aktualisiert: 13.08.2012 15:58
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EA-Vorstand Moore: Wachstum aus eigener Kraft

Interview: EA-Vorstand Moore: Wachstum aus eigener Kraft | Nachricht | finanzen.net
Mit Fifa erzielt EA Umsätze von 100 Millionen Dollar
Interview
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Der zweitgrößte Videospieleanbieter der Welt Electronic Arts (EA) will künftig verstärkt auf Free-to-play-Spiele setzen. Das machte der für das Tagesgeschäft zuständige Vorstand (COO) Peter Moore im Interview deutlich.
von Thomas Schmidtutz, Euro am Sonntag

Euro am Sonntag sprach mit dem Branchenveteran im Vorfeld von Europas größter Videospielemesse Gamescom (16.-19.8.2012) über den Siegeszug der Web- und Handyspiele, neue Konsolen und die Klage gegen den US-Wettbewerber Zynga.

Euro am Sonntag: Peter, Europas größte Spielemesse Gamescom steht vor der Tür. EA hat eine Reihe starker Titel zum wichtigen Weihnachtsgeschäft in der Pipeline. Genügt das, um an Activision vorbeizuziehen und weltweit wieder die Nummer 1 zu werden?
Peter Moore:
Das ist nicht unser Ziel. Es mag sein, dass Activision im traditionellen Geschäft mit Spielen auf DVDs oder Blu-ray die Nummer 1 ist. Aber die Größe eines Unternehmens an der Zahl der verkauften DVD-Plastikhüllen zu messen, ist nicht besonders aussagekräftig. Schauen Sie: Die Branche verändert sich rasend schnell. Das große Wachstum findet derzeit im Digital-Geschäft statt, also mit Downloads, Online-Spielen oder auf dem iPhone und auf der Android-Plattform. Dort sind wir die Nummer 1. Und das wollen wir auch bleiben und investieren entsprechend.

Aber das rasante Wachstum im Digital-Geschäft hat seine Schattenseiten. Die meisten Handyspiele etwa kosten zwischen 0,79 Euro und 2,99 Euro. Das drückt auf den Umsatz und die Margen. Hat die Branche ihre besten Tage schon hinter sich?
Wieso? Die Digitalisierung hat viele Facetten. Denken Sie nur an den Vertrieb. Früher haben wir teilweise Zehntausende DVDs oder Blu-rays zum Media-Markt oder Saturn geliefert. Wenn ein Spiel nicht gelaufen ist, mussten wir den Preis senken und die entsprechenden Lagerbestände abschreiben. Inzwischen liegen aber immer mehr Spiele als Datei zum Download auf einem Server. Dazu kommen digitale Zusatzinhalte. Das hilft bei den Margen. Außerdem sind die Spiele rund um die Uhr zum Herunterladen verfügbar und wir erreichen mit Spielen etwa fürs iPhone heute völlig neue Zielgruppen, die vorher überhaupt nicht gespielt haben.

Aber das traditionelle Geschäft schwächelt immer stärker. Alleine in den USA gab es im Juli einen Rückgang von gut 28 Prozent. Viele führen diese Zurückhaltung darauf zurück, dass die aktuelle Konsolengeneration schon so lange auf dem Markt ist. Im laufenden Jahr will Nintendo seine neue Konsole Wii U auf den Markt bringen. 2013 könnten die neuen Versionen von Microsoft und Sony kommen. Wie verzweifelt warten Sie auf die neuen Konsolen?
Von Verzweiflung kann nicht die Rede sein (lacht). Das digitale Geschäft wächst ja wie gesagt schnell, nur lässt es sich eben nicht so einfach messen. Von daher schauen wir sicher mit großer Vorfreude und natürlich auch ein bisschen Sehnsucht auf die neuen Angebote.

Wie viel Rückenwind würde das für die Branche bringen?
Sehr viel. Das war in der Vergangenheit so und wird auch dies Mal so sein.

Und die Branche wird dann wieder nachhaltig zweistellig wachsen? Die neue Konsolengeneration wird sicher einen Schub bringen und der wird aus dem traditionellen Geschäft und den digitalen Angeboten kommen. Um es ganz klar zu sagen: Das traditionelle Geschäft mit Spielen auf DVDs oder Blu-rays ist allen Unkenrufen zum Trotz nicht tot. Spiele auf Silberscheiben sind häufig das Sprungbrett für digitale Angebote. Nehmen Sie „Fifa“: Da verkaufen wir ein Spiel für über 50 Euro und machen dann im Schnitt noch mal zehn bis 12 Euro mit digitalen Zusatzinhalten. Insgesamt machen wir so mit digitalen Zusatzinhalten inzwischen alleine mit unserer Fußball-Simulation inzwischen mehr als 100 Millionen Dollar Umsatz.

