€uro am Sonntag Spezial

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€urams-Exklusiv: Microsoft will Internet-Musikdienst nach Europa bringen
14.12.2007

Der Software-Konzern Microsoft plant trotz des Erfolgs von Apples iPhone kein eigenes Handy, sagte Pieter Knook, Chef des Geschäfts rund um Microsofts Handy-Betriebssystem Windows Mobile.

Microsoft sieht große Wachstumschancen im Markt für Push-Mail, also mobilen E-Mail-Empfang in Echtzeit. Alleine bei Firmenkunden gebe es noch rund 360 Millionen E-Mail-Konten ohne mobilen Zugriff, sagte Knook im Interview mit €uro am Sonntag.

€uro am Sonntag: Herr Knook, vor gut sechs Wochen hat Google Android vorgestellt, eine Entwicklungsplattform für Handy-Betriebssysteme auf Linux-Basis. Die Software ist offen für jedermann und kostenlos. Das ist ein weiterer Angriff auf Microsoft. Beunruhigt?
Pieter Knook: Googles Vorstoß ist nicht neu. Es gab im Vorfeld immer wieder Versionen anderer Anbieter auf Basis des kostenlosen Linux-Betriebssystems. Aber für die meisten Handyhersteller und Mobilfunk-Betreiber hängt der Preis für ein Gerät nicht am Betriebssystem, sondern an den Integrationskosten der unterschiedlichen Anwendungen auf dem Gerät. Eines unserer Hauptdifferenzierungsmerkmale bei Windows Mobile ist ja gerade, dass wir eine Menge unterschiedlicher Anwendungen bereits integriert haben. Denken Sie nur an den Media Player, Suchfunktionen oder Office-Anwendungen wie Outlook. Das ist bei uns alles drin. Insofern sehen wir Android sehr gelassen.

€uro am Sonntag: Aber hinter Android steht immerhin eine Allianz aus über 30 Industrie-Vertretern, darunter Branchen-Schwergewichte wie Samsung, Motorola oder die Deutsche Telekom. Machen Sie es sich da nicht ein bisschen zu einfach?
Knook: Wir haben in der Vergangenheit ähnliche Vorstöße gesehen. Es gab Konsortien mit Motorola, mit DoCoMo und mit anderen großen Namen. Insofern ist das kaum der große Durchbruch.

€uro am Sonntag: Der taiwanesische Handyhersteller HTC ist einer Ihrer wichtigsten Partner. HTC hat bislang praktisch ausschließlich auf Windows Mobile gesetzt und ist nun auch bei Android dabei. Enttäuscht?
Knook: HTC gehört nicht Microsoft. Es ist eine eigenständige Firma, mit eigenständigen Entscheidungen und es gibt keine Exklusivitätsvereinbarung. Wir akzeptieren, dass sie sich entschieden haben, auch mit anderen Firmen wie Google zusammen zu arbeiten. Davon abgesehen: Wir haben gemeinsam mit HTC großen Erfolg. Alleine in dieser Weihnachtssaison haben wir mehr Handies auf der Windows Mobile Plattform verkauft als je zuvor und wir haben eine Reihe ganz heißer neuer Geräte. Insofern ist unser Verhältnis zu HTC sehr stark und wird stark bleiben.

€uro am Sonntag: Ende Juni hat Apple in den USA das iPhone gestartet. Seit Anfang November ist es auch in Deutschland verfügbar. Spüren Sie den neu entstehenden Wettbewerb?
Knook: Das iPhone ist ein wunderbares Gerät. Aber wir haben auf unserer Plattform Hotmail, Instant Messaging und andere Anwendungen integriert. Und davon abgesehen: Es ist im Vergleich mit anderen Produkten auf Windows Mobile-Basis so teuer, dass wir nicht in denselben Märkten sind. Insofern spüren wir das nicht.

