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aktualisiert: 23.02.2015 15:37
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Finanzberatung: So planen Sie Ihre finanzielle Freiheit

Fahrplan für Ihr Geld: Finanzberatung: So planen Sie Ihre finanzielle Freiheit | Nachricht | finanzen.net
Fahrplan für Ihr Geld
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Was will ich mit meinem Geld erreichen? €uro am Sonntag zeigt Konzepte und Beispiele - für Träumer und Realisten, Alt und Jung, Familien und Singles, Sparer und Versicherte.
€uro am Sonntag
von Martin Reim, Euro am Sonntag

Scheitern ist ein Umweg, keine Sackgasse", lautet ein Standardspruch des amerikanischen Motivationstrainers Zig Ziglar. So gesehen, hat sich die Mühe gelohnt. Monatelang hat €uro am Sonntag recherchiert, um ein einziges, allgemeingültiges Konzept zum Umgang mit Geld zu finden. Um umfassende Wahrheiten zu finden, wie man mit dem Thema Finanzen von der Wiege bis zur Bahre umgehen sollte. Resultat: Es gibt keine solchen Regeln, die für alle unter allen Umständen gelten.

Klar, es existieren Sätze, die man sich an die Wand hängen kann - nach der Art von: "Spare in der Zeit, dann hast du in der Not." Und es gibt Investmenttipps wie "Lege nicht alle Eier in einen Korb". Die mögen alle ihre Berechtigung haben. Doch was soll man konkret in jeder Lebensphase mit jenen Euros anfangen, die auf dem Konto landen - als Gehalt, als Geschenk, als staatliche Subvention, als Kapitalertrag, als Erbe? Was kann in den Konsum fließen, in die Miete, in Versicherungen, in eine Notreserve, in Aktien, in ein Eigenheim, in die Altersvorsorge?

Bei solch übergreifenden Theorien geben Praktiker und Theoretiker auf. Man findet sie weder bei Banken, Sparkassen, Fondsgesellschaften noch bei Vermögensberatern oder Versicherungen. Und auch nicht bei der Wissenschaft: Stellvertretend genannt sei der Professor einer namhaften Universität, der sich intensiv mit Finanzplanung beschäftigt. Von €uro am Sonntag angefragt, nannte er die Idee eines solchen für jeden passenden Gesamtkonzepts "sehr interessant" - und versprach, etwas zu entwerfen. Das Gespräch liegt mehr als ein halbes Jahr zurück, und trotz mehrmaligen Nachfassens kam nie ein Vorschlag.

Das Grundproblem: Die Lebensläufe sind zu individuell, die Wünsche und Möglichkeiten zu unterschiedlich. Arm und Reich, Jung und Alt, Eltern und Kinderlose, Immobilienbesitzer und Mieter, Aktienfreunde und Sicherheitsfanatiker lassen sich eben nicht auf einen Nenner bringen.

Doch gibt es viele hilfreiche Puzzlestücke. Beispielsweise das sogenannte Magische Dreieck der Geldanlage. Demnach können Investoren mit einer Kapitalanlage drei verschiedene Ziele verfolgen, aber nicht alle vollständig erreichen: Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit (auch Liquidität genannt). Es können weitere Kriterien einfließen, etwa der Aufwand, der mit Auswahl und Kontrolle einer Anlage verbunden ist.

Eine Anlageform, die für alle Ziele optimal wäre, werden Sie unter den schier unzähligen Produkten am Finanzmarkt vergeblich suchen. Oft muss man Abstriche bei einem dieser Ziele machen, wenn ein anderes stärker im Vordergrund steht. So besteht zwischen Renditechance und Sicherheit meist ein Konflikt, weil der Preis für höhere Renditechancen in der Regel eine weniger sichere Anlage ist. Kann hingegen beispielsweise eine sichere Spareinlage bei einer Bank erst nach vier Jahren gekündigt werden, besteht ein Konflikt zwischen Sicherheit und Verfügbarkeit der Anlage. Wenn Sie nicht liquide sind, kann es richtig teuer werden, denn dann kommen zusätzliche Zinsen für Verzug und Kontoüberziehung auf Sie zu.

