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10.01.2012 14:40
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Welche Chancen die schlechtesten Indizes des Vorjahres bieten

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Wer auf ausgebombte Börsen wie in der Ukraine setzen will, braucht viel Mut. Mitunter winken Anlegern aber hohe Gewinne als Belohnung.
€uro am Sonntag
von Emmeran Eder, €uro am Sonntag

Der Feind der Kapitalisten war ihr bester Freund. Hugo Chávez, Venezuelas sozialistischer Präsident, der keine Chance auslässt, gegen den Westen zu agitieren, machte im Vorjahr viele Anleger reich. Denn die Börse in Caracas war 2011 mit einem Kursplus von fast 85 Prozent in Euro gerechnet der mit Abstand beste Aktienmarkt weltweit.

Es klingt makaber, aber Chávez’ Krebskrankheit dürfte dazu beigetragen haben. Denn von einem Machtwechsel nach seinem Tod erhoffen sich Investoren das Ende des Sozialismus in Venezuela.

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Hausse liegt aber wohl schlicht darin begründet, dass es Nachholpotenzial gab. Denn 2010 schnitt die Börse in Caracas global am schlechtesten ab — mit minus 36 Prozent.

Es ist ein Phänomen, das in der Börsenhistorie schon öfter vorkam. Häufig zählen Verlierermärkte im Folgejahr zu den Finanzplätzen, an denen Anleger die besten Renditen erzielen können. Wer etwa den Mut hatte, sich nach der Mexiko-, Russland- und Asien-Krise oder nach dem ökonomischen Zusammenbruch Argentiniens in diese ausgebombten Kapitalmärkte einzukaufen, wurde mit Gewinnen von 100 Prozent und mehr belohnt.

Nach der Finanzkrise im Jahr 2008 lagen die Börsen in der Ukraine und Rumänien darnieder. 2009 zogen sie um 54 Prozent (Rumänien) und 86 Prozent (Ukraine) an. 2009 kamen die Loser aus Afrika: Ghana, Nigeria und Marokko. 2010 gehörten sie zu den Top-Performern.

Anleger sollten sich aber nicht zu früh freuen. Die Strategie für Unerschrockene funktioniert oft, aber nicht immer. Wer Anfang 2008 in Irland, den Verlierer von 2007, investierte, für den steht seither ein Minus von mehr als 50 Prozent zu Buche. Auch mit Island, Schlusslicht 2008, war bisher kein Blumentopf zu gewinnen. Immerhin befindet sich der Leitindex in Reykjavik inzwischen wieder auf dem Niveau von Anfang 2009.

Daher sollten Anleger, die sich trauen, auf Loser-Märkte zu setzen, breit streuen. Das erhöht die Chance, im Folgejahr attraktive Erträge zu erzielen. Außerdem müssen sie bereit sein, auch mehr als ein Jahr Wartezeit in Kauf zu nehmen. Gerd Bennewirtz vom Fondsanbieter SJB Fonds Skyline beschreibt die Vorgehensweise der Antizykliker so: „Das Geheimnis hoher Gewinne ist, da zu investieren, wo andere aus Angst die Flucht ergreifen. Dazu gehören viel Mut, Nerven aus Stahl — und vor allem Durchhaltevermögen.“

Diese Eigenschaften sind bei den Performance-Flops des vergangenen Jahres besonders vonnöten. Zypern und Griechenland stürzten um 72 Prozent beziehungsweise 53 Prozent ab. „Die Volkswirtschaften der beiden Staaten sind eng verflochten. Zyperns Ökonomie wird durch die griechische Misere mit nach unten gezogen“, erklärt Gottfried Steindl von Raiffeisenbank International (RBI). Und damit auch der Aktienmarkt in Nikosia. Das Leitbarometer General-Market-Index besteht zu 70 Prozent aus Finanz­instituten, die stark in Hellas engagiert sind. Ein Viertel der ausgereichten Kredite wurde nach Griechenland vergeben. Zudem halten die Banken hellenische Bonds. Ihr Wert entspricht 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Insel.

