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22.10.2015 18:31
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Howard Schultz hatte nichts - jetzt ist er der Starbucks-Milliardär

Business Insider: Howard Schultz hatte nichts - jetzt ist er der Starbucks-Milliardär | Nachricht | finanzen.net
Business Insider
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Kaffee ist toll. Er macht morgens wach, abends nochmal fit, und eine armen Amerikaner zum Milliardär.

Howard Schultz fing mit nichts an - und jetzt ist er Milliardär. Und Chef der weltbekannten Kaffeehaus-Kette Starbucks. Wie er das geschafft hat, haben sich die Kollegen von Business Insider USA genauer angesehen.

Schultz wurde in den 50ern in einem ärmlichen Teil von New York geboren. Dementsprechend von Armut geprägt war auch seine Kindheit. Als sich zum Beispiel sein Vater einmal den Fuß brach, stand mangels Krankenversicherung gleich die ganze Familie ohne Einkommen da. Eine Situation, die sicher viele amerikanische Familien kennen, aus der aber nur die Wenigsten den Absprung schaffen.

Schultz hatte aber Glück und konnte sich als begabter Footballspieler ein Sport-Stipendium sichern. An der Northern Michigan University angekommen, verlor er am Sport aber das Interesse und hielt sich stattdessen mit diversen Jobs, Darlehen und Blutspenden über Wasser.

Nach seinem Abschluss arbeitete er zunächst in der Vertriebsabteilung des Technologie- und Dienstleistungsunternehmens Xerox. Seine Aufgabe dort war es, Textverarbeitungsprogramme an den Mann zu bringen. Kein Traumjob, aber hier erlernte Howard Schultz die Kunst der so genannten Kaltakquise: er rief nichtsahnende Menschen an und versuchte, sie vom Produkt zu überzeugen - und sie am Auflegen zu hindern. Ein Kunststück, das später einmal sehr wichtig für ihn werden sollte.

Nach drei Jahren wechselte er zu Hammarplast - einem Vertriebsgeschäft für Haushaltswaren. Hier stieg Schultz schnell auf und ihm wurde die Leitung eines Verkaufsteams in New York anvertraut. Dieser Posten brachte ihn zum ersten Mal mit Starbucks in Berührung: Der Kaffeeladen war sein Kunde und bestellte einfach bemerkenswert viele Kaffeemaschinen auf einmal.

Starbucks war zu diesem Zeitpunkt ein bescheidenes kleines Unternehmen mit Firmensitz in Seattle, Feinschmecker-Kaffee eine sehr kleine Nische am US-Markt. Schultz war jedoch sofort fasziniert. Er reiste nach Seattle und traf erstmals die Starbucks-Gründer und damaligen Besitzer Gerald Baldwin und Gordon Bowker. Offenbar fanden sich alle drei toll, denn nur ein Jahr später erhielt Schultz einen Job bei Starbucks: als Leiter von Verkauf und Marketing. Dieser Posten klingt allerdings erst einmal gewichtiger, als er tatsächlich war. Denn Starbucks hatte zu diesem Zeitpunkt nur drei Filialen und machte sein Hauptgeschäft mit dem pfundweisen Verkauf von Kaffee für zu Hause.

Die Wende, sowohl für Schultz als auch für Starbucks, kam wohl, als die Firma ihn auf eine Messe nach Mailand schickte. Denn als Schultz durch die italienischen Straßen schlenderte, entdeckte er viele kleine Espresso-Bars, in denen die Besitzer alle Kunden mit Namen ansprachen und ihnen eigens zubereitete Mischgetränke wie Cappuccino und Café Latte servierten.

Da hatte Schultz seine Erleuchtung: Kaffee ist für die Menschen nicht nur ein billiges Aufputschmittel, sondern ein zutiefst persönlicher und emotional geprägter Teil ihres Lebens.

Zumindest in Italien. Als er nach Amerika zurückkehrte, folgte die Ernüchterung. Die Starbucks-Gründer wollten von seiner Begeisterung und seinen neuen Ideen nichts wissen. Also verließ er seine Arbeitgeber, um eine eigene Kaffeehaus-Kette zu gründen. In seinem neuen Unternehmen "Il Giornale" wollte Schultz umsetzen, was er in Mailand über Kaffee gelernt hatte. Daher wohl auch der italienische Name.

Aber auch die potenziellen Geldgeber waren nur schwer zu begeistern. Die Idee, Kaffee als persönliches und vielseitiges Erlebnis zu vertreiben, stieß vielerorts auf Unverständnis. Insgesamt sprach Schultz mit 242 potentiellen Investoren, von denen 217 glatt absagten. "Das war eine sehr demütigende Zeit," schrieb Schultz in seinem Buch über die Ursprünge und den Werdegang seiner Kaffeehaus-Kette.

Aber wer einmal als Vertreter gearbeitet hat, gibt auch nach vielen Absagen nicht einfach auf. Zwei Jahre lang arbeitet Schultz (erfolgreich) an "Il Giornale", bis er dann schließlich im August 1987 zu Starbucks zurückkehrte. Und zwar als Käufer. 3,8 Millionen Dollar kostete ihn die Starbucks Corporation zusammen mit ihren sechs Filialen.

Endlich konnte Schultz durchstarten und seine Vision verwirklichen. Und Starbucks wurde tatsächlich zum Hit. 1992 ging das Unternehmen an der NASDAQ an die Börse. Im gleichen Jahr machten die inzwischen 165 Cafés 93 Millionen Dollar an Umsatz. Und auch der Rest der Welt merkte auf: Bis zum Jahr 2000 war Starbucks zum globalen Konzern geworden - mit mehr als 3.500 Cafés weltweit und 2,2 Milliarden Dollar Jahresumsatz.

Aber es ging nicht immer nur bergauf. 2008 musste Schultz 7.100 Starbucks-Cafés vorübergehend schließen, um die "Baristas" besser auszubilden. Die umfassende Konzernwende, die in den nächsten beiden Jahren folgte, zahlte sich aber aus: Starbucks fuhr mit 945 Millionen Dollar im Jahr auf einmal den dreifachen Gewinn ein.

Die Wende sollte das Unternehmen aber nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch sozialer machen. Schultz kündigte an, bis 2018 mehr als 10.000 Veteranen und deren Ehepartner einzustellen. 2014 versprach er außerdem, die Studiengebühren seiner Angestellten zu übernehmen.

Denn Schultz legt bis heute großen Wert darauf, seine Angestellten gut zu behandeln. Er bezeichnet sie als "Partner" und versorgt alle, auch die Teilzeit-Angestellten, mit einer Krankenversicherung (in Amerika nicht selbstverständlich) sowie Optionen auf Aktien des Unternehmens. Offenbar hat er nie vergessen, wo er herkommt und wie schwer es ein Arbeiter in Amerika haben kann.

Seine Idee und sein Geschäftsmodell haben sich auf jeden Fall bewährt. Heute betreibt Starbucks mehr als 21.000 Läden in 65 Ländern und hat einen Jahresumsatz von 16 Milliarden Dollar. Das Privatvermögen von Howard Schultz wird auf 3 Milliarden Dollar geschätzt.

Und Starbucks wächst weiter. Besonders die aufwändigen Mischgetränke sind beliebt als je zuvor. Nur nicht in Italien. Da gibt es bis heute kein einziges Starbucks Café. Nur die kleinen Espresso-Bars, die Schultz dereinst so inspiriert haben. Denn die wird es wohl immer geben - auch ohne Milliardenumsätze.


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Bildquellen: Hattanas Kumchai / Shutterstock.com

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