Auch gibt es Konzepte, die für Teilbereiche des Umgangs mit Geld gelten. So lesen Sie auf den beiden folgenden Seiten, welche Versicherungen in welcher Lebensphase wichtig sind. Und was - unabhängig vom Lebensalter - vom Girokonto bis zu Eigenheim und Altersvorsorge zu bedenken ist. Der Fahrplan wurde exklusiv für €uro am Sonntag entwickelt - von Stefanie Kühn, einer der bekanntesten unabhängigen Finanzberaterinnen Deutschlands. Sie zeigt beispielhaft: Viele Wege führen letztlich zum ersehnten Ziel.

Weil in spezifischen Lebenssituationen spezifische Probleme im Vordergrund stehen, hat Kühn Menschen in vier verschiedenen Altersstufen beraten. Die Protokolle aus der Mitte des vergangenen Jahres lesen Sie in der am Samstag erschienenen und den drei folgenden Ausgaben von €uro am Sonntag. Am Beginn steht der Student und die Berufsunfähigkeitsversicherung, es folgt die junge Familie (Immobilienbesitz), die Vorsorgewilligen (Aktien) und der Rentner (Tages- und Festgeld). Vor der Suche nach konkreten Produkten ist ein Nachdenken darüber hilfreich, welche Wünsche und Notwendigkeiten jeder Einzelne in Bezug auf Geld hat. Um die herauszufinden, gibt Beraterin Kühn die nachfolgende Hilfestellung.

Finanzplanung: Der Weg zur finanziellen Freiheit

Von was träume ich? Und was brauche ich notwendigerweise? Beraterin Stefanie Kühn meint: Die Antworten können verhindern, blind dem Geld hinterherzujagen.

Finanzielle Unabhängigkeit wünschen sich viele: Frei von monetären Zwängen entscheiden zu können, was man tun will und was nicht. Geld anzusparen, um sein Leben so zu leben, dass es den eigenen Wünschen und Bedürfnissen entspricht. "Das Ziel ist dann nicht mehr, möglichst viel Geld zu haben, sondern Geld genug zu haben", sagt Finanzberaterin Stefanie Kühn.

Natürlich wäre es wunderbar, letztlich Multimillionär zu sein. Doch kann schon der Versuch, sich der ersten Million von Ferne zu nähern, zu einer ausgesprochen anstrengenden Angelegenheit werden. Weshalb sollte man sich das also antun? Wozu sollte jemand, der sich nicht mehr als einen geruhsamen Lebensabend im Eigenheim mit Garten wünscht, Millionär werden? Wieso sollte er sich dem Dauerfrust aussetzen, jahrelang nach dem sprichwörtlichen großen Geld zu streben, wenn er es eigentlich gar nicht braucht?

Wer also Geld als Mittel zum Zweck betrachten will, muss herausfinden, was er will. Erst dann kann er ermitteln, wie viel Geld er braucht. "Es ist unsinnig, irgendeiner anonymen Summe hinterherzujagen. Und es motiviert viel mehr zu wissen, wofür man sich anstrengt oder spart, als wenn es nur um eine Zahl geht", sagt Kühn.

Allerdings ist es mit dem Wünschen und Wollen bei der finanziellen Unabhängigkeit komplizierter, als es auf den ersten Blick aussieht. Geht es um Reichtum, dann lassen sich schnell die üblichen Merkmale aufzählen: tolles Auto, toller Pool, tolle Kleidung. Sicherlich würden viele Menschen gern in einen Pool hinter dem Haus springen, wenn man ihnen einen anlegte. Doch im Prinzip ist ihnen der Pool ebenso gleichgültig wie der Privathubschrauber oder die Motorjacht. Sie haben all dies noch nie vermisst. Was sie wirklich glücklich machen würde, ist der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit.

Dafür braucht man keine 1.000 Tipps und Tricks zu kennen. Und man muss nicht über die Schmerzgrenze hinaus sparen oder waghalsig investieren. Stattdessen gilt es herauszufinden, was die eigentlichen Wünsche sind, Prioritäten zu setzen und dann Entscheidungen zu treffen. "Wie viel Geld Sie brauchen, hängt ganz allein von Ihnen und Ihren Entscheidungen ab", sagt Kühn.

