18.05.2011 | Euro Archivbericht | Ausgabe 06/11

Rheinmetall-Chef im Interview: Haben Sie Waffen an Gaddafi geliefert?

Rüstungsgeschäfte sind in Deutschland umstritten. Klaus Eberhardt, Vorstandschef des Wehrtechnikkonzerns Rheinmetall im Interview mit €uro, über Politik, Waffenexporte und Wachstumspläne.
Klaus Eberhardt, Vorstandschef des Wehrtechnikkonzerns Rheinmetall im Interview mit Wolfgang Ehrensberger und Mario Müller-Dofel, Euro.

Euro: Herr Eberhardt, als Chef eines Rüstungskonzerns sind Sie vielen Deutschen suspekt. Mit Waffen werden schließlich auch Menschen getötet. Stören Sie die Vorbehalte?
Klaus Eberhardt:
Ich bin natürlich unzufrieden damit, dass es in der Bevölkerung extreme Vorbehalte gibt. Zumal die deutsche Rüstungsindustrie maßgeblich dazu beigetragen hat, dass Mitteleuropa seit dem Zweiten Weltkrieg die längste Friedensphase seiner Geschichte erlebt. Deutschland hat schließlich auch durch unsere Produkte eine starke Verteidigungsarmee, die im NATO-Verbund Wohlstand, Frieden und Freiheit für unsere Gesellschaft sichert.

Allerdings ist die Bundeswehr auch im Ausland aktiv, was ein Grund für Vorbehalte ist. Ein weiterer sind die zunehmenden Rüstungsexporte deutscher Unternehmen.
Eberhardt:
Unsere Armee unterstützt im Ausland dieselben Ziele wie im Inland. Dafür braucht sie die beste Ausrüstung. Um es ganz deutlich zu sagen: Wir bei Rheinmetall sind stolz darauf, sie liefern zu können. Wir sind doch keine Waffenschieber, sondern handeln legal im nationalen Interesse. Rheinmetall macht streng kontrollierte Behördengeschäfte. Dass Deutschland der drittgrößte Rüstungsexporteur der Welt ist, haben wir – wie andere Industriezweige auch – der hohen Innovationskraft der Beschäftigten zu verdanken.

Gibt es so etwas wie Ethik- und Nachhaltigkeitsstandards im Waffengeschäft?
Eberhardt:
Im europäischen Branchenverband haben wir solche Standards entwickelt. Dabei geht es vor allem um Anti-Korruptionsrichtlinien, brancheninterne Fairness und Umweltregeln. Um mehr Akzeptanz für das Wehrtechnikgeschäft zu schaffen, müssen wir solche Maßnahmen wohl in der breiten Öffentlichkeit intensiver kommunizieren.

Sie sagten einmal, dass Sie die Rüstungsdebatten in Deutschland teils „unerträglich“ finden. Was kritisieren Sie konkret?
Eberhardt:
Ich will nicht kritisieren, sondern für mehr Akzeptanz werben. Anderswo – etwa in England, Frankreich und den USA – sind die Menschen stolz auf ihre Verteidigungsbranche und auf deren Erfolge in den internationalen Märkten.

Der im Februar zurückgetretene Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg kritisierte „groteske Verträge“ zugunsten der deutschen Rüstungsfirmen, also zum Nachteil der Steuerzahler. Und er schimpfte über eine „schludrige Auftragserfüllung“. Was sagen Sie dazu?
Eberhardt:
Für Rheinmetall lasse ich das nicht gelten.

Dennoch: Die Kosten für Wehrtechnik laufen immer wieder aus dem Ruder und Lieferungen verzögern sich.
Eberhardt:
Wenn die Bundeswehr und die deutsche Rüstungsindustrie den Anspruch haben, Standards zu setzen, was die Ausrüstung betrifft, dann bewegen wir uns häufig an den Grenzen des technisch und physikalisch Machbaren. Mit allen Risiken, die damit verbunden sind. Aber auch unsere Branche kann effizienter werden. Ich sehe durchaus Chancen, den Rüstungsprozess zu verschlanken und so die Lieferzeiten und die Life-Cycle-Kosten unserer Produkte zu reduzieren.

Guttenbergs Nachfolger als Verteidigungsminister, Thomas de Maizière, hält sich mit Kritik an deutschen Rüstungsfirmen zurück. Was erwarten Sie noch von ihm?
Eberhardt:
Dass er als Verteidigungsminister ebenso gut arbeiten wird wie in seinen bisherigen Regierungsämtern.

Klingt nach einer schmeichelnden Standardantwort.
Eberhardt:
Wenn ich etwas sage, meine ich es auch so. Ich habe zum Beispiel den Eindruck, dass Minister de Maizière bei der Bundeswehrreform realistisch bleibt. Mit den bisher avisierten Einsparungen in Höhe von 8,3 Milliarden Euro bis 2014 wäre nicht gewährleistet, dass unsere Soldatinnen und Soldaten die modernste Ausrüstung und damit den bestmöglichen Schutz bekommen. Nicht umsonst werden Guttenbergs Reformpläne nun nochmals gründlich geprüft.

Der Umsatzanteil der Bundeswehr am Rüstungsgeschäft von Rheinmetall hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf 36 Prozent fast halbiert. Wird er weiter fallen?
Eberhardt:
Davon ist auszugehen, weil wir durch das geplante Wachstum auf den internationalen Märkten unseren Exportanteil auf circa 80 Prozent erhöhen werden.

Auf der nächsten Seite lesen Sie, warum Rheinmetall-Chef Eberhardt sich keinen Krieg mit Rüstungsexportländern vorstellen kann und ob das Unternehmen Waffen an Libyens Diktator Gaddafi geliefert hat.

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Oskar

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