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16.10.2007 | Euro Archivbericht | Ausgabe 11/07

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Der Taschenspieler

Tennis ist seine Leidenschaft, Taschen sind sein Geschäft.

Eigentlich macht Axel Bree auf dem Tennisplatz genau das, was ihn auch als Geschäftsmann auszeichnet. Analysieren. Den Gegner ins Visier nehmen, taxieren. Und dann eine Strategie festlegen. „Ich bin eher ein defensiver Typ“, behauptet der jugendlich wirkende, schlaksige 39-Jährige, bevor er den Ball übers Netz schlenzt. „Aber ich habe ein paar Schläge gelernt, die das ausgleichen.“ Den Slice beispielsweise. Ein Schlag, der zunächst „vollkommen harmlos aussieht“. Doch wenn er richtig platziert aufkommt, springt der Ball ganz flach weg. Dann verwandelt sich ein defensiv gespielter Ball in einen offensiven Schlag. „Sehr wirksam“, grinst Bree und blickt zufrieden seinem Tennispartner hinterher, der dem sich leise wegdrehenden Ball nachhechtet. Doch Matchgegner Bogdan George verkraftet den verlorenen Punkt. Lobt sogar. Denn der gebürtige Kroate ist nicht nur Brees Tennispartner, er ist seit 30 (!) Jahren auch sein Coach. Doch den Zuspruch braucht Bree heute gar nicht. Er ist ohnehin bester Laune. Seine Lebensfreude kann selbst der verregnete Herbstmorgen nicht eintrüben. Der schickt seine Wolken so tief über die Halle des TSC Hannover-Isernhagen, dass man sie mit den Händen greifen kann.

„Der Axel war immer schon sehr schlagfertig und sehr selbstbewusst“, sagt George. „Der hätte auch Profi werden können.“ Der Gepriesene drischt derweil weiter ungerührt die Bälle übers Netz. Wirklich interessiert hat ihn nie, ob er das Zeug zum Profi hat. Denn statt Kraft raubendem Training auf dem Tennisplatz widmete er sich lieber anderen Dingen. Zunächst „Mädchen, Partys, solche Sachen.“

Die Aufmerksamkeit des Tennisspielers

Inzwischen widmet sich das Tennis-Talent sinnvolleren Dingen. Seit 2001 leitet er gemeinsam mit seinem dreieinhalb Jahre jüngeren Bruder Philipp den Lederwaren- und Taschenhersteller mit dem Familien-Label. Der ältere ist fürs Marketing, den Außenauftritt und die Expansion zuständig, der jüngere fürs Design. Die Konkurrenz ist groß. Nicht nur gegen die direkten Wettbewerber – die deutschen Produzenten Aigner, der US-Hersteller Mandarina Duck oder das italienische Unternehmen Furla – muss sich Bree behaupten. Auch die großen Modehäuser wie Esprit oder Hennes & Mauritz mischen im Taschen-Geschäft mit. Mit der Aufmerksamkeit des Tennisspielers hat Bree die Branche analysiert. Und referiert in markigem Marketing-Deutsch, was die „Alleinstellungsmerk- male“ des in Hannover- Isernhagen ansässigen Unternehmens sind: Materialinnovationen, Qualität in der Verarbeitung und Funktionalität im Design. Rund 50 Millionen Euro Umsatz macht das Familienunternehmen heute, die rund 400 Teile umfassende Kollektion wird in 20 Länder weltweit verkauft.

Längst ist der Mittelständler nicht allein auf Leder festgelegt. Lkw-Plastikplane, Filz, Gummi – die Materialpalette ist breiter geworden. Ein Trend zum Unkonventionellen also, den bereits der Vater lostrat: Unternehmensgründer Wolf Peter Bree. So stammt die Idee zu der aus LKW-Plane entwickelten Taschenserie Punch noch aus den Zeiten von Bree senior. Als der 1996 überraschend 51-jährig an einem Herzinfarkt starb, hinterließ er einen „wild gewachsenen Betrieb“, zugeschnitten auf einen „genialen Mann an der Spitze, der alles selbst machte“, sagt Axel Bree. Jetzt aber waren Strukturen und eine klare Strategie notwendig, sollte die Firma nicht ins Schlingern geraten. Die zwar willigen, aber noch unerfahrenen Bree-Brüder durften zunächst nicht ans Ruder. Ein Verwaltungsrat, in dem auch TUI-Chef Michael Frenzel, Schokoladen-Fabrikant Axel Leysieffer und Jochen Hahne, Chef des Büromöbelherstellers Wilkhahn, saßen, beschloss die Nachfolge-Generation erst mal auf ihre Eignung hin zu prüfen. Fünf Jahre lang. Die Prüfung haben sie bestanden. „Axel hat alte Zöpfe abgeschnitten“, lobt Leysieffer heute, „nicht profitable Geschäfte wie das in den USA aufgegeben und die Marke durch Farben und Muster konsequent verjüngt.“