Als wäre das nicht schlimm genug, wurde im Juli das größte Stromkraftwerk des Landes zerstört — bei einer Explosion von in der Nähe gelagerten Sprengstoffbehältern. Die Wirtschaft kämpft seitdem mit Ener­gieengpässen. Mehrmals am Tag kommt es zu längeren Stromausfällen. Darunter leidet auch der Tourismus, da Strom für die Meerwasser­entsalzungsanlagen fehlt, welche die Wasserversorgung sicherstellen.

Zypern hätte längst unter den EU-Rettungsschirm schlüpfen müssen, wäre da nicht ein 2,5-Milliarden-Euro-Kredit aus Russland, der den Canossa-Gang gerade noch verhinderte. Das Darlehen ist nicht ganz uneigennützig. Die Insel ist bekannt als Steuerparadies für die Oligarchen des Riesenlandes. Das zeigt sich an der Registrierung vieler Briefkastenfirmen aus dem Lande Putins. „Über Zypern fließt viel russisches Kapital. Daher haben die Russen großes Interesse daran, das zypriotische Finanzsystem am Leben zu erhalten“, sagt Steindl.

Was für Zypern die Russen sind, ist für Athen die EU. Ohne Hilfen aus Brüssel wäre Griechenland längst pleite. Die Wirtschaftsdaten sind desaströs. Das geschätzte Haushaltsdefizit für 2012 beträgt mindestens sieben Prozent, die Verschuldung knapp 200 Prozent des BIP, das laut Prognosen um vier Prozent schrumpfen soll. Der Umbau des Steuer- und Sozial­systems sowie der Abbau der Bürokratie kommen kaum voran. Einziger Hoffnungsschimmer: Die Lohnstückkosten fallen seit 2010.

Selbst Optimisten müssen wegen der schlechten Fundamentaldaten schon auf die Charttechnik zurückgreifen, um Positives zu finden: Die deutet beim Athener Leitindex FTSE ASE-20 eine Bodenbildung an. Positiv gestimmt ist auch Wirtschaftsprofessor Max Otte: „Die Athener Börse ist nur mit 15 Prozent des BIP bewertet, verglichen mit 80 Prozent hier­zulande. Das ist lächerlich billig.“ Von Banken, die im Index überrepräsentiert sind, rät er aber ab. Er empfiehlt Einzeltitel wie Hellenic Telecom, den Wettanbieter OPAP und die Tabakfirma Karelia Tobacco.

Politische Börse in Kairo
Zigaretten zur Beruhigung können auch Anleger brauchen, die in Kairo investieren wollen. Der drittschwächste globale Aktienmarkt des Vorjahres ist eine politische Börse. Derzeit läuft die letzte Runde der Parlamentswahlen. Es ist davon auszugehen, dass wie bei den beiden ersten Stimmgängen die Islamisten klar vorn liegen. Fraglich ist, welche Folgen das für den wichtigen Tourismussektor hat. Bei den Islamisten ist ein Machtkampf zwischen Extremen und Gemäßigten im Gange. Die politische Unsicherheit dürfte aber nicht nur deswegen anhalten, sondern auch, weil das Militär seine Privilegien wohl kaum freiwillig aus der Hand geben wird.

Für die Wirtschaft ist das Machtvakuum verheerend. Die Auslandsverschuldung steigt rasant. Fadi Al Said, Manager des Fonds ING Mena, befürchtet eine kräftige Abwertung des Ägyptischen Pfunds und heftige Schwankungen an Kairos Börse. „Langfristig orientierten und unerschrockenen Anlegern bieten ägyptische Aktien aber großes Potenzial. Die Bewertungen sind nahe am historischen Tief“, sagt der Fondsprofi.

Politik spielt auch in der Ukraine eine große Rolle. Der Prozess gegen Julia Timoschenko trübte die Beziehungen zur EU. Das Assoziierungsabkommen liegt momentan auf Eis. Zudem belasteten Rezessionsängste den Stahlsektor der Börse in Kiew.