Der französische Mischkonzern Vivendi hat vor wenigen Tagen erklärt, sein Anteil an Activision sei „nicht strategisch“ und seine Anteile zum Verkauf gestellt. Wären Sie interessiert?
Nein. Wir konzentrieren uns auf unsere Plattformen, Inhalte und Marken. Von daher sehe ich nicht, dass wir bei Vivendi anklopfen werden.

Warum nicht?
Wir haben unseren eigenen Wachstumsplan. Wir verfügen mit Spielen wie „Fifa“, der Rennsimulation „Need for Speed“ oder dem Shooter „Medal of Honor“ über starke Marken. Unsere Investitionen ins Digitalgeschäft zahlen sich aus. Wir werden weiter eher in unser Geschäft investieren als das Geschäft anderer zu übernehmen.

Also keine Übernahmen?
Man soll nie nie sagen. Wir haben mit den Übernahmen von Popcom und Playfish gezeigt, dass wir große Zukäufe stemmen können. Aber im Moment haben wir keine konkreten Pläne.

EA hat gerade mit einer Klage gegen Zynga weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Sie werfen Ihrem Wettbewerber vor, Zynga hätte mit dem Spiel „The Ville“ EAs „Sims Social“ abgekupfert. Welchen Schaden sehen Sie da?
Es geht hier nicht nur um EA und „Sims“. Es geht um den Schutz der ganzen Branche und die Verteidigung geistigen Eigentums. Wir sind glücklicherweise in der Lage, ein solches Verfahren auch stemmen zu können. Wir wollen, dass Kreativität entscheidet und nicht der schnellste Fotokopierer.

Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung?
Das lässt sich im Moment noch überhaupt nicht absehen.

Eines der wichtigsten neuen Entwicklungen von EA in den vergangenen Jahren war „Star Wars: The Old Republic“ (SWTOR). Aber trotz geschätzter Investitionen von über 100 Millionen Dollar sind die Nutzerzahlen für dieses Online-Spiel bislang hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Woran liegt das? Waren die Abo-Gebühren von 15 Euro pro Monat zu ambitioniert?
Als wir vor ein paar Jahren „Star Wars: The Old Republic“ konzipiert haben, sah die Branche völlig anders aus. Das ursprüngliche Geschäftsmodell basierte auf dem Kauf des Spiels auf einer DVD und einem entsprechenden monatlichen Abo. Aber seither haben sich viele Dinge geändert. Wir wissen aus Befragungen, dass wir seit dem Start des Spiels im vergangenen Dezember Gamer nicht deshalb verloren haben, weil ihnen das Spiel nicht gefällt, sondern weil sich viele - auch wegen des schwierigen konjunkturellen Umfelds - nicht mit der Idee der monatlichen Gebühr von 15 Euro beziehungsweise Dollar anfreunden konnten. Daraus haben wir die Konsequenzen gezogen und unser Geschäftsmodell entsprechend angepasst. Wir setzen jetzt auf ein Hybrid-Modell. Ab Herbst können Spieler im Rahmen eines Premium-Pakets immer noch alle Inhalte bekommen. Aber wir bieten ab dann auch einen Free-to-play-Zugang an. Der ist grundsätzlich umsonst. Gezahlt wird hier nur für Ausrüstungsgegenstände wie Waffen oder neue Charaktere.

Wie viele monatlich aktive Nutzer peilen Sie da an? Eine zweistellige Millionenzahl?
Das wäre schön. Das Spiel ist grundsätzlich kostenlos, und Star Wars hat eine große Fangemeinde. Langfristig sehe ich daher keinen Grund, warum wir nicht eine zweistellige Millionenzahl von monatlich aktiven Nutzern schaffen sollten. Aber im Moment ist es für eine konkrete Prognose noch zu früh.

Ist der Hybrid-Ansatz ein Modell für andere Spiele?
Ein Multi-Player-Online-Spiel ist etwas anderes als ein Shooter. Aber langfristig wird der Trend zu immer mehr und immer größeren Free-to-play-Games gehen. Bei EA wird das langfristig jedenfalls ein sehr wichtiger Teil in unserem Portfolio.

Bildquellen: Debby Wong / Shutterstock.com

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