Wirtschaftstheorie:

Vieles spricht dafür, dass der USA eine deutliche Abkühlung der Konjunktur ins Haus steht, für deren Vermeidung Zinssenkungen heute sogar bereits zu spät kämen. Damit verringert sich auch das Risiko, dass die Rohstoffpreise nachhaltig die Binneninflation anheizen.

 

Dr. Hans Jäckel, DZBank, Leiter Volkswirtschaft:

Wir erwarten nur eine vorübergehende Wachstumsverlangsamung in den USA. Ich störe mich an dem inflationären Gebrauch des Begriffs "Stagflation". Zinsen schnell senken, und nach Überwindung der Krise auch wieder rechtzeitig anheben!

 

Prof. Dr. Ulrich Blum, Institut für Wirtschaftsforschung Halle, Präsident:

Die Fed hat ihre Munition doch schon verschossen - die wenigen Basispunkte bringen auch nichts mehr - und ein weiteres Absinken des Dollars ist wegen importierter Inflation riskant.

 

Prof. Dr. Gustav A. Horn, Hans-Böckler-Stiftung, Wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung:

Die Finanzmarktkrise hat auf Dauer realwirtschaftliche Verwerfungen zur Folge, die die Fed mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen sollte.

 

Prof. Dr. Ulrich van Suntum, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Lehrstuhl am Institut für Siedlungs- und Wohnungswesen:

Wir erleben den klassischen Fall eines drohenden Zusammenbruchs des Kreditsystems. Hier muss schnell und entschlossen gegengesteuert werden, soll es nicht so enden wie in den 1930er Jahren!

 

Volker Hofmann, Bundesverband deutscher Banken, Volkswirtschaft, EU-Politik und internationale Beziehungen:

Probleme sind in der Tat sowohl im Hinblick auf konjunkturelle Entwicklung als auch bezüglich der Preisniveaustabilität vorhanden. Furcht vor einer Stagflation ist allerdings überzogen. Bei einer weiteren deutlichen Abschwächung der US-Konjunktur dürfte auch der Preisauftrieb wieder etwas abflauen. Zudem ist eine weiteres Absacken des Dollar-Wechselkurses - das die Preisrisiken natürlich weiter erhöhen würde - längst keine ausgemachte Sache, denn die letzten Wochen haben gezeigt, dass umfangreiche Kapitalzuflüsse in die USA auftreten können ("günstige Investitionsmöglichkeiten für Ausländer"), die den Dollar stützen würden.

Fazit: Konjunkturelle Sorgen ja, hartnäckige Inflationssorgen jedoch weniger. Deswegen wären auch weitere, an den konjunkturellen Perspektiven orientierte Zinssenkungen möglich.

 

Prof. Dr. Thomas Straubhaar, Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut, Leiter und Geschäftsführer:

Nein für 2008, weil jetzt noch die fiskalpolitischen Sündenfälle der Bushregierung ein positives Strohfeuer zünden, aber ja für später also für die Zeit ab 2009, wenn das Strohfeuer erloschen sein wird und die strukturellen Folgen hoher Defizite, hoher Liquiditätsversorgung durch die Geldpolitik, die Kosten des Irak-Krieges, des kranken Gesundheitswesens, des vernachlässigten Bildungssektors usw. durchzuschlagen beginnen.

 

Prof. Dr. Hermann Locarek-Junge, Technische Universität Dresden, Lehrstuhlinhaber für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Finanzwirtschaft und Finanzdienstleistungen:

Senkung der Zinsen bedeutet u.a., dass die Verursacher der Krise letztlich nun noch durch billiges Geld von der Gemeinschaft belohnt werden. Dies hat für die Zukunft negative Effekte: Risiken werden viel leichter eingegangen, wenn man davon ausgehen kann, dass der Staat letztlich dafür aufkommt. Siehe analog auch Hurrikans, Überflutung und andere "Katastrophen": Wer wird sich noch selbst versichern wollen, wenn den anderen Betroffenen auch ohne Versicherung geholfen wird?

 

Prof. Dr. Joachim Scheide, Institut für Weltwirtschaft Kiel, Leiter Prognose-Zentrum, Zentrum Bildungsprogramme:

Die Konjunktur in den USA muss sich ohnehin abschwächen, denn sie wurde in den vergangenen Jahren durch zu niedrige Zinsen und entsprechend hohe Bauinvestitionen (Überinvestitionen) zu stark geschoben. Das war keine nachhaltige Situation. Wenn man die Korrektur nicht will und deshalb die Zinsen drastisch senkt, verschiebt man das Problem und riskiert mehr Inflation.

