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01.09.2016 12:04
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Warum der VW-Abgasskandal tatsächlich einen Vorteil für die Umwelt bringen wird

E-Auto-Offensive: Warum der VW-Abgasskandal tatsächlich einen Vorteil für die Umwelt bringen wird | Nachricht | finanzen.net
E-Auto-Offensive
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VW steckt mitten im größten Skandal der Konzerngeschichte. Doch die Debatte, die die Abgaslüge angestoßen hat, könnte die Automobilwelt mittel- und langfristig deutlich verändern.
Es war ein Schock, als im Herbst vergangenen Jahres bekannt wurde, dass Europas größter Automobilkonzern Volkswagen mithilfe einer Software falsche Abgaswerte für seine Dieselfahrzeuge vorgetäuscht hat. Demnach hat das Unternehmen aus Wolfsburg mit seinen Dieselautos die Umwelt deutlich mehr belastet, als es die Öffentlichkeit Glauben machen wollte. Die "Schummelei" kostet den Konzern weltweit einen zweistelligen Milliardenbetrag - und eine Menge Prestige. Und sie könnte das Ende des Verbrennungsmotors einläuten - und zwar deutlich früher, als dies ohne Bekanntwerden des Abgasskandals möglicherweise erfolgt wäre.

Plötzlich wacht VW auf

Elektroautos waren für viele deutsche Hersteller lange Zukunftsmusik. Doch der Skandal um geschönte Abgaswerte hat die Branchenriesen offenbar aufgeweckt. Plötzlich kommt das Thema verstärkt auf den Tisch der etablierten Firmen, rund 30 Elektrofahrzeuge stehen derzeit als Serienfahrzeuge zum Verkauf. Auch bei Volkswagen selbst hat man den Grundstein für einen grundlegenden Konzernumbau gelegt, in dessen Zentrum Elektroautomobile als Zukunftsperspektive stehen. Bis zum Jahr 2025 will man VW "für das neue Zeitalter der Mobilität" umbauen, kündigte Konzernchef Matthias Müller an. Alternative Antriebe gewinnen zunehmend an Bedeutung, das hat auch Volkswagen erkannt. Derzeit prüfe man den Bau einer Fabrik für Batteriezellen um die Abhängigkeit von asiatischen Zulieferern zu vermindern, so Müller weiter. Dabei setzt sich das Unternehmen ambitionierte Ziele: Bis 2025 will man zwischen 20 und 25 Prozent des Gesamtabsatzes mit rein batteriebetriebenen Modellen erzielen, erklärte der Manager.

Tesla: Der unterschätzte Vorreiter

Dass VW den epochalen Zeitenwandel in der Automobilbranche auch ohne den jüngsten Skandal um Verbrennungsmotoren erkannt hätte, daran gibt es wohl kaum Zweifel. Schließlich hat man auch hierzulande die Ambitionen von Tesla nicht übersehen können, an den alteingesessenen Autobauern vorbei zum Marktführer im Bereich Elektroautos aufzusteigen - mit eigener Batteriefabrik, versteht sich. Lange haben die Großen der Branche den Konzern von Elon Musk belächelt. Schließlich hat Tesla ihrer Ansicht nach ein Problem, das die etablierten Autobauer nicht haben: Die Amerikaner bauen ausschließlich Elektroautos. Während Audi, VW, BMW & Co. mit Dieseln und Benzinern weiter gutes Geld verdienen, ohne sich allzu großem Risiko auszusetzen und - quasi nebenbei - in aller Ruhe an Hybriden oder E-Automodellen arbeiten, geht Tesla mit seiner Ausrichtung auf volles Risiko. Und hat damit Erfolg, denn mit dem Visionär Musk an der Spitze wird das Feld einfach von hinten aufgerollt. Bei Kunden rückt Umweltbewusstsein vermehrt in den Fokus, Tesla bedient aber nicht nur den bestehenden Bedarf, sondern schafft zeitgleich neuen. Denn Teslas sind nicht nur umweltfreundlich, sondern auch cool: Von bieder kann bei einem Modell wie dem Tesla 3 keine Rede sein.
Tesla geht seinen Weg, ohne zu fragen. Und: Tesla denkt in anderen Dimensionen. Tesla-Fahrzeuge sind nicht nur Autos, sondern mit Software ausgestattete, fahrbare Computer. Die Entwicklung automobiler Software nimmt einen großen Raum in den Planungen von Elon Musk ein. Unternehmen wie Google, Microsoft oder Apple beobachten die Ambitionen des Kaliforniers ganz genau, schließlich dringt der Milliardär damit auch in ihr Geschäftsfeld ein.

