05.06.2012 10:34
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DF Deutsche Forfait: Wollen wesentlichen Teil der verlustigen Forderung zurückholen

Interview: DF Deutsche Forfait: Wollen wesentlichen Teil der verlustigen Forderung zurückholen | Nachricht | finanzen.net
Interview
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Erstmals seit dem Börsengang musste die DF Deutsche Forfait AG einen Verlust ausweisen. Grund war ein säumiger Schuldner. CFO Jochen Franke über die Maßnahmen des Konzerns.
Der Kölner Außenhandelsfinanzierer hat seit Jahren eine solide Geschäftsentwicklung vorgelegt, bei der die vorsichtige Steuerung, der im Geschäft liegenden Risiken, sorgfältig abgewogen wurde. Vor einigen Wochen musste von DF Deutsche Forfait AG jedoch – erstmals in der Geschichte seit dem Börsengang – ein Verlustausweis bekannt gegeben werden, weil ein Schuldner aus den Vereinigten Arabischen Emiraten sein Zahlungsversprechen nicht eingehalten und gleichzeitig auch die Kreditversicherung nicht gezahlt hat. Das angestrengte Schiedsgerichtverfahren gegen die Kreditversicherung ging verloren. CFO Jochen Franke im Interview über die Sicherheitsmaßnahmen des Konzerns und ob sogar mit dem Verlustausweis noch stille Reserven gelegt werden konnten.

Herr Franke, kam der Verlustabschluss 2011 überraschend für die DF Deutsche Forfait AG?
Jochen Franke: Ja, der Verlust kam für uns völlig überraschend. Wir hatten zusammen mit dem Käufer von zwei kreditversicherten Forderungen gegenüber dem Schuldner in Dubai ein Schiedsgerichtsverfahren gegen eine französische Kreditversicherung eingeleitet, nachdem die Kreditversicherung bei Überfälligkeit die Entschädigung verweigert hatte. Nach Abschluss der Beweisaufnahmen und der Vernehmung der Zeugen Ende 2011 waren sowohl wir als auch alle vier beteiligten Anwaltskanzleien hundertprozentig überzeugt, dass wir das Schiedsgerichtsverfahren gewinnen werden. Umso überraschender kam für uns das negative Urteil zu Jahresbeginn.

Haben Sie den Geschäftspartner, der die DF Deutsche Forfait AG hängen ließ, sorgfältig ausgewählt, und haben Sie früher mit ihm schon erfolgreich Geschäfte gemacht?
Der Geschäftspartner war ein neuer Kunde, den wir sehr sorgfältig ausgesucht und überprüft haben. Dies wird auch dadurch belegt, dass das Unternehmen auch heute noch existiert. Das nicht vertragskonforme Zahlungsverhalten des Schuldners in der Finanzmarktkrise haben wir so jedoch nicht erwartet.

Können Sie nochmals in ganz kurzen Zügen, für die Leser, die sich zum ersten Mal mit Ihrer Aktie beschäftigen, das Geschäftsmodell erklären?
Die Deutsche Forfait hat sich auf den regresslosen An- und Verkauf von Außenhandelsforderungen mit Schwerpunkt auf Emerging Markets spezialisiert. Wir kaufen die Außenhandels-forderungen in der Regel vom Exporteur, der durch den Verkauf direkt Liquidität erhält und einen Risikotransfer erreicht. Der Weiterverkauf erfolgt vor allem an Banken, die Außenhandelsforderungen aufgrund des attraktiven Risiko-Rendite Profils nachfragen.

Ist das Geld endgültig verloren, oder besteht noch Hoffnung, dass die DF Deutsche Forfait AG noch etwas retten kann?


CFO Jochen Franke
Das können wir aus heutiger Sicht noch nicht endgültig beurteilen. Tatsache ist, dass das Schiedsgericht gegen uns entschieden hat, und dass wir ja auf alle Fälle die erheblichen Gerichts- und Anwaltskosten, die sich im unteren siebenstelligen Bereich bewegen, verloren haben. Diese Kosten sind aber komplett im Jahresabschluss 2011 berücksichtigt. Wir sind zuversichtlich, einen wesentlichen Teil des noch ausstehenden Betrages vom Schuldner zurückzuholen. Dies wird entweder durch den Verkauf der Forderungen oder durch klassische Inkassomaßnahmen erfolgen. Wir rechnen hier in den nächsten Wochen mit positiven Ergebnissen.