Wenn ein kleines Haus reicht, muss man sich nicht abstrampeln, um eine Villa zu kaufen. Und wer doch eine Villa möchte, muss abwägen, ob es andere Ziele gibt, die dem entgegenstehen, und entscheiden, welches Ziel Ihnen am wichtigsten ist. Und dann ist - oft - auch die Villa realisierbar. "Wie die Wünsche im Einzelfall auch aussehen - es ist immer von großem Vorteil, wenn man sich finanzielle Unabhängigkeit statt Reichtum zum Ziel setzt", sagt Kühn.

Wie setzt man sich systematisch und gründlich mit seinen Wünschen auseinander? Dafür bieten sich drei Schritte an. "Schritt eins ist eine wilde Reise in Ihre Träume, auf der Sie sich alles wünschen, was Ihnen einfällt", sagt Kühn. "Beispielsweise: Was wollen Sie sich gerne kaufen? Wo wohnen? Wohin reisen? Was noch lernen? Wie im Alter leben? Was endlich mal bleiben lassen?" In Schritt zwei sollen die Wünsche in praktische Ziele verwandelt werden. "Wie komme ich dem Traumhaus nahe? Wie gelange ich zum wohlverdienten Ruhestand?"

In Schritt drei werden die Wunschziele mit notwendigen Zielen ergänzt. Denn das Leben ist keine Wundertüte, weshalb man sich nun ins Reich des Notwendigen begeben muss. "Hilfreich sind hier die ,Wer zahlt, wenn-Fragen‘", sagt Kühn. Sie drehen sich um die Absicherung von Lebensrisiken und stehen bei allen Finanzkonzepten an allererster Stelle (siehe unten). "Anders ausgedrückt: Wer hier keine Antworten hat, wird niemals finanziell unabhängig sein", sagt Kühn.

Wer zahlt, wenn ...
... ich krank bin?
... ich invalide bin?
... ich ein Pflegefall bin?
... ich einen Schaden verursache?
... ich im Ruhestand bin?

Es lohnt sich, gut über jede Frage nachzudenken. Egal, ob es um Geld für Sprachreisen geht, oder um eine Villa am Mittelmeer: Eine unfallbedingte Invalidität kann diesen Plan zerstören. Zusätzlich braucht man die Möglichkeit, bereits investiertes Geld wieder locker zu machen, um den künftigen Lebensunterhalt zu bestreiten. Und wer in den nächsten Jahren viel reisen möchte, sollte sich den Spaß nicht dadurch verderben lassen, dass er ständig an die Versorgung im Alter denkt.

Es geht also um eine Absicherung sowohl der individuellen Ziele als auch die grundlegenden Lebensrisiken, mit denen Sie immer rechnen müssen. "Wenn Sie darüber nachdenken, sollten Sie diese Fragen auch in Bezug setzen zu Ihren Zielen", sagt Kühn. Wer ein Haus erwirbt, könnte die Immobilie unter bestimmten Umständen zu einem wichtigen Baustein der Ruhestandsplanung machen. Wer hingegen mit dem Jeep durch den Jemen brettern will, ist das Geld hinterher los.

Kühns Ratschlag: "Notieren Sie mithilfe der fünf Fragen, welche Risiken Sie noch abdecken müssen, und ergänzen Sie die Liste ihrer Ziele entsprechend." Wichtig ist nun noch die zeitliche Einordnung der Ergebnisse:
1. Kurzfristige Ziele: alles, was in den nächsten drei Jahren realisiert werden soll. Beispielsweise Anschaffungen wie ein neues Auto, ein neuer Fernseher, ein neuer Computer. Oder der Abschluss einer Berufsunfähigkeitspolice (der Ernstfall kann schließlich schon morgen eintreten) oder ein Kind zu bekommen und den Job umzuorganisieren. Auch der Aufbau einer Liquiditätsreserve, um einen ungeliebten Job aufzugeben und ein halbes Jahr ohne Einkommen zu überstehen, gehört dazu.