Dass Axel Bree überhaupt mal ins Familienunternehmen einsteigen würde, war nicht geplant. „Ein erfolgreicher Vater ist für Söhne nicht immer ganz einfach.“ Überall, wo er hinkam, war er der Sohn von Wolf Peter Bree, der 1970 mit nicht einmal 10?000 Mark Startkapital in der Tasche das schnell florierende Lederwaren-Unternehmen gegründet hatte. Und nur als Sohn gesehen zu werden, war dem ambitionierten Junior viel zu wenig. Deshalb entschied er sich, erst mal eigene Berufserfahrungen beim Türklinkenhersteller FSB zu sammeln, um später in die Firma zu kommen. „Auf Augenhöhe.“ Der frühe Tod des Vaters vereitelte das. Doch die Affinität zum Geschäft war da. Nicht zuletzt durch prägende Kindheits-Eindrücke. „Der erste Geruch, den ich wahrgenommen habe, war der von Leder“, erinnert sich Axel Bree. „Ich habe auf Lederkopfkissen auf der Wohnzimmercouch geschlafen, mein erster Spielplatz war das Lederlager im Keller unseres Hauses.“ Innovation ist zwar ein Muss im Hause Bree. Aber die schließt Flops nicht aus. Eine leuchtende Damentasche etwa, von der Presse hochgejubelt, fiel vor vier Jahren bei der weiblichen Kundschaft gnadenlos durch. „Zu technisch“, resümiert Bree. Und von Punch, der aus Lkw-Plane gefertigten Tasche, wurden 1996, im Jahr der Einführung gerade mal ein paar Hundert Stück verkauft. Heute sind es mehrere 10 000. Jedes Jahr.

„Wenn es klappt, ist es eine Mischung aus Zeitgeist und Glück“, schließt Bree daraus und zeigt mit dem Tennisschläger auf das jüngste Mitglied der Punch-Linie: ein Rollkoffer aus Plane in Zebraoptik. In diesem Koffer schleppt Bree seine Tennis­utensilien mit sich. Spielt er gegen seinen Bruder, stehen zwei Zebra-Koffer am Spielfeld-Rand. Und zwei gleich starke Gegner auf dem Feld. Tennis, Golfen, Fußball – Sport war, neben dem Geschäft, immer das Thema in der Familie. Komplette Wochenenden verbrachten die Brüder mit dem Vater auf dem Tennisplatz, ernsthaft wurde um den ersten Platz im familieninternen Ranking gekämpft. Heute sieht Bree das gelassener. Mit seinem Bruder finden die Matches „auf Augenhöhe“ statt. Mal gewinnt der eine, mal der andere. Aber „als Team“, grinst Bree, „sind wir unschlagbar.“

Im Berufsleben können die Brees diese geballte Kraft sicher gut gebrauchen.


Eine Sekunde noch, Herr Bree …

€uro: Ihr erstes selbst verdientes Geld und was haben Sie damit gemacht?
Bree: Mit elf oder zwölf habe ich meine Karriere bei Bree begonnen, als Kartonzerschläger. Es gab noch keine Papierpresse, die Kartons lagen alle auf einem Haufen und die mussten gefaltet werden, ich habe mir einen Sport daraus gemacht, sie Kung-Fu-mäßig zu zerschlagen. Mit dem Geld habe ich erst Spielsachen gekauft, später dann Reisen finanziert.

€uro: Was würden Sie mit zehn Milliarden Euro machen?
Bree: Diese Summe ist für einen allein viel zu viel. Da würde ich auf jeden Fall einen großen Teil in wohltätige Projekte für Kinder stecken. Einen Teil würde ich versuchen zu erhalten und zu vermehren.

€uro: Was ist für Sie eine Versuchung?
Bree: Mich zurückzulehnen und den lieben Gott eine guten Mann sein lassen. Entspannung.

€uro: Ihr Vorbild?
Bree: Kein konkretes. Viele Aspekte von vielen unterschiedlichen Personen, die ich kennengelernt habe. Ein Michael Schumacher beispielsweise, der sehr diszipliniert seinen Job angegangen ist, hat auch andere Züge, die mir nicht so gut gefallen.

€uro: Was ist Glück?
Bree: Mit den Töchtern Barbie spielen, das ist totales Glück.

€uro: Ihr Lebenstraum?
Bree: Unabhängigkeit.


VITA
Axel Bree, 39, studierte Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein. Anschließend war er Assistent der Geschäftsführung beim Türklinkenhersteller Franz Schneider im nordrhein-westfälischen Brakel. Nach dem Tod des Vaters und Firmengründers Wolf-Peter Bree 1996 übernahm zunächst ein externer Manager die Leitung. Seit 2001 führt Bree mit seinem Bruder das Familienunternehmen, das rund 50 Millionen Euro Umsatz macht. Die gesamte Produktion ist an Zulieferer ausgelagert, den internationalen Vertrieb übernehmen Franchise-Nehmer und Importeure vor Ort. Mit Materialinnovationen wie der aus LKW-Plane gefertigten Produktserie Punch und Taschen aus Filz versucht der Mittelständler, seinen Platz in der Branche zu behaupten. Axel Bree ist verheiratet, seine beiden Töchter sind drei und zehn Jahre alt.

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