 

Prof. Dr. Jürgen von Hagen, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Lehrstuhlinhaber am Institut für International Wirtschaftspolitik:

Die Selbstüberschätzung der Geldpolitik hat bereits jetzt zu der aktuellen Krise an den Finanzmärkten beigetragen. Jeder weitere Versuch zur Feinsteuerung durch Geldpolitik wird längerfristig weitere Kosten in Form von Turbulenzen an den Finanzmärkten nach sich ziehen.

 

Prof. Dr. Walter Krämer, Universität Dortmund, Lehrstuhlinhaber für Wirtschafts- und Sozialstatistik:

Jede Blase muss eines Tages platzen.

 

Dr. Manfred Schweren, PRIVALOR Vermögens-Management AG, Vorstand:

Der amerikanische Verbraucher ist der Schlüssel zum Wirtschaftswachstum in den USA. Er benötigt für eine positive Konsumstimmung die Geldillusion. Wenn durch enttäuschte Erwartungen auch noch die Finanzmärkte gen Süden gehen, wird  er keinen Anlass und auch keine finanziellen Mittel haben, seine bisherigen Konsumgewohnheiten beizubehalten. So kann zumindest kurzfristig die Stagnation verhindert werden. Etwas mehr Inflation kann vielleicht gar nicht schaden, um sämtlichen Schuldnern im Land etwas unter die Arme zu greifen. Langfristig muss allerdings die gesamte Finanzplanung der USA neu geordnet werden, denn solide geht anders.

 

Prof. Dr. Siegfried Hauser, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Direktor der Abteilung für empirische Wirtschaftsforschung und Ökonometrie:

Ich sehe keine Stagflationstendenzen, die sind nur herbeigeredet!

 

Prof. Dr. Johannes Schneider, Katholische-Universität Eichstätt-Ingolstadt, Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftstheorie:

Weitere Zinssenkungen alimentieren die Inflation. Sie reduzieren die mittelfristigen Handlungsmöglichkeiten der FED und untergraben langfristig die Reputation des US-Dollars.

 

Prof. Dr. Wolf Schäfer, Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr Hamburg, ehemaliger Inhaber des Lehrstuhls für Theoretische Volkswirtschaft:

Die gegenwärtige und daraus folgende zukünftige Krisenentwicklung ("Subprime-Krise") ist vornehmlich die Folge der jahrelangen Politik des leichten Geldes der FED. Eine Fortführung dieser Politik durch eine weitere Zinssenkung würde abermals den Grundstein für eine Verlängerung der Krise anstelle ihrer Entschärfung legen.

 

Prof. Dr. Michael Heise, Allianz Group und Dresdner Bank AG, Chefvolkswirt:

Die aktuelle Entwicklung in den USA mag einer Situation ähneln, die mit dem Schlagwort Stagflation umschrieben wird. Allerdings gibt es keine Anzeichen dafür, dass der Inflationstrend nachhaltig nach oben weisen könnte. So bleiben etwa die anhand indexierter Staatsanleihen gemessenen Inflationserwartungen verhalten. Auch finden sich in der Lohnentwicklung keine Indizien für eine aufkeimende Lohn-/Preisspirale. Vielmehr erscheint es wahrscheinlich, dass mit einer Phase unterdurchschnittlichen Wachstums auch der Preisauftrieb tendenziell nachlassen wird. Insoweit sehen wir Spielraum für die US-Notenbank mit weiteren Leitzinssenkungen auf die Konjunkturabschwächung zu reagieren.

 

Dirk Althoff, Cortal Consors S. A., Leiter Unternehmenskommunikation Deutschland:

Es ist nicht die Aufgabe der Notenbank die Konjunktur zu stabilisieren, das kann sie in der Regel auch nicht. Deshalb sollte auch in den USA die Inflationsbekämpfung erste Priorität haben.

 

Dr. Marco Bargel, Postbank AG, Chefvolkswirt:

Eine länger anhaltende Stagnation der US-Wirtschaft ist nicht zu befürchten, da die Schwäche der Binnennachfrage durch einen verbesserten Außenbeitrag abgefedert wird. Die negativen Effekte schrumpfender Wohnungsbauinvestitionen werden in 2008 allmählich auslaufen. Dabei wird die Inflation allerdings hoch bleiben, so dass für die US-Notenbank kein Spielraum für größere Leitzinssenkungen besteht.

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