2. Mittelfristige Ziele: alles, was in vier bis sieben Jahren umgesetzt sein soll. Das kann ebenfalls die Familiengründung sein, der Kauf einer größeren Wohnung oder eine karrieremäßige Weiterentwicklung in angestellter Tätigkeit. Zu den mittelfristigen Zielen könnte auch eine Existenzgründung gehören, für deren Vorbereitung eine gewisse Zeit nötig ist, wenn sie solide sein soll.

3. Langfristige Ziele: alles, was über sieben Jahre hinausgeht. Also - je nach Lebensalter - die Vorbereitungen auf den regulären oder vorgezogenen Ruhestand. Und sämtliche Pläne, die Sie für die Zeit schmieden, wenn die Kinder aus dem Haus gehen und Sie nicht mehr an deren Schulbesuch gebunden sind - beispielsweise aufs Land zu ziehen oder weite Reisen zu unternehmen. Am Ende dieses Prozesses könnten größere Klarheit über die eigenen Ziele und zeitliche Perspektiven in puncto Geld stehen.

Versicherungen: Was sein muss und was nicht

Mancher Versicherungsschutz ist gesetzlich vorgeschrieben: Für Angestellte sind es Renten-, Arbeitslosen-, Unfall-, Kranken- und Pflegeversicherung, für Autofahrer die Kfz-Haftpflicht. Daneben gibt es eine Reihe von Policen, die freiwillig sind, aber unbedingt abgeschlossen werden sollten - zumindest unter bestimmten Lebensumständen (Tabelle unten). Denn sie greifen bei Ereignissen, die finanziell existenzbedrohend sein könnten.

Generell äußerst empfehlenswert ist eine private Haftpflichtversicherung, die einspringt, wenn einem Dritten ein Schaden entsteht. Kann doch eine winzige Unachtsamkeit etwa im Straßenverkehr Millionenschäden zur Folge haben und die Existenz des Verursachers ruinieren. Wer ins Ausland reist, sollte eine entsprechende Police abschließen - es sei denn, er kann eine möglicherweise sechsstellige Eurosumme für einen Krankenrücktransport pro­blemlos selbst tragen.

Eine andere oft unterschätzte Gefahr ist die Berufsunfähigkeit. Statistisch gesehen, erleidet jeder Fünfte im Laufe seines Erwerbslebens zeitweise oder dauerhaft dieses Schicksal (siehe nächste Seite). Insbesondere für junge Eltern naheliegend ist eine Risikolebenspolice, die im Todesfall bei Angehörigen das fehlende Einkommen ausgleicht. In puncto Kinder ist über spezielle Unfall- oder Invaliditätsversicherungen nachzudenken. Erstere Kontrakte gelten nur für Behinderungen nach einem Unfall, zweitere auch bei Krankheiten als Ursache. Senioren können ebenfalls über eine Unfallversicherung nachdenken.

Ein Muss für Immobilienbesitzer ist eine Wohngebäudeversicherung, die Reparaturen oder gar einen Neubau bezahlt, wenn ein Haus beispielsweise durch Feuer oder Sturm beschädigt wurde. Andererseits ist Schutz des Hausrats unnötig, wenn die Einrichtung - wie bei vielen jungen Leuten üblich - von Ikea oder anderen Billiganbietern stammt.

Unter Fachleuten umstritten ist die Notwendigkeit von Policen für Rechtsschutz, Zahnzusatz und private Pflege. Einigkeit besteht hingegen, dass Verträge absolut verzichtbar sind, die nur geringe Schäden abdecken, etwa für Reisegepäck, Glasbruch oder Handy.
Die wichtigsten Policen für jede Lebenslage (pdf)

Beratung: Zu früh für Altersvorsorge

Junge Leute mit geringem Einkommen sollten sich um wichtige Versicherungen kümmern und Schulden vermeiden - und Vermögensaufbau oder gar Rente außen vor lassen.

