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09.10.2014 15:06
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Börse Frankfurt-News: Rousseff oder Neves (Auslandsaktien)

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FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 9. Oktober 2014. Die kommenden Wochen werden entscheiden, ob sich ein Kursfeuerwerk an der Börse in São Paulo entwickeln wird.

Entgegen dem Trend an den internationalen Börsen ging es am Montag an der Börse in São Paulo um über 5 Prozent nach oben. Der Grund: Die Präsidentschaftswahlen am Tag davor. Bereits seit einigen Wochen hatte die Politik die Aktienkurse bestimmt: Lag die beliebte ehemalige Umweltministerin Marina Silva in den Umfragen vorne, stiegen die Notierungen, hatte die amtierende Präsidentin Dilma Rousseff die Nase vorn, fielen sie. Am Sonntag kam es aber ganz anders: Silva ist aus dem Rennen, Rousseff muss sich nun am 26. Oktober in einer Stichwahl Aécio Neves stellen.

"Neves steht für hohe Wirtschaftskompetenz", meint Walter Vorhauser von Close Brothers Seydler. Als "Wunschkandidat der Wirtschaft" bezeichnet Jan Vrbsky von der Baader Bank den Senkrechtstarter. Von Neves würden Schritte hin zu einer marktfreundlicheren Politik erwartet. "Bislang sieht es noch so aus, als würde Rousseff gewinnen, doch es ist ein Fünkchen Hoffnung da."

Neves Favorit der Börse

Rousseff ist unbeliebt, ihr machen diverse Korruptionsaffären zu schaffen, zudem wächst die Wirtscghaft des Landes kaum noch. Um der Flaute gegenzusteuern, erhöhte die Präsidentin die Staatsausgaben immer weiter, das Haushaltsdefizit stieg. Probleme bereiten Lateinamerikas größtem Land auch die niedrigen Rohstoffpreise: So war der Preis für Eisenerz zuletzt auf ein Fünfjahrestief gesunken. Die desolate Lage des Nachbarlandes Argentinien bleibt ebenfalls nicht ohne Auswirkungen.

Vor allem aufgrund der Hoffnung auf einen Wechsel an der Spitze des Landes hat sich die seit Jahren schwächelnde Börse von São Paulo 2014 ausgesprochen gut entwickelt: Zwischen März und September kletterte der brasilianische Bluechip-Index Bovespa um 37 Prozent nach oben. Ab September waren dann aber wieder deutliche Verluste zu verschmerzen. "Das lag an der Erwartung, dass Rousseff doch im Amt bleibt", kommentiert Vrbsky.

Petrobras: "besser ohne Rousseff"

Einen Satz nach oben machte am Montag zum Beispiel der Kurs von Petroleo Brasileiro, kurz Petrobras, in Frankfurt als American Depository Receipt ADR (WKN 541501), also stellvertretend für die Originalaktie, und als Originalaktie (WKN 899019) handelbar. Der Kurs des halbstaatlichen Konzerns war - nach heftigen Verlusten 2012 und 2013 - seit Anfang 2014 kräftig gestiegen, im September aber eingebrochen.

"Schon länger steht Petrobras im Zentrum verschiedener Korruptionsvorwürfe. Im September hat dann ein wegen Geldwäsche verurteilter Ex-Manager schwere Anschuldigungen gegen Politiker erhoben, auch gegen Dilma Rousseff", berichtet Vorhauser. "Wegen der Verstrickungen wäre ein Wahlsieg von Neves wohl der bessere Ausgang für Petrobras." Die Aktie kommt in diesem Jahr trotz Kursrücksetzer im September immer noch auf ein Plus von 30 Prozent.

Eletrobras mit Kursgewinnen von 23 Prozent

Zu den Gewinnern nach der Wahl gehört auch der sich mehrheitlich im Staatsbesitz befindende Stromversorger Centrais Eletricas Brasileiras (WKN 899026), kurz Electrobras. Die Aktie kletterte von 2,04 Euro am Freitag auf 2,36 Euro am gestrigen Mittwoch, seit Jahresanfang ergibt sich ein Plus von 23 Prozent. Allerdings waren auch hier die Jahre 2012 und 2013 von schweren Verlusten geprägt. "Der Staatseinfluss ist bei Eltrobras ebenfalls groß. Viel hängt an der Politik", bemerkt Vrbsky.

Vale: Verluste wegen Rohstoffpreisen

Auch verteuert hat sich zu Wochenanfang Companhia Vale do Rio Doce (WKN 897998), kurz Vale. Während die Aktie vergangene Woche an der Börse Frankfurt noch 7,62 Euro kostete, waren es am Montag 8,08 Euro - ein Plus von 6 Prozent. Im Gegensatz zu anderen brasilianischen Titeln hatten Aktionäre an Vale in diesem Jahr keine Freude, die Aktie hat seit Jahresanfang 23 Prozent verloren. "Als Rohstoffkonzern leidet Vale unter der weltweiten Konjunkturabkühlung: China schwächelt, Europa sowieso, und dass die US-Wirtschaft wieder besser läuft, reicht nicht", erklärt Vrbsky.

Hoffnung auf die Zukunft

Was die weitere Entwicklung an der Börse in São Paulo angeht, hängt viel am Ausgang der Stichwahlen in zweieinhalb Wochen. "Doch selbst wenn Rousseff gewinnt, sie wird Reformen auf den Weg bringen müssen", meint der Händler von der Baader Bank. Laut Oliver Döhne, Brasilien-Experte bei der deutschen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade & Invest in São Paulo, machten die Perspektiven Brasiliens Hoffnung: "Sofern es der Regierung gelingt, ein langfristiges Wachstumskonzept zu realisieren, könnte das Land mit seiner konsumfreudigen Bevölkerung einen neuen Boom erleben."

Für Brasilien spreche sein stabiles, demokratisches und marktwirtschaftliches Umfeld, das Unternehmen zwar zahlreiche Hürden zumute, gleichzeitig aber auch eine solide und rechtssichere Basis für ein langfristiges Engagement biete. "Der Modernisierungsdruck bringt auch Geschäftsmöglichkeiten mit sich, zum Beispiel beim Ausbau von Logistik und Infrastruktur."

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von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG

© 9. Oktober 2014

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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