Dabei sieht es fundamental nicht schlecht aus. 2012 wird mit 3,5 Prozent Wachstum gerechnet, das Haushaltsdefizit beträgt drei Prozent, die Verschuldung moderate 42 Prozent des BIP. „Anders als 2008, als die Wirtschaft der Ukraine in schweres Fahrwasser geriet, stimmt mich dieses Mal positiv, dass es keine Überhitzungsphase gab und die Währung nicht überbewertet ist“, sagt An­dreas Schwabe von der RBI. Ähnlich wie 2008 könnte dem Absturz des Leitindex PFTS um 39 Prozent wieder eine Hausse folgen.

Ebenso wie in Wien. Dort fiel der ATX 2011 um 35 Prozent. Österreich leidet unter Eurokrise und Sippenhaftung für Osteuropa, mit dessen Ökonomien das Alpenland eng verbunden ist. „Viele schlechte Nachrichten sind auf dem gedrückten Niveau bereits in den Kursen enthalten“, meint Bernd Maurer von der Raiffeisen Centrobank. Er verweist auf das niedrige Kurs-Buchwert-Verhältnis des ATX von 0,8, das noch unter dem während der Finanzkrise 2008 liegt. Patrick Moonen, Aktienstratege­ bei ING Investment Management, rechnet dennoch mit volatilem Kursverlauf. „Eine Lösung der Euro- und Bankenkrise würde den ATX aber nach oben katapultieren.“

Gefahrlos sind die Börsen in Wien und Kiew natürlich nicht. Doch vom Chance-Risiko-Verhältnis her sind sie den drei übrigen Märkten vorzuziehen. Die sind nur etwas für wirklich hartgesottene Investoren.

Genauso wie die Börse in Caracas. Die sollten Anleger 2012 besser meiden. Schon einmal, 2006, führten die dortigen Titel die globale Hitliste an. Im Folgejahr waren sie zusammen mit Irland der größte Flop — die Rache des Hugo Chávez.

Investor-Info

Österreich
Schon viel eingepreist

Die Krise in Ungarn verunsichert Investoren in Wien, da die Österreicher dort stark engagiert sind. Werden die Probleme Osteuropas und die Eurokrise ­gelöst, hat der ATX viel Aufwärtspotenzial. Mit dem ATX-ETF von Ishares sind dann hohe Gewinne möglich – plus den Dividenden von etwa 3,7 Prozent.

Ukraine
Anzeichen der Hoffnung

Die Inhaftierung von Julia Timoschenko hat Investoren verschreckt. Ökonomisch sieht es aber nicht so schlecht aus. Mit dem HypoVereinsbank-Zertifikat auf den in Wien berechneten Ukraine-Traded-Index erwerben Anleger zehn Bluechips des Staates. Die Branchenstreuung ist mit Stahl, Maschinenbau, Öl und Gas, Versorger und Telekom breit. Die Landeswährung Hryvnja ist zwar an den US-Dollar gekoppelt, es bestehen aber trotzdem Abwertungsrisiken.

Ägypten
Von der Politik abhängig

Die Regierungsbildung nach den Parlamentswahlen und das Präsidentschaftsvotum im Lauf des Jahres werden großen Einfluss auf die Kairoer Börse haben. Anleger spekulieren mit dem Zertifikat der RBS auf den Leitindex EGX 30 auf eine Beruhigung der Lage. Die Benchmark wird dominiert von Bau-, Finanz- und Telekomtiteln. Die hohen Dividenden von rund fünf Prozent behält Emittent RBS ein. Der Index befindet sich auf dem Niveau des Tiefstands der Finanzkrise. Vorsicht: erhebliches Währungsrisiko!

Zypern
Spekulation auf Banken

Der Finanzsektor und der Tourismus sind die Topbranchen der Mittelmeerinsel. Da es aber kaum börsen­notierte Freizeitfirmen gibt, setzt das Zypern-Blue-Chips-Zertifikat der RBS, das zehn der Top­unter­nehmen des Landes umfasst, zu 71 Prozent auf Finanztitel. Der Rest besteht aus Konsum-, Immobilien- und Bauaktien – sowie aus einem börsennotierten Hotel. Anleger bezahlen ein Prozent Jahresgebühr, erhalten aber im Schnitt eine Dividende von 4,5 Prozent.

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