Sebastian Wenner steht am Übergang zum Berufsleben. Genauer gesagt: zwischen seinem Studium als Berufsschullehrer und dem Referendariat. Das ist ein guter Zeitpunkt für den 30-Jährigen, wohnhaft in Schwerte in Nordrhein-Westfalen, seine Versicherungen in Ordnung zu bringen.

Stefanie Kühn hilft ihm dabei. Die unabhängige Finanzberaterin aus Grafing bei München sagt: "Am wichtigsten sind die Themen Krankheit, Haftpflicht und Berufsunfähigkeit." In den ersten beiden Bereichen gibt es keine Schwierigkeiten. Wenner ist Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse und kann das auch bleiben. Er muss der Kasse lediglich das Ende seines Studiums mitteilen. Falls er nach dem Referendariat als Beamter auf Probe übernommen würde, müsste er sich nach einer sogenannten Beihilfeversicherung umsehen.

Das ist eine spezielle Art der Privaten Krankenversicherung (PKV), die nur für Beamte angeboten wird. Während des Referendariats hat er zu solchen Policen üblicherweise keinen Zugang. Die PKV-Anbieter sind hier zurückhaltend, weil gerade Berufsschullehrer oft nicht mehr verbeamtet werden, sondern nur noch angestellt.

In puncto Haftpflicht ist er als Student noch bei seinen Eltern mitversichert. Erst ab dem Beginn seines Referendariats muss er sich um eine eigene Police bemühen.
Problematisch ist hingegen der Schutz bei Berufsunfähigkeit (BU). Bei Wenner wurde 2007 Krebs entdeckt, das sogenannte Hodgkin-Lymphom, eine bösartige Tumor­erkrankung des Lymphsystems: "Ich hatte damals schon alle Unterlagen für einen Antrag auf BU-Versicherung zusammen, dann kann die Diagnose. Da wurde der Antrag erst mal obsolet."

Inzwischen ist die Krankheit ausgeheilt. Allerdings ist es aus Kühns Sicht nicht sinnvoll, jetzt schon eine neue BU-Police anzustreben. "Für die Anbieter gelten Sie grundsätzlich erst nach zehn Jahren als geheilt. Vorher müssen Sie bei den Gesundheitsfragen die Krankheit angeben, und dann haben Sie wohl keine Chance." Weiteres Hindernis: Falls eine Anfrage nicht zu einem Abschluss führt, wird Wenner im Datensammelsystem HIS der Versicherer gespeichert.

Ein Eintrag kann die Chancen auf einen späteren Abschluss verschlechtern. Wenn schon eine Anfrage stattfinden muss, sollte sie ano­nymisiert durch einen Makler stattfinden. Dann bekommt man Angebote ohne einen Eintrag. Kühn: "Auch dann sollten Sie Ihre Erkrankung angeben, schließlich hatten Sie ja Nachsorgetermine in dem abgefragten Zeitraum."

Immerhin hat Wenner einen rudimentären Schutz durch eine Unfallversicherung. Sie zahlt, grob gesagt, wenn ein Unfall eine dauerhafte Invalidität verursacht. Kühn rät, diese Police weiterzuführen. Doch wäre eine zusätzliche Absicherung vorstellbar? Weil umfassende BU-Versicherungen für viele Interessenten gar nicht zu bekommen sind oder nur zu horrenden Preisen, gibt es Abstufungen darunter (siehe unten).

Kühn rät Wenner von solchen Policen ab. "Diese kosten zusätzlich und bieten doch keinen umfassenden Schutz. Ich würde an Ihrer Stelle das Risiko eingehen, bis zum Abschluss einer BU-Police keinen zusätzlichen Schutz zu haben, und auf Ihre Gesundung vertrauen." Außerdem seien Gesundheitsfragen auch bei den BU-Alternativen nötig. "Deshalb ist unsicher, ob Sie solche Policen überhaupt bekommen würden."

Wie sieht es mit der Planung der restlichen Finanzen Wenners aus? Er hat ein Barvermögen von 3.300 Euro und ansonsten keine nennenswerten Rücklagen. Kühn: "Es ist völlig normal, dass Sie bei nahezu null sind, vor allem nachdem Sie kein Bafög bekommen. Es ist schon mal eine tolle Ausgangsposition, dass Sie nicht im Minus starten."