€uro am Sonntag: Apple hat mit iPods angefangen, später die Telefon-Funktion drauf gesetzt und fertig war das iPhone. Microsoft hat auch einen MP3-Player namens Zune. Werden Sie einen ähnlichen Weg gehen und den Zune zum iZune aufrüsten?
Knook: Über den Zune können Nutzer in den USA auf den Zune-Music-Service zugreifen. Die Plattform hat zwei Komponenten: Den Musikvertrieb und die Community rund ums Thema Musik. Das unterscheidet uns von anderen Angeboten. Vor einem Monat haben wir den Kauf des französischen Unternehmens Musiwave angekündigt, einen Spezialisten für Musik-Downloads. Zu den Kunden gehören viele Mobilfunk-Unternehmen wie etwa T-Mobile. Die Übernahme erlaubt es uns, unsere Musik-Vertriebsmöglichkeiten regional zu erweitern, nicht nur in den USA, sondern auch in Europa und dann auch dort Downloads und Marktplätze anbieten.

€uro am Sonntag: Also kein iZune?
Knook: Das Handy-Geschäft ist komplett anders als das Musikplayer-Geschäft. Wir haben sehr starke Partner im Handy-Geschäft wie Samsung, Motorola, LG oder HTC. Solange wir das Gefühl haben, dass das alles läuft, sehen wir dafür keine Veranlassung.

€uro am Sonntag: Vor gut einem Jahr hat Vodafone sich entschieden, künftig nur noch drei Mobilplattformen zu unterstützen: Symbian, Windows und Linux. Ist das ein Modell auch für andere Carrier?
Knook: Wir sehen in der Tat ähnliche Bestrebungen auch bei anderen Carriern wie etwa Orange. Das ist auch nahe liegend. Denn bislang ist es doch so: Sie brauchen für Anwendungen, die auf unterschiedlichen Handies laufen sollen, praktisch jedes Mal eine Anpassung der Software. Das ist aufwendig und teuer. Wenn die Operator jenseits von Sprache oder SMS immer mehr Leistungen anbieten wollen wie Videos, Spiele, oder E-Mail, dann kommen sie um eine Standardisierung kaum umhin. Das kommt uns zugute.

€uro am Sonntag: Offensichtlich. In den vergangenen Jahren hat Microsoft den Umsatz mit Windows Mobile regelmäßig verdoppeln können. Wie lange können Sie dieses Tempo noch durchhalten?
Knook: Wir wollen im laufenden Jahr 20 Millionen Lizenzen verkaufen. Von da auf 40 Millionen zu kommen, wird härter, keine Frage. Andererseits läuft der Trend in unsere Richtung. Die Nutzer verstehen die Vorteile von Software. Mobilfunk-Betreibern sehen die Vorteile von Standardisierungen, bei Handy-Herstellern ist das ähnlich. Und der gesamte Smartphone-Markt wächst. Insofern ist eine Verdopplung nicht unerreichbar. Aber ich will dazu noch keine Prognose abgeben. Nur so viel: Wir sind in der Vergangenheit schneller als der Markt gewachsen. Ich erwarte, dass wir weiter schneller wachsen als der Markt.

€uro am Sonntag: Der Markt für Push-Mail, also E-Mailempfang in Echtzeit, gehört zu den derzeit interessantesten Märkten. Das Geschäft ist von Research in Motion begründet worden, das vor allem für seine Blackberry-Geräte bekannt ist. Sie sind inzwischen auch in diesem Markt unterwegs. Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Knook: Oh, gemessen an der Anzahl der Geräte sind wir deutlich vor RIM und wir wachsen schneller als sie. Schauen Sie: Es gibt weltweit alleine bei Unternehmen 500 Millionen E-Mail-Konten. Gerade mal 30 bis 40 Millionen davon haben irgendeinen mobilen Zugang. Unser Marktanteil liegt bei 15 bis 20 Millionen Nutzern. Da sind wir ganz gut dabei.

Von Thomas Schmidtutz

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