Bei der Präsentation der Bilanzpressekonferenz erwähnen Sie, dass Sie das Geschäft mit privaten Kreditversicherungen eingeschränkt haben. Können Sie dies bitte erläutern?
Wir haben in der Finanzmarktkrise in den Jahren 2008 und 2009 die Erfahrung gemacht, dass sich das Verhalten der privaten Kreditversicherer deutlich verändert hat und die Schadenregulierung erheblich verzögert und erschwert wurde. Daraufhin haben wir das Geschäft mit den privaten Kreditversicherern deutlich zurückgefahren und wieder mehr klassisches bankbesichertes Forfaitierungsgeschäft abgeschlossen. Dadurch haben wir unsere Haftungsrisiken signifikant gesenkt.

Welche Vorteile haben staatliche Kreditversicherungen im Vergleich zu privaten Kreditversicherungen?
Die staatlichen Kreditversicherungen haben im Unterschied zu den Privaten keine Gewinnerzielungsabsichten, sondern dienen der Exportförderung. Darüber hinaus werden Streitfälle vor einem ordentlichen Gericht ausgetragen und unterliegen nicht einem Schiedsgerichtsverfahren.

Ist die DF Deutsche Forfait AG im vergangenen Jahr ein höheres Netto-Risiko, als in den Vorjahren gegangen?
Das Netto-Risiko berechnet als der Nominalwert aller Forfaitierungsgeschäfte abzüglich Sicherheiten betrug zum Jahresende 2011 EUR 15,6 Mio. und lag damit noch leicht unter dem Vorjahreswert von EUR 15,9 Mio. Wir bleiben unserem risikobewussten Ansatz treu.

Welche strategischen Ziele haben Sie sich für die Zukunft gesetzt?
Wir wollen profitabel wachsen. Hierzu ist es notwendig, dass wir unser Volumen steigern. Wir haben in den letzten Jahren eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um unsere Vertriebskraft zu stärken und wollen uns als Marktführer in attraktiven Nischenmärkten etablieren. Ziel muss es sein, dass ein Exporteur bei anspruchsvollen Außenhandelsfinanzierungen automatisch an die DF Deutsche Forfait denkt. Eine zwingende Nebenbedingung ist, die Volumensteigerung mit einem unterproportionalen Anstieg der Verwaltungskosten zu erreichen.

Halten Sie an Ihrer früheren Planung fest, mittelfristig ein Forfaitierungsvolumen von 1 Milliarde Euro zu erreichen?
Ja, ich bin überzeugt davon, dass wir mittelfristig ein Forfaitierungsvolumen von 1 Milliarde Euro erreichen.

Welche Erwartungen hat die DF Deutsche Forfait AG für das laufende Jahr?
Wir haben gerade das erste Quartal 2012 mit einem Konzerngewinn von EUR 0,7 Mio. abgeschlossen. Dies war das beste Quartalsergebnis der DF Deutsche Forfait seit dem ersten Quartal 2010. Das Forfaitierungsvolumen lag bei EUR 190 Mio. und die Forfaitierungsmarge erreichte mit 1,8% das gute Vorjahresniveau. Wir haben unser Verwaltungskosten stabilisiert und gehen bei weiterhin guten Verhältnissen auf dem Forfaitierungsmarkt für 2012 von einem deutlich positiven Konzernergebnis aus.

Haftungsausschluss/Disclaimer: Das aktuelle Interview dient ausschließlich zu Informationszwecken. Die Meinungen und Aussagen der Interviewpartner spiegeln nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder, sondern ausschließlich diejenige des Interviewpartners. Das Interview ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Für Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie für Vermögensschäden wird keinerlei Haftung übernommen.

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