Dornröschenschlaf für deutsche Hersteller vorbei

Während es lange hieß, der Markt sei noch nicht reif für Elektromobilität, ist er es jetzt auf einmal doch. Denn der Bedarf ist da, wenn auch viele Kunden noch von einigen Kinderkrankheiten, wie kurzer Batterielaufzeit und fehlenden flächendeckenden Ladestationen, abgeschreckt sind. Das haben inzwischen auch die Autobauer erkannt, die Tesla lange belächelt hatten.

BMW hat mit dem i3 ein vollelektrisches Fahrzeug auf dem Markt, das gerade mit einem neuen Akku aufgemotzt wurde und nun bis zu 300 km weit mit einer Batterieladung fahren soll. Der i8 ist ein Hybrid und verbindet die Vorteile von Elektromobilität mit denen des Verbrennungsmotors. Doch gerüchtehalber könnte auch der i8 bald als vollelektrisches Fahrzeug über die Straßen rollen, drei Elektromotoren könnten dann für Reichweiten von bis zu 500 Kilometern sorgen. Kunden müssen sich aber noch etwas gedulden, vor 2022 kommt die zweite Generation des i8 wohl nicht auf den Markt.

Auch Opel hat das Potenzial erkannt und mit seinem Ampera-e ein E-Auto am Start. Ab 2017 können Kunden in dem schicken E-Flitzer über die Straßen düsen. Mit 204 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h, verspricht die Chefin des Opel-Mutterkonzerns General Motors, Mary Barra.

Die VW-Tochter Audi will mit dem e-tron 2018 den ersten rein elektrischen, in Großserie produzierten Audi vom Band laufen lassen. Zeitgleich soll das Sortiment fünf Hybridmodelle beinhalten, wie Audis Vorstand für Technische Entwicklung, Stefan Knirsch, mitteilte. Und die Ingolstädter haben durchaus große Ambitionen, denn sie haben den Massenmarkt im Visier und kündigten in Folge "bald bezahlbare E-Modelle" an. Bis 2025 will man mit Elektroautos ein Viertel des Audi-Gesamtabsatzes erzielen.

Auch der Sportwagenbauer Porsche springt auf den Elektroauto-Zug auf. 2020 geht der 600 PS Elektro-Porsche in Serie, so das Versprechen der Zuffenhausener. Mit dem 600 PS-Modell will das Unternehmen eine andere Kundschaft ansprechen, als etwa Konzernmutter VW.

Daimler will in den nächsten vier Jahren vier neue Elektro-Modelle von Mercedes an den Start bringen - zwei SUV und zwei Limousinen.

Der Abgas-Skandal hat die Dinge wohl beschleunigt

Dass die Autobauer nun aus den Puschen kommen und nach den Negativ-Nachrichten über Verbrennungsmotoren sauberere Autos auf den Markt bringen wollen, ist sicher kein Zufall. Tatsächlich dürfte der VW-Skandal den Herstellern Feuer unterm Hintern gemacht haben, ihre Investitionen und Forschungen in diesem Bereich zu verstärken. Elektromobilität ist die Zukunft und wenn der VW-Skandal etwas Gutes hatte, dann, dass diese Zukunft nun möglicherweise schneller kommt.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: INSAGO / Shutterstock.com, Supakorn Sakdiyapan / Shutterstock.com
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