Sollte Wenner bereits jetzt fürs Alter vorsorgen? Kühn: "Bei Ihnen ist es noch zu früh, sich darum Sorgen zu machen." Der Student sollte zusätzlich zum Guthaben eine Notreserve anlegen, um für die Wechselfälle des Lebens gewappnet zu sein.

Ganz wichtig aus Sicht Kühns: "Kaufen Sie keine Versicherungen zur Altersvorsorge! Sie sind teuer und unflexibel." Lieber sollte sich Wenner an Aktien orientieren oder eine Immobilie anstreben - aber nicht schon jetzt. Gemeinsam mit einer Partnerin zu planen ist für Wenner momentan nicht relevant, weil er nicht liiert ist.

Noch einen Tipp gibt ihm Kühn auf den Weg: keine zusätzlichen Konsumschulden machen. Wenner hat sich vor Kurzem einen Computer des Herstellers Apple plus Zusatzgeräte gekauft - für 3.200 Euro, komplett auf Kredit von der Apple-Hausbank Creditplus. "Ich wollte das Ding unbedingt haben", sagt er als Begründung. 140 Euro muss Wenner monatlich für Zins und Tilgung aufwenden; jeden Monat wird die Summe vom Tagesgeldkonto aufs Girokonto überschrieben.

"Kaufen Sie sich nur, was Sie sich tatsächlich im Moment leisten können", mahnt Kühn. "Heute ist es der Computer, morgen die Waschmaschine, und übermorgen sitzen Sie in der Schuldenfalle!"

Problem: Berufsunfähigkeit

Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung ist die konkret ausgeübte Tätigkeit des Versicherten entscheidend. Es besteht also ein direkter Bezug zu dem Beruf, der vor der Beeinträchtigung ausgeübt wurde. Geld gibt es normalerweise, wenn die Tätigkeit wegen Krankheit, Verletzung oder einem Kräfteverfall, der stärker ist als dem Lebensalter angemessen, zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausgeübt werden kann. Doch was tun, wenn diese Policen nicht erhältlich sind - egal, ob aus gesundheitlichen, beruflichen oder finanziellen Gründen? Hier einige Alternativen:

Erwerbsunfähigkeitsschutz: Er leistet erst, wenn der Versicherte gar keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen kann, die auf dem Arbeitsmarkt angeboten wird. Der zuvor ausgeübte Beruf spielt keine Rolle. Nur wenn jemand fast gar nicht mehr arbeiten kann (weniger als drei Stunden täglich), erhält er eine Rente.

Schwere-Krankheiten-Versicherung: Sie leistet bei vertraglich definierten schweren Erkrankungen eine vereinbarte Versicherungssumme auf einen Schlag. Psychische Leiden und Rückenerkrankungen, häufige Gründe für einen vorzeitigen Berufsausstieg, sind normalerweise nicht abgedeckt. Ob Sie trotz der Erkrankung noch arbeiten können, spielt für die Zahlung keine Rolle.

Privater Unfallschutz: Eine Unfallversicherung leistet im Fall einer dauernden Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit infolge eines Unfalls. Unter "dauerhaft" verstehen die Versicherer in der Regel eine Zeitspanne von mindestens drei Jahren. Ein Bezug zur Erwerbstätigkeit besteht nicht, Beeinträchtigungen durch Krankheiten bleiben ebenfalls unberücksichtigt.

Grundfähigkeitsversicherung: Sie leistet bei Verlust bestimmter Grundfähigkeiten, wie Sehen, Hören, Sprechen, Gehen, Laufen oder Autofahren, sowie bei Pflegebedürftigkeit. Auch der Verlust bestimmter intellektueller Fähigkeiten ist oft versichert. Aus welchen Gründen der Verlust eintritt, ist für die Rentenzahlung unerheblich, ebenso ob jemand durch den Verlust der Fähigkeiten noch weiter arbeiten kann.

Bildquellen: istock/Ulf Gähme, Lisa S. / Shutterstock.com, iStock